Kita-Versorgung in der Vahr

Ausreichend Platz für Kinder

In der Vahr wird es voraussichtlich schon ab diesem Jahr genügend Plätze für Kindergartenkinder geben. Gleichzeitig steigt der Förderbedarf der Kinder im Stadtteil.
10.05.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Ausreichend Platz für Kinder
Von Christian Hasemann
Ausreichend Platz für Kinder

Regina Dagge (links) und Merve Dertli, Leiterinnen der Kita August-Bebel-Allee, haben drinnen und draußen viel Platz. Auf sie warten trotzdem große Herausforderungen.

PETRA STUBBE

Erstmals seit mehreren Jahren wird es in diesem Sommer voraussichtlich genügend Platz für alle angemeldeten Kindergartenkinder in der Vahr geben. Mit einem Platz allein ist es allerdings nicht getan - darauf haben Kita-Leitungen aus dem Stadtteil in der jüngsten Sitzung des Fachausschusses Kinder und Jugend hingewiesen.

Nach den aktuellsten Zahlen der Bildungsbehörde wird es in der Vahr in 19 Kindertageseinrichtungen 1414 Plätze für Kinder unter sechs Jahren geben. Laut Fatmanur Sakarya-Demirci,die im Bildungsressort für den Ausbau in der Vahr zuständig ist, komme die Vahr nach dem aktuellen Anmeldezahlen auf 65 freie Plätze im Krippenbereich und 35 freie Plätze im Bereich der Drei- bis Sechsjährigen. Sie verwies auf die Kraftanstrengung der vergangenen Jahre. „Wir haben seit 2015/2016 fünf komplett neue Einrichtungen mit 256 Plätzen gebaut.“ Insgesamt seien im selben Zeitraum 4139 neue Kindergartenplätze entstanden.

Fachpersonal noch immer knapp

Der quantitative Ausbau hat auch eine Kehrseite. „Da sehen wir aber auch, wie viel Fachpersonal gewonnen werden muss.“ Tatsächlich hakt es in einigen Kitas genau daran: Es stehen nicht so viele Erzieherinnen und Erzieher bereit, um alle Gruppen auch zu öffnen. Beispiel Kita August-Bebel-Allee: Diese ist im Januar mit vier Gruppen gestartet. Im Laufe des Frühjahrs ist eine weitere Gruppe hinzugekommen, Platz ist aber für acht Gruppen. Dirk Sommer von der Regionalleitung beim städtischen Träger Kita Bremen geht davon aus, dass die übrigen Gruppen zum neuen Kita-Jahr starten können. „Wir hoffen, dass wir die offenen Stellen zum 1. August voll besetzen können.“ Es habe absolute Priorität, die Gruppen zu eröffnen.

Lesen Sie auch

Entspannung deutet sich auch für die Zukunft in der Vahr an. Laut Bevölkerungsprognose wird die Anzahl der Kindergartenkinder in den kommenden Jahren in der Vahr sinken. Allerdings: Solche Prognosen haben sich in der Vergangenheit, teilweise durch unvorhersehbare Ereignisse, schon öfter als ungenau erwiesen. So hat zum Beispiel die Flüchtlingskrise 2015 alle damaligen Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung verzerrt.

Den aktuell prognostizierten Rückgang brachte Sakarya-Demirci mit dem Aus der Wohnbebauung auf der Galopprennbahn in einen Zusammenhang. Zur Erklärung: Bei der Berechnung der Bevölkerungsprognosen werden auch Bauprojekte berücksichtigt.

Zeit zum Ausruhen sieht Sakarya-Demirci dennoch nicht. „Wir müssen jetzt jährlich überprüfen, ob wir weiter Richtung Ziel sind oder ob wir umsteuern müssen.“ Derzeit werde geprüft, ob am geplanten Baugebiet an der Ostpreußischen Straße eine zusätzliche Kita entstehen könne. Ihr Fazit für das kommende Kindergartenjahr: „Die Nachfrage wird befriedigt werden können.“

Von einer „ganz tollen“ Nachricht sprach im Anschluss Beiratssprecher Bernd Siegel (SPD). „Das ist eine tolle Meldung und wir hoffen, dass es so eintritt.“ Die scheidende Ortsamtsleiterin Karin Mathes ergänzte: „Ich möchte mich bei dem Beirat und allen Beteiligten bedanken, die sehr viel Kraft aufgewendet haben.“

Hoher Förderbedarf in der Vahr

Bei allem Lob und Dank an diesem Abend: Auf die Kindertageseinrichtungen kommt nun offenbar ein großer Kraftakt zu. „Es ist gut, dass wir diese Zahlen erreicht haben“, so Dirk Sommer. „Aber es gibt große Herausforderungen.“ Es gebe immer mehr Kinder mit Förderbedarf in der Vahr. „Und es ist gut, dass diese Kinder jetzt in der Kita landen, aber es ist eine große qualitative Herausforderung, den Bedarf bei dem derzeitigen Personalschlüssel zu decken.“ Will heißen: Die Personalausstattung ist so dünn, dass es schwierig ist, allen Kindern, die besonderen Förderbedarf haben, diesen auch zuteil werden zu lassen.

Lesen Sie auch

Annette Köhler von der Kita St. Hedwig teilt diese Einschätzung. „Auch wir haben das beobachtet.“ Viele Kinder benötigten einen persönlichen Assistenten. „Und was wir noch merken, ist, dass das Personal am Ende der Kräfte ist.“ Immer wieder komme es zur Personalnot. „Und das in Kombination mit Kindern, die besonderer Aufmerksamkeit bedürfen, lässt uns an die Grenzen stoßen.“

Regina Dagge, Leiterin der Kita August-Bebel-Allee, wies auf einen weiteren Punkt hin. „Wir bräuchten schon mehr Personal in den Gruppen, denn wenn eine persönliche Assistenzkraft ausfällt, muss das betreffende Kind zuhause bleiben, es gibt keinen Puffer.“ Der Förderbedarf sei ein sich zuspitzendes Thema. „Und die Frage ist, ob die Gruppen nicht zu groß sind.“

Beiratssprecher Bernd Siegel versteht das Anliegen der Kita-Leitungen als politischen Auftrag. „Eine politische Forderung könnte sein, dass man bei bestimmten Förderbedarf die Gruppenzahl reduziert, um die Arbeit etwas zu erleichtern.“ Dafür allerdings würde auch wieder mehr Personal und auch mehr Raum benötigt.

Info

Zur Sache

Demografischer Ausblick

Im März dieses Jahres ist eine Bevölkerungsstudie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung veröffentlicht worden. Diese prognostiziert einen Bevölkerungsrückgang bis 2040 in Deutschland um 1,3 Millionen Bewohner. Die regionalen Unterschiede sind dabei sehr groß. Für Bremen wird eine geringe Zunahme auf 572.400 im Jahr 2040 angenommen. Im Vergleichsjahr 2017 lebten knapp 568.000 Menschen in Bremen.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+