Einkaufen für Senioren

Die Altenarbeit geht weiter

Wichtige soziale Treffpunkte für Senioren sind geschlossen, aber in der Gartenstadt Vahr geht das Engagement mit anderen Mitteln weiter.
25.03.2020, 17:53
Lesedauer: 3 Min
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Die Altenarbeit geht weiter
Von Christian Hasemann
Die Altenarbeit geht weiter

Gaby Dönselmann und Charlotte Krull von den Vahrer Löwen setzen auf virenfreie Kommunikation am Telefon.

PETRA STUBBE

Gartenstadt Vahr. Die verhängten Ausgangsbeschränkungen und das Schließen von öffentlichen Einrichtungen trifft besonders ältere Menschen. Während sich die jüngere Generation mit Streaminganbietern, sozialen Medien und Onlinespielen die Zeit vertreiben kann, sind viele Senioren mit diesen Techniken nicht vertraut. Für sie drohen einsame Wochen – insbesondere, wenn außerdem der Besuch der Familie ausbleiben sollte.

Auch die Vahrer Löwen, ein Verein für aufsuchende Altenarbeit, mussten ihre Treffs schließen. „Nun haben die Menschen diese Anlaufstellen nicht mehr“, bedauert sie. Dennoch sei die Entscheidung wichtig und richtig gewesen. Die Löwen wollen den Kontakt auch mit einer analogen Kulturtechnik, nämlich die des Schreibens, aufrecht erhalten. „Wir haben unsere Häuser seit dem 13. März geschlossen“, sagt Inka Kusen von den Vahrer Löwen.

Die aufsuchende Altenarbeit, die der Verein anbietet, ist dagegen nahezu zum Erliegen gekommen. „Es gibt noch einige wenige Senioren, die noch aufgesucht werden.“ Dies geschehe aber nur, wenn die Betroffenen Senioren, Angehörige und die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Vereins das auch wollten. „Viele Ehrenamtliche haben ein ungutes Gefühl, wenn sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren müssen“, sagt Inka Kusen. Insgesamt sei es eine sehr schwierige Situation für die älteren Menschen. Der Verein versucht, so gut es geht gegenzusteuern. „Wir haben von Anfang an auf eine virenfreie Kommunikation gesetzt“, sagt Kusen. Über Telefon und über Briefe versucht der Verein, den Kontakt zu seinen Senioren aufrechtzuerhalten. „Auch so können wir Botschaften transportieren: Bleibt drinnen, wascht die Hände und vor allem: schreibt zurück.“ Für Inka Kusen ist die derzeitige Situation auch eine Chance, der im Niedergang begriffenen Kulturtechnik des Briefeschreibens zu einer kleinen Renaissance zu verhelfen.

Da gerade Senioren empfohlen wird, möglichst die Wohnung nicht zu verlassen, stellt sich die Frage der Versorgung mit Lebensmitteln. „Wir haben auch eine Einkaufshilfe angeboten, aber gemerkt, dass es besser ist, wenn das aus einer Hand geschieht.“ In der Vahr hat der Sozialdiakon Christian Buße von der Gemeinde Heilig-Geist-Kirche in der August-Bebel-Allee ein solches Angebot aufgebaut. „Wenn da mal nicht genügend Leute sind, helfen wir aus“, sagt Inka Kusen.

Bis zum 19. April sollen die Häuser und Treffs der Vahrer Löwen mindestens geschlossen bleiben. „Aber ich glaube nicht, dass das ausreicht“, sagt Kusen. Finanzielle Auswirkungen hat die Schließung vor allem auf die Honorarkräfte des Vereins, die zum Beispiel den Chor oder die Sportgruppen leiten. „Die bekommen jetzt natürlich kein Geld.“ Dennoch guckt Inka Kusen zuversichtlich in die Zukunft: „Wir freuen uns darauf, dass wir wieder zueinander kommen.“ Jetzt sei die Zeit da, sich auf dem heimischen Sofa neue Ideen auszudenken, „die wir dann zusammen umsetzen können.“

Auch die aufsuchende Altenarbeit in Hemelingen beschränkt sich derzeit auf das Nötigste. „Wir haben unsere normalen Besuche eingestellt“, sagt Gaby Dönselmann von der Aufsuchenden Altenarbeit Hemelingen. Begleitung zum Einkaufen und zu wichtigen Arztterminen würden dagegen noch gemacht. Das Telefon spielt auch in Hemelingen eine wichtige Rolle. „Unsere Ehrenamtlichen telefonieren mit ihren Senioren und das klappt eigentlich ganz gut, da gibt es zum Teil stundenlange Telefonate“, sagt Dönselmann. Wichtig sei, dass mit den Senioren weiter geredet wird. „Oft ist das der einzige Sozialkontakt. Vielleicht kommt morgens noch der Pflegedienst.“ Dass vermehrt Angehörige einspringen, hat sie dagegen nicht wahrgenommen. „Das sind nur Einzelfälle, aber bei den meisten unserer Klienten wohnen die Kinder auch weit weg.“ Dagegen habe sich der Zusammenhalt in den Nachbarschaften verändert. „Da wird schon mal geklingelt und nachgefragt, ob die Senioren alles haben oder ob die Nachbarn etwas vom Einkaufen mitbringen sollen.“ Sie glaubt, dass die derzeitige Situation die Menschen aufrüttelt, mehr aufeinander zu achten. Insgesamt sei es für die Senioren schwer, denn es fielen nicht nur Besuche und Treffen weg. Auch die Tagespflegeeinrichtungen hätten ihr Angebot geschlossen. Im Familienzentrum Mobile, von wo die aufsuchende Altenarbeit koordiniert wird, sind die Büros noch besetzt, und soweit möglich wird das Beratungsangebot telefonisch aufrecht erhalten. Für Besucher ist das Haus allerdings geschlossen, alle Gruppenangebote bis auf Weiteres abgesagt.

„Normalerweise haben wir ein paar hundert Menschen, die in der Woche zu uns gekommen sind“, sagt Charlotte Krull vom Förderverein Familienzentrum Mobile. „Spielkreise, Sprachcafés, Seniorencafés und -Treffs, das findet alles nicht mehr statt.“ Die derzeitige Entwicklung mache auch die weitere Planung für das Familienzentrum schwierig. „Wir haben dieses Jahr eine Ferienfreizeit im Sommer geplant, aber wissen nicht, ob wir das absagen müssen“, sagt Charlotte Krull. Ein für diese Tage geplantes Informationstreffen wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. „Dabei wäre die Freizeit ein wichtiges Angebot für die Kinder, um mal rauszukommen.“ Sie hoffe, dass die Angebote im Mobile ab Mai wieder starten können.

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