Gärtnern auf dem Balkon

Gemüse und Kräuter selbst ziehen

Regrowing: Dorothee Meier vom Naturschutzbund sieht darin einen Beitrag zum Klimaschutz.
15.10.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Chantal Moll

Gärtnern auf dem Balkon und dabei aus Küchenresten neues Gemüse ziehen, das lernten Interessierte in der vergangenen Woche in einem Seminar im Bürgerzentrum Neue Vahr. Den Workshop „Regrowing – neues Gemüse aus Resten ziehen“ leitete Dorothee Meier vom Naturschutzbund des Landesverbands Bremen (Nabu) in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule. Die Mitarbeiterin des Projekts „Gemeinsam für den Klimaschutz im Alltag“ sieht darin einen wichtigen Beitrag zum Naturschutz. Gerade im Alltag könne jeder etwas dazu beitragen. Die Weiterverwertung von Gemüseresten aus der Küche gehört für sie dazu. Das Projekt wird gefördert durch das Umweltbundesministerium.

„Die Welt wird dadurch nicht heiler, aber es ist ein kleiner Baustein“, sagt Meier über ihren Beitrag zum Klimaschutz. Als Beispiel nennt sie unter anderem das Endstück eines Romana-Salatkopfs. Das kommt in ein Gefäß mit Wasser an einen hellen Standort und muss mit Wasser besprüht werden. Bei einem ein Zentimeter langen Trieb in der Mitte kann das Endstück in die Erde gesetzt werden und die Pflanze wächst dann dort weiter. Das ist auch unter anderem bei Römersalat, Sellerie oder Pak Choi möglich.

Diese Vorgehensweise ist die Blattbildung aus einem verkürzten Spross. Daraus wächst zwar kein ganzer Salat mehr, aber aus den Endstücken können Verbraucher durchaus noch etwas herausholen. „Es sind keine Großernten, aber Kleinvieh macht auch Mist“, sagt Meier. Rund ein Zehntel der ursprünglichen Ernte bekommt der Verbraucher am Ende aus der Pflanze raus. Immerhin sei das dann jeder zehnte Romanasalat, den der Verbraucher nicht kaufen müsse. „Ich kaufe einen Salat weniger und damit ist es einer, der weniger produziert werden muss“, erklärt die Mitarbeiterin vom Nabu. Ein kleiner Beitrag für den Klimaschutz, findet Meier. „Alles was nicht in großer Entfernung, mit intensiver Landwirtschaft produziert und weit transportiert werden muss, spart Treibhausgase“, sagt sie. Außerdem schone es den Geldbeutel und mache Freude.

In dem Workshop ging es vor allem um das „Regrowing“, die englische Bezeichnung für „nachwachsen“, für den täglichen Haushalt. Gemüse, das auf dem Balkon oder der Terrasse weiterwächst und Kräuter, die auch auf der Fensterbank überleben und geerntet werden können. Ein Garten ist dafür also nicht notwendig. Auch wenn sich die Nachzucht der einzelnen Gemüsesorten in den Details unterscheidet, bleibt das Prinzip bei der erneuten Blattbildung immer gleich: Das Gemüse, ohne die Triebe, den Ansatz oder den Strunk zu beschädigen, in ein Gefäß mit Wasser setzen. Wenn einzelne Wurzeln nachgewachsen sind, können Verbraucher das Gemüse in einen Topf umpflanzen und an einen hellen Ort stellen. Dort muss es dann regelmäßig gegossen werden.

Bei Karotten hingegen lasse sich nur das Karottengrün nachzüchten, das ebenfalls essbar isei und sich gut als Haustierfutter mache. Das Möhrenende muss dabei mit der Wurzel, also mit dem Grün nach oben, in ein niedriges Gefäß mit Wasser gestellt werden. Wie bei allen anderen Gemüsesorten kommt es dann an einen hellen Ort, und der Verbraucher muss das Wasser regelmäßig wechseln. Nach einigen Tagen sollte das Karottengrün dann nachwachsen. Für Einsteiger empfiehlt Meier Basilikum, Kopfsalat, Frühlingszwiebeln, Knoblauch und Minze. Anspruchsvoller seien hingegen Koriander, Zitronengras, Kartoffeln und Avocados. Ingwer und Knoblauch wachsen aus der Treibbildung am Speicherorgan erneut. Dafür wird die Knoblauchzehe in einen Blumentopf mit Erde gesteckt, mit der Spitze nach oben. Dabei soll rund 2,5 Zentimeter der Zehe mit Erde bedeckt sein, dann muss sie regelmäßig gewässert werden und an einem hellen Ort feucht bleiben. Die nachgewachsenen Blätter kann der Hobby-Gärtner entweder abschneiden und verwerten oder die Blätter nachwachsen lassen, sodass er eine komplette Knolle ernten kann.

Die Bewurzelung eines Sprosses ist das Prinzip bei Kräutern. Als Beispiel Basilikum: Einen rund zehn Zentimeter langen Trieb abschneiden, die unteren Blätter entfernen und ihn in ein Gefäß mit Wasser an einen hellen Ort stellen. Dort sollte das Basilikum dann bei regelmäßigem Wasserwechsel neue Wurzeln bekommen. Wenn es so weit ist, kann es in einen Topf mit Erde gesetzt werden, und dort wächst das Basilikum weiter.

Wer sich nicht an das Regrowing von Kräutern traut, kann sich bei der Kräuter-Flatrate des Nabu bedienen. Der Nabu zieht die Küchenkräuter klima- und ressourcenschonend unter Alltagsbedingungen in seinem unklimatisierten Gewächshaus am Standort Vahrer Feldweg 185, dort können Interessierte sich eine Kräuterpflanze, beispielsweise Schnittlauch, ausleihen und gegen Pfand mit nach Hause nehmen. Der Verbraucher pflegt die Pflanze und bringt sie dann wieder zurück. Beim Nabu können die Kräuter dann auch überwintern.

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