Alles aus der Vahr Die Chronisten der Vahr

Erika und Rolf Diehl machen seit zehn Jahren Fernsehen aus und für die Vahr. Zehntausende Fotos und tausende Beiträge haben sich in ihrem Archiv angesammelt. Schluss soll aber noch lange nicht sein.
21.06.2019, 11:50
Lesedauer: 3 Min
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Die Chronisten der Vahr
Von Christian Hasemann

Die Zahlen sind eindrucksvoll: Fast 250 TV-Sendungen, knapp 9000 Beiträge auf der Internetseite und im Archiv sowie 50 000 archivierte Fotos haben Rolf und Erika Diehl in den vergangenen zehn Jahren Vahreport aufgenommen, bearbeitet und archiviert. Damit dürfte der Vahreport wahrscheinlich eines der langlebigsten und umfangreichsten ehrenamtlichen Medienprojekte Deutschlands sein. Und nach Möglichkeit soll es noch ein paar Jahre weitergehen. Im Bürgerzentrum Berliner Freiheit hat der Stadtteil mit dem Ehepaar das zehnjährige Bestehen des Senders gefeiert.

Ist der Vahreport heute aus dem Stadtteil nicht mehr wegzudenken, begegnete der Stadtteil dem Ehepaar zu Anfang mit einer großen Portion Skepsis. „Der Anfang war etwas holprig“, erinnerte sich Martin Ploghöft, Geschäftsführer des Bürgerzentrums Berliner Freiheit. „Rolf und Erika kamen zu uns und wollten Videos machen. Da dachte ich: Ach schickst du sie mal in einen Videokurs.“ Erst später habe er verstanden, was die beiden eigentlich machen wollten. „Der erste Antrag an Wohnen in Nachbarschaft wurde aber abgelehnt“, so Martin Ploghöft weiter. „Es hieß damals, glaube ich: Wir finanzieren doch nicht irgendwelchen Privatleuten eine Kamera!“ Aber es fand sich dann doch über Umwege eine Finanzierung und nach inzwischen 250 Sendungen sei die Wertschätzung so hoch, „dass die Finanzierung eigentlich kein Problem mehr ist“. Der Vahreport finanziert sich unter anderem aus Mitteln des Förderprogramms Wohnen in Nachbarschaften, aus Mitteln des Beirats und aus Spenden der Gewoba und des Einkaufszentrums Berliner Freiheit.

Einfach die Diehls fragen

Petra Kurzhöfer von der Wohnungsbaugesellschaft Gewoba: „Als ich hier angefangen habe, hieß es: Wenn du etwas wissen willst, dann frage die Diehls. Sie haben dem Stadtteil eine Stimme gegeben, sodass jeder wissen kann, was im Stadtteil passiert.“ Für die Gewoba seien kritische Berichte zur Müllentsorgung im Stadtteil der Anstoß gewesen, über das Konzept nachzudenken.

Ortsamtsleiterin Karin Mathes betonte in ihrer Laudatio das besondere Engagement des Ehepaares. „Alles, was in der Vahr passiert, kann man sich ansehen. Aber das reicht ihm noch nicht. Er bringt ein Buch heraus, macht Führungen, organisiert Veranstaltungen.“ Als Ortsamtsleiterin für zwei Stadtteile könne sie nicht auf allen Veranstaltungen sein, betonte sie. „Aber mit dem Vahreport kann ich mir alles ansehen und das unterstützt meine Arbeit.“ Sie frage sich, wo die Motivation für die viele Arbeit herkomme. „Meine Überzeugung ist: Das ist die Liebe zu der Vahr.“

Die Liebe zur Vahr musste offenbar tatsächlich erst wachsen. „Vor zwölf Jahren wollten wir aus dem Speckgürtel in die Stadt ziehen, aber garantiert nicht in die Vahr“, so Rolf Diehl. Den genauen Grund wisse er nicht mehr, aber irgendwo in seinem Gedächtnis sei die Erinnerung abgespeichert gewesen, dass der Stadtteil nicht attraktiv sei. „Aber inzwischen hat sich dieser Eindruck umgekehrt. Wo immer es möglich ist, erkläre ich die Vahr und sage: Ich wohne in einem Park.“ Damit spielte er auf die zahlreichen Grünflächen zwischen den Wohnblocks an. Er versteht seine Aufgabe auch darin, den Stadtteil, der nach seiner Meinung in seiner Schönheit oft verkannt werde, bekannter zu machen.

Nicht nur Liebe zum Stadtteil

Es ist aber nicht nur die Liebesgeschichte eines Ehepaares zu einem Stadtteil, sondern eben auch die Geschichte einer Liebe zwischen zwei Menschen. Dieses Gefühl wurde greifbar, als Rolf Diehl während seiner Rede und mit stockender Stimme auch auf die schweren Zeiten zurückblickte. „Ohne Erika wäre das nicht möglich gewesen, ich danke ihr für ihr Verständnis, wenn ich im Abstellraum sitze und Fernsehen mache.“ Nach mehreren Operationen und gesundheitlicher Krise sei sie es gewesen, die den Vahreport weitergeführt habe. „Sie hat in der Zeit gelernt, Videos zu machen und ins Internet zu stellen.“

Martin Ploghöft kam noch mal zurück auf das hohe Arbeitspensum von Rolf Diehl. „Rolf hat inzwischen neue Kniegelenke – die haben wir übrigens nicht bezahlt –, aber ich glaube, die Arbeit ist sehr belastend, deswegen haben wir gedacht, wir schicken euch mal weg.“ Genauer: Es soll für die Diehls für ein langes Wochenende nach Wangerooge gehen. „Wir bringen euch hin und holen euch wieder ab und die Kollegen werden darauf achten, dass keine Kamera mitkommt!“ Aber danach wird der 79-Jährige wohl wieder nach der Kamera greifen und das Leben in der Vahr festhalten.

Die Fernsehbeiträge, Fotos und Artikel sowie ein Veranstaltungskalender sind über die Website www.vahreport.de abzurufen. Zweimal im Monat wird die Sendung Vahreport außerdem auf Weser.TV ausgestrahlt.

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