Linke Sammlungsbewegung

„Aufstehen“ ist in Bremen quicklebendig

Wohin steuert die linke Sammlungsbewegung „Aufstehen“? Bei einem Bremer Plenum arbeiteten am Mittwochabend rund 200 Aktivisten an inhaltlichen Positionen. Kritik gab es an der Bundesspitze.
17.01.2019, 20:01
Lesedauer: 2 Min
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„Aufstehen“ ist in Bremen quicklebendig
Von Jürgen Theiner
„Aufstehen“ ist in Bremen quicklebendig

Versammlungsleiter Volker Schmidt begrüßte im Bürgerzentrum an der Berliner Freiheit rund 200 Aktivisten von "Aufstehen".

Christina Kuhaupt

Die Führung der Linkspartei straft das Projekt mit Nichtachtung, doch „Aufstehen“ ist zumindest in Bremen quicklebendig. Davon konnte man sich am Mittwochabend im Bürgerzentrum Neue Vahr überzeugen. Die von Sahra Wagenknecht, der Bundestagsfraktionschefin der Linken, ins Leben gerufene Sammlungsbewegung hatte dorthin zu einem Bremer Plenum eingeladen, und rund 200 Personen folgten diesem Aufruf.

Für die meisten begann die Veranstaltung mit einer Enttäuschung. Angekündigt war nämlich ein Auftritt der nordrhein-westfälischen Bundestagsabgeordneten Sevim Dagdelen, die für ihre kämpferische Rhetorik – je nach Adressat – geschätzt oder gefürchtet wird. Dagdelen musste allerdings krankheitsbedingt absagen. So blieb der Versammlung mehr Zeit für die Diskussion über die künftige Arbeit. Und da gab es in der Tat eine Menge zu besprechen, wie sich rasch zeigen sollte.

Bundesspitze völlig intransparent

„Aufstehen“ ist bundesweit formal als Verein konstituiert und speist sich vor allem aus Anhängern der Linkspartei sowie der linken Flügel von SPD und Grünen. Auch bisherige Nichtwähler mit Gespür für die soziale Frage sollen angesprochen werden. Wie es jedoch gelingen kann, auf außerparlamentarischem Weg auf die linken Parteien einzuwirken und gesellschaftliche Veränderungen zu bewirken, darüber gibt es innerhalb der Sammlungsbewegung sehr unterschiedliche Meinungen.

Was die Besucher der Veranstaltung im Bürgerzentrum Neue Vahr einte, war die Kritik an der Bundesspitze von „Aufstehen“. Dort werde „völlig intransparent“ gearbeitet, urteilte beispielsweise der frühere SPD-Landesvorsitzende Horst Isola. Auch Versammlungsleiter Volker Schmidt kritisierte die Berliner Akteure. Sie behinderten sogar die Arbeit auf Länderebene, indem etwa kürzlich die Facebook-Accounts der 16 Landesgruppen stillgelegt worden seien. So sei in Bremen aktuell eine Kommunikation mit den Anhängern über das Internet kaum möglich.

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Breiten Raum nahmen in der Versammlung die Präsentationen der Arbeitsgruppen ein, die sich im vergangenen Herbst zusammengefunden hatten. Zu Themen wie Wohnen, Gerechtigkeit, Demokratie und Frieden treffen sich seither Zirkel von Aktivisten, zumeist in Stadtteilkneipen. Aus der Gruppe „Wohnen“ wurde die Forderung nach einer massiven Ausweitung des sozialen Wohnungsbaus vorgetragen. Im kleinsten Bundesland gebe es zurzeit nur noch etwa 8000 Wohnungen mit Sozialbindung, vor 20 Jahren sei diese Zahl zehnmal so hoch gewesen.

Altersmäßige Schlagseite

Die Wohnungspolitik des rot-grünen Senats wurde als Etikettenschwindel bezeichnet. Zwar gebe die Landesregierung bei Neubauprojekten seit einiger Zeit eine feste Sozialwohnungsquote vor, „doch die Bindung reicht dann nur 20 Jahre“, beklagte Gruppensprecher Rudolfo Bohnenberger. Danach werde von den Investoren abkassiert. Bohnenberger rief die Versammlung zur Teilnahme an einer Demonstration für das „Menschenrecht auf Wohnen“ am 23. März auf.

Was in der Versammlung schon rein optisch auffiel, war die altersmäßige Schlagseite. Die meisten Teilnehmer dürften ihr 50. Lebensjahr deutlich überschritten oder sogar schon das Rentenalter erreicht haben. Mit seinen 39 Lenzen wirkte Tobias Punke in der ergrauten Versammlung schon fast wie ein junger Hüpfer. „Unser Altersschnitt ist tatsächlich ein Problem“, sagte der „Aufstehen“-Aktivist nach der Versammlung im Gespräch mit dem WESER-KURIER. „Aber wenn man sich von den klassischen Parteien nicht vertreten fühlt, ist ,Aufstehen' eine der wenigen Möglichkeiten, sich zu engagieren.“

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