Stadtteilbesuch

„Ein Stadtteil, dem die Zukunft gehört“

Bürgermeister Bovenschulte informiert sich über Integrationsprojekte beim Besuch in der Vahr
27.07.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Chantal Moll

„Man kann die zentralen Probleme durch diese Arbeit nicht lösen, aber man kann einen Anknüpfungspunkt schaffen“, sagt Bürgermeister Andreas Bolvenschulte (SPD) über die Projekte „Face to Face“ und „The Next Generation“ bei seinem Besuch im Stadtteil Vahr, der ihn unter anderem auch ins Bürgerzentrum Neue Vahr führt.

Dort stellt Tom Pichelmann dem Bürgermeister die beiden jüngsten Integrationsprojekte, Face to Face und The Next Generation, vor. Bovenschulte lobt diese Projekte und meint, wegen solcher Angebote sei die Stimmung in der Vahr oft besser, als die Statistiken zeigen würden. Er sei sich jedoch bewusst: „Das entlastet uns aus der Politik nicht, etwas an den zentralen Problemen zu ändern.“

Face to Face ist ein Angebot für Migranten und Geflüchtete ab einem Alter von 18 Jahren, gefördert wird es von der Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa und vom Europäischen Sozialfonds im Land Bremen (ESF). Bei dem Projekt können die jungen Migranten und Flüchtlinge Deutschkurse belegen, Nähwerkstätten besuchen oder zum Berufscoaching gehen. Das soll ihnen den Einstieg ins Berufsleben erleichtern und eine größere Sicherheit bieten.

The Next Generation ist ein Theaterprojekt, bei dem Bremer und Migranten zusammenkommen, um gemeinsam ein Theaterstück zu entwickeln. „Das Bürgerzentrum Neue Vahr ist ein Ort, an dem sich jeder Bremer und jede Bremerin künstlerisch entfalten kann“, erklärt Pichelmann. Er ist sowohl Deutschlehrer bei Face to Face als auch Theatercoach bei The Next Generation. Beide Projekte laufen unabhängig voneinander, überschneiden sich allerdings teilweise bei den Teilnehmern und auch bei den Coaches. Außerdem leitet Saher Khanaqa-Kükelhahn beide Projekte. „Oft haben wir Teilnehmer, die tagsüber bei Face to Face einen Deutschkurs belegen und abends noch beim Theater sind“, berichtet Pichelmann.

Beiratssprecher Bernd Siegel (SPD) betont beim Besuch des Bürgermeisters: „Wir haben das ein oder andere Problem im Stadtteil, können aber mit den Herausforderungen umgehen, weil wir hier alle an einem Strick ziehen.“ Die Situation sei jedoch immer im Vergleich zu anderen Stadtteil zu betrachten. Zu den Herausforderungen in der Vahr gehört unter anderem der Anteil an Hartz-IV-Empfängern oder anderen Empfängern von Transferleistungen, und damit einher gehe eine hohe Arbeitslosigkeit. Außerdem gebe es in der Vahr im Vergleich günstige Wohnungen und damit auch eine andere Einwohnerschaft als in anderen Stadtteilen. Deshalb seien Projekte gerade für die Menschen, die Unterstützung für ihre Kinder brauchten, wichtig. Sei es in den Schulen, Kitas oder auch im Bürgerzentrum. „Mit dieser Hilfe können wir das auffangen, was nicht so gut läuft“, erklärt Beiratssprecher Siegel.

Im Bürgerzentrum Neue Vahr erläutert Siegel dem Bürgermeister, wie wichtig die Gelder aus dem Fördertopf Soziale Stadt für die Vahr und auch für alle anderen Stadtteile seien. Die Investivmittel von rund 60 000 Euro seien wichtig für die Verbesserung der Aufenthaltsqualität im Wohnumfeld. Dazu zählten beispielsweise die Spielplätze oder auch Umbauten im Bürgerzentrum, die dafür sorgten, dass Projekte wie Face-to-Face oder The Next Generation geeignete Räume hätten. Der Stadtteil habe in der Vergangenheit sehr von diesen Mitteln profitiert. Diese Förderung sei derzeit gefährdet. „Wir werden mit aller Kraft dafür kämpfen, dass der Neuen Vahr die Fördermittel aus der sozialen Stadt weiterhin zur Verfügung stehen“, betont der Vahrer Beiratssprecher.

Auch Tom Pichelmann hat eine Botschaft an den Bürgermeister: „Es ist möglich, mit Herzblut und viel Arbeit Menschen zu integrieren.“ Dafür seien Projekte wie The Next Generation besonders geeignet und integrierten oft mehr als nur ein Deutschkurs mit auswendig gelernten Grammatikregeln. Denn auch in den Projekten sprechen alle Deutsch miteinander. Gerade das Gefühl von Zusammenhalt stärke die Integration. „Es gibt kaum einen Stadtteil, der so sehr von Vielfalt, Solidarität, Zusammenhalt und auch Zukunftsoptimismus lebt“, sagt Bovenschulte nach diesen Ausführungen.

Für den Stadtteil sei es wichtig, dass der Bürgermeister sich einmal die Projekte vor Ort anschaue und für den Stadtteil wichtige Orte besuche, wie das Aalto-Hochhaus mit dem Blick über die gesamte Vahr, meint Beiratssprecher Siegel. Denn dorthin ging es im Anschluss an den Besuch im Bürgerzentrum Neue Vahr.

Außerdem besuchte Bovenschulte die Kita in der Carl-Severin-Straße, die Stadtteilbibliothek in der Berliner Freiheit und das Quartierszentrum Neue Vahr Nord mit einer anschließenden Bürgersprechstunde. In der Oberschule Kurt-Schumacher-Allee sprach er mit den Schülerinnen und Schülern.

„Ich kann nur sagen: Die Vahr, ein ganz spannender Stadtteil, dem die Zukunft gehört. Indem man sich der Herausforderung bewusst ist, aber in dem alle gemeinsam anpacken, diese Herausforderungen zu bewältigen“, erklärt Bürgermeister Bovenschulte abschließend.

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