Ortsamt Strom bleibt zu

Ohne Treppe und ohne Aufzug

Die neue Fluchttreppe kann noch nicht aufgebaut werden. Und auch danach bleiben bauliche Probleme im Stromer Ortsamt ungelöst.
10.01.2020, 19:49
Lesedauer: 4 Min
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Von Karin Mörtel

So langsam entwickeln sich die Ereignisse rund um das derzeit geschlossene Ortsamt Strom (wir berichteten im Hauptteil) zu einem ziemlich teuren Schildbürgerstreich. So sehen es zumindest einige Menschen in dem kleinen Bremer Ortsteil an der Grenze zu Niedersachsen. Eine komplizierte Geschichte sei das, „aber die Hoffnung auf eine Lösung haben wir noch nicht verloren“, versichert Ortsamtsleiter Wilfried Frerichs.

Zum Hintergrund: Da die für Ende des Jahres 2019 versprochene Außentreppe nun erst verspätet aufgestellt werden kann, muss Frerichs wie bereits seit Juli mit der kommunalen Sachbearbeiterin Bürger im Ortsamt Seehausen empfangen. Und der Beirat muss sich für seine Versammlungen weiterhin Ausweichquartiere überlegen, weil das Sitzungszimmer und die Amtsstuben im Obergeschoss der Grundschule geschlossen bleiben, solange es noch keinen zweiten Fluchtweg gibt.

Die Räume im Dachgeschoss der Stromer Landstraße 26 a waren Ende Juli von der Baubehörde ohne langfristige Vorwarnung gesperrt worden. Grund waren demnach dringend nötige Brandschutzmaßnahmen, die allerdings schon seit Februar 2018 in Zusammenarbeit mit der städtischen Liegenschaft Immobilien Bremen (IB) und dem Ortsamt geplant worden waren. Ein Baubeginn war dabei hingegen noch nicht festgelegt worden.

Dass das Gebäude dann so plötzlich gesperrt wurde, hatte mit einem Verwaltungsfehler zu tun: Bei der Planung der Sanierung war aufgefallen, dass schon in den 1990er-Jahren für den Umbau des Gebäudes, in dessen Erdgeschoss eine Schule untergebracht ist, keine Baugenehmigung vorgelegen hatte. Das Ortsamt war quasi ein Schwarzbau.

Die bestellte Außentreppe aus Stahl lässt nun, wie berichtet, aufgrund eines Fehlers im Bauantrag noch etwas auf sich warten. „Es hätte fast geklappt, aber wir dürfen den Mut nicht verlieren“, reagiert Frerichs gelassen auf seinen verschobenen Wiedereinzug in die Amtsstuben unter dem Dach der Schule. Er hoffe nun, dass die versprochene Treppe „noch im ersten Quartal 2020“ am Ortsamt aufgebaut wird und damit die Bürgerinnen und Bürger sowie der Beirat ihr Ortsamt wieder nutzen können.

Im Versammlungsraum ist jedenfalls der Fluchtweg schon fertig: Eine kleine Holztreppe führt nun zum „Fluchtfenster“, durch das die Menschen über die noch fehlende Stahltreppe im Brandfall das Ortsamt verlassen könnten. Nur 25 Personen dürfen an Versammlungen künftig teilnehmen, das ist die festgeschriebene Obergrenze. „Mehr Leute bringen wir in dem kleinen Zimmer sowieso nicht unter“, sagt Frerichs.

Viel mehr Sorgen als neue Brandschutzauflagen bereitet ihm indes die Nachricht, dass sich der in einer Machbarkeitsstudie vorgeschlagene Erweiterungsbau der Grundschule wohl noch weiter verzögern wird. Für den politisch gewollten Ganztagsbetrieb aller Grundschulen in Bremen müssten auch in Strom eine Mensa sowie weitere Räume her. In den geplanten Anbau sollte im Erdgeschoss dann auch das Ortsamt perspektivisch umziehen. „Damit wir endlich barrierefrei werden“, erklärt der Ortsamtsleiter.

Doch daraus wird wohl erst einmal nichts. Wie die Bildungsbehörde bestätigt, ist der konkrete Auftrag für den Erweiterungsbau noch nicht an Immobilien Bremen erteilt werden. „Wir haben immer gesagt, dass die Schule derzeit noch keinen Ganztagsbeschluss hat und dass wir deshalb nicht zusagen können, wann die Maßnahmen aus der Machbarkeitsstudie umgesetzt werden“, teilt Annette Kemp aus der Bildungsbehörde mit.

Und da die betreffende Studie derzeit noch bei Immobilien Bremen geprüft werde, „warten wir derzeit auf die Machbarkeitsstudie“, so die Sprecherin. Bei Immobilien Bremen ist zu erfahren, dass tatsächlich derzeit nochmals geprüft werde, auf welchem Weg die Barrierefreiheit von Schule und Ortsamt nun gewährleistet werden kann. Allerdings hinge der Zeitpunkt der Umsetzung der Pläne dann vom Auftrag der Bildungsbehörde ab.

Doch diese Verzögerung ruft nun den Landesbehindertenbeauftragten auf den Plan. Wenn nicht einmal klar sei, ob und wann der Erweiterungsbau überhaupt gebaut werde, „dann kann ich nicht länger dulden, dass das Ortsamt auf unbestimmte Zeit nicht barrierefrei ist“, so Joachim Steinbrück. Solange er für die kommenden zwei bis drei Jahre eine Perspektive auf ein ebenerdiges Ortsamt gesehen habe, sei das für ihn noch schweren Herzens akzeptabel gewesen. „Aber zehn Jahre können wir nicht mehr warten, nun muss die Barrierefreiheit umgehend hergestellt werden“, fordert Steinbrück.

Bei Immobilien Bremen erklärt Sprecher Peter Schulz, dass daher nun auch ein Fahrstuhl Teil der weiteren Überlegungen ist, wie es am Ortsamt Strom weitergehen soll. Ungeachtet dessen soll das Ortsamt erst einmal den Betrieb wieder aufnehmen, sobald die Außentreppe aufgestellt ist.

Es ist die Landesbauordnung und das Behinderten-Gleichstellungsgesetz, auf das sich der Landesbehindertenbeauftragte beruft. „Öffentliche Gebäude müssen auch für Menschen erreichbar sein, die nicht oder nur schlecht Treppen steigen können – und das ist im Ortsamt nun offenbar auch mittelfristig nicht der Fall“, kritisiert Steinbrück. Aus seiner Sicht wäre die beste Lösung, „wenn die mit allen Beteiligten abgestimmte Planung eines Erweiterungsbaus nun doch noch zügig angegangen wird.“

Ortsamtsleiter Frerichs hofft aktuell, mit einem gemeinsamen Gespräch aller Beteiligten einen Ausweg aus der verfahrenen Situation zu finden. „Jede Behörde schaut nur auf ihren eigenen Bereich, aber wir müssen gemeinsam eine gute Lösung finden“, appelliert er an die zuständigen Stellen in Politik und Verwaltung. Neben anderen sind auch noch die Sportbehörde sowie die Landesdenkmalpflege beteiligt. Andernfalls fürchtet Frerichs „irre hohe Kosten für eine Zwischenlösung, die in ein paar Jahren wieder verschrottet wird“.

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