Einkaufszentrum Berliner Freiheit

Wieder Leben im Einkaufszentrum

Kunden nutzen die Möglichkeit zum spontanen Einkaufen oder mit Termin in der Berliner Freiheit – Unsicherheit bleibt
25.03.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Chantal Moll

Die Berliner Freiheit füllt sich wieder: Was monatelang gespenstisch leer wirkte, lockt nun wieder Kundschaft an. Vor einem Geschäft bildet sich eine Schlange, Kunden, die darauf warten, ihre Kontaktdaten am Eingang zu hinterlassen und shoppen zu gehen. Dennoch ist in dem Einkaufszentrum in der Vahr längst nicht so viel los wie vor der Pandemie. Mit der neuen Einkaufsmöglichkeit „Click and Meet“ startete auch das Einkaufszentrum Berliner Freiheit vor rund zwei Wochen. Dort nennt sich das Einkaufen mit Termin „Date and Collect“, mit dem nur unter anderem Namen das gleiche Prinzip gemeint ist.

Vor dem Shoppen anrufen

Kundinnen und Kunden können vorher in den Shopping-Geschäften anrufen und einen Termin zum Einkaufen vereinbaren. Damit sind in der Vahr zurzeit zwölf Läden, die unter anderem Kleidung, Möbel, Handybedarf und Spielwaren anbietet, geöffnet. Teilweise ist es auch möglich, spontan vorbeizuschauen und zu schauen, ob gerade ein Kunde in dem Geschäft ist. Ist dem nicht so, können Interessierte in den meisten Fällen auch ohne Anmeldung ganz spontan einkaufen. Die Kontaktdaten müssen die Kunden, anders als in Geschäften des täglichen Bedarfs, hinterlegen. Die einzige Ausnahme bildet die Filiale der Buchhandlungskette, sie hat wieder ganz normal geöffnet.

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Doch auf große Begeisterung scheint das Konzept nicht zu stoßen, ist der Eindruck der Beschäftigten der Läden Meik Naseweis und Brefeo. „Wir leben normalerweise eher von der Laufkundschaft“, sagt Angestellte Christiane Scislowski im Spielwaren- und Kinderartikelgeschäft Meik Naseweis. Der Laden befindet sich im ersten Obergeschoss des Einkaufszentrums und lockt vor allem spontane Kundschaft an. „Das sind dann die Leute, die zum Bummeln vorbeikommen und Kleinigkeiten kaufen“, berichtet Scislowski. Zum spontanen Termin-Shopping können Kundinnen und Kunden bei Meik Naseweis allerdings auch mit dem Prinzip „Date and Collect“ kommen. Ihre Kontaktdaten müssen sie natürlich hinterlassen.

Es seien doch lange nicht so viele Kunden, wie unter normalen Umständen, so die Beobachtung, die auch Fatih Özdemir macht. „Ich schätze, es sind so 70 Prozent weniger Laufkunden als normalerweise“, sagt der Inhaber des Möbelladens Brefeo. Damit meint Özdemir die Zeit vor der Pandemie. Im Gegensatz zum Spielwarengeschäft Meik Naseweis bietet Brefeo kein spontanes Termin-Shopping an. Dort ist nur ein Verkäufer vor Ort, wenn auch ein Termin vereinbart wurde. Das seien rund vier bis fünf am Tag. „Das ist nicht viel“, sagt Özdemir. Doch im Vergleich zu den vergangenen Monaten habe auch er den Eindruck, dass sich die Berliner Freiheit langsam wieder fülle. „Man merkt schon einen großen Unterschied, seit es die neuen Einkaufsmöglichkeiten gibt“, sagt der Inhaber.

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Christiane Scislowski bei Meik Naseweis beobachtet einen Unterschied innerhalb der Woche. Wenn der Wochenmarkt aufgebaut sei, sei im Zentrum deutlich mehr los. Das ist immer dienstags, donnerstags und sonnabends der Fall. „Das sind die Tage, wo wir in der Tat mehr Kundschaft haben.“ Der Sonnabend sei der umsatzstärkste Tag des Ladens, insbesondere in den Monaten Februar und März. Dann bekämen die Schulkinder ihre Zusagen von den Schulen und brauchten Ranzen – die das Geschäft auch verkauft. Normalerweise gibt es zu diesem Anlass am ersten Februarwochenende immer eine Ranzen-Party in der Berliner Freiheit. Ein langer Tisch im Untergeschoss des Einkaufszentrums zeigt alle möglichen Modelle von Schultaschen und vier Angestellte beraten Eltern und Kinder. Im diesem Jahr fiel das Ereignis aus. Jetzt habe der Laden im Schnitt zwei Termine zum Kauf von Schulranzen am Tag, berichtet Scislowski. „Alles andere ist eher schwierig“, beobachtet sie und meint damit die Laufkundschaft mit Spontan-Einkäufen.

Entwicklung im Blick

Eggert Peters weist für das Center-Management darauf hin, dass das aktuelle Tagesgeschehen im Blick behalten werden müsse. Sobald von Bund oder Land andere Beschlüsse kämen, müsse natürlich auch die Berliner Freiheit dementsprechend reagieren. Wenn das System „Date and Collect“ nicht mehr greife, werde es jedoch weiterhin das System zum Abholen von Waren geben: „Click and Collect“.

Info

Zur Sache

Die Berliner Freiheit

Der Platz mit Geschäften und dem gleichnamigen Einkaufszentrum im Ortsteil Neue Vahr Südost liegt direkt neben dem Aalto-Hochhaus. Der Rahmenplan für die Bebauung der Vahr ab 1957 sah ein Stadtteilzentrum an der Berliner Freiheit vor, der Name Berliner Freiheit war 1958 gewählt worden, er sollte die Verbundenheit zur Hauptstadt Deutschlands ausdrücken. Um den Platz befanden sich mehrere Einkaufsmöglichkeiten, aus denen in den 1970er Jahren ein Einkaufszentrum in offener Bauweise entstand – die Berliner Freiheit. 2002 wurde ein Teil der Bebauung um die Berliner Freiheit abgerissen und es entstand ein neues Einkaufszentrum, das 2003 mit einem Festakt eingeweiht wurde. Neben dem Einkaufszentrum befinden sich an der Berliner Freiheit auch das Bürgerzentrum Neue Vahr, die Stadtteilbibliothek und weitere Einrichtungen.

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