Schule soll Alternativen suchen

Gnadenfrist für Elterntaxis in der Vahr

Eine Elternhaltestelle vor der Freien evangelischen Bekenntnisschule in der Vahr soll kein Präzedenzfall werden. Anwohner sollen dadurch mehr Parkmöglichkeiten bekommen.
17.12.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Gnadenfrist für Elterntaxis in der Vahr
Von Christian Hasemann

Die sogenannten Elterntaxis vor vielen Kitas und Schulen sind Anwohnern oft ein Dorn im Auge. Häufig versperren und blockieren sie Wege und erhöhen dadurch das Gefahrenpotenzial für die Kinder. An der Freien Evangelischen Bekenntnisschule (FEBB) gibt es aktuell für diesen Verkehr eine eigens eingerichtete Elternhaltestelle. Diese soll nun wieder aufgelöst werden, um mehr Platz für parkende Anwohner zu schaffen. Der Beirat stimmte allerdings für eine Übergangsfrist, in der nach Alternativen gesucht werden soll.

Dass es überhaupt diese Elternhaltestelle gibt, hängt mit den inzwischen abgeschlossenen Bauarbeiten an neuen Wohnhäusern in der Otto-Braun-Straße zusammen. „Dort wurde gebaut und ein Halteverbot eingeführt, deswegen wurde die Elternhaltestelle eingerichtet“, so Christiane Vornhagen vom Amt für Straßen und Verkehr (ASV). Das habe mal gut, mal weniger gut funktioniert. „Und schon damals haben wir darauf hingewiesen, dass sich die Schule über den Schulexpress schlau machen könnte.“

Lesen Sie auch

Der Schulexpress ist eine Initiative, die dafür wirbt, dass Kinder gemeinsam mit anderen Kindern den Schulweg antreten. Dabei treffen sich die Kinder an zuvor festgelegten Treffpunkten und gehen von dort zu ihrer Schule. Vornhagen wies außerdem daraufhin, dass das weitere Bestehen einer Elternhaltestelle zu einem Präzedenzfall führen würde und weitere Schulen eine solche fordern könnten. Tatsächlich hatte das ASV schon eine Auflösung angeordnet und nur die Intervention des Ortsamts hat den Abbau der Schilder verhindert.

Für Marzia Post von der Freien Evangelischen Bekenntnisschule hat sich die Elternhaltestelle an der August-Bebel-Allee allerdings bewährt. Knapp 40 Kinder würden an der Elternhaltestelle abgesetzt. „Was ist, wenn die Elternhaltestelle nicht weiter existiert? Im schlechtesten Fall fahren die Eltern in die Otto-Braun-Straße, im besseren Fall fahren sie bis zur Bushaltestelle.“ Die Schule würde es befürworten, wenn die Haltestelle weiter bestehen bleiben würde. „Damit vermieden wird, dass die Otto-Braun-Straße verstopft wird.“

Elternhaltestelle bietet auch Vorteile

Ein weiterer Vorteil der Elternhaltestelle sei, dass Eltern ihre Kinder zur Schule begleiten könnten, wenn zum Beispiel etwas Schweres zu tragen sei. Das wäre an der Bushaltestelle nicht der Fall. Rechtlich darf an Bushaltestellen gehalten werden – Eltern könnten also ihre Kinder an der Haltestelle Otto-Braun-Straße aus dem Auto lassen, dürften dort aber nicht parken.

Dass es im Beirat überhaupt den Wunsch gibt, die Elternhaltestelle aufzulösen, hängt auch mit der schwierigen Parksituation in der August-Bebel-Allee zusammen. Zu Beginn der Beiratssitzung hatten sich Anwohner zu Wort gemeldet und über die Parkplatznot geklagt, die wiederholt Thema im Verkehrsausschuss war. Darauf spielte auch Helmut Weigelt (SPD) an. „Der Parkdruck ist sehr hoch und sehr stark.“ Das führe dazu, dass Anwohner illegal parkten. „Da habe ich dann ein Vermittlungsproblem.“ Denn auf der Elternhaltestelle gilt zeitweises Parkverbot, das bedeutet, dass diese Parkplätze den Anwohnern nicht zur Verfügung stehen. „Aber es gibt ja die Alternative mit der Bushaltestelle. Das hätte auch den Vorteil, dass die Kinder nicht die Otto-Braun-Straße überqueren müssten“, so Weigelt.

Lesen Sie auch

Vornhagen griff diese Argumente auf. „Es ist nicht zu vermitteln, dass Parkplätze freigehalten werden.“ Auf der anderen Seite werde es auch nicht so sein, dass die Anwohner von heute auf morgen ihre Autos abschafften. Für sie wären Alternativen wie der Schulexpress und die autofreie Schule eine Hilfe. „Ich halte es für wichtig, dass Kinder mit ihren Freunden zur Schule laufen können.“ Das präge die Kinder und sie lernten mit dem Verkehr umzugehen. „Wenn die Eltern ihnen das wegnehmen, lernen sie das unter Umständen zu spät.“

Eine Sichtweise, der sich grundsätzlich auch die Bekenntnisschule anschloss. Heidi Wenzel von der FEBB berichtete vom Kampf gegen Windmühlen. „Wir haben immer wieder Elternbriefe geschrieben, wir haben Karten mit Orten gemalt, wo Eltern ihre Kinder rauslassen können.“ Letztlich könne die Schule die Eltern nicht zwingen, ihre Kinder an bestimmten Stellen rauszulassen. „Auch wir sind überzeugt, dass ein längerer Weg zu Fuß den Kindern gut tut.“ Dennoch: „Man sollte bedenken, dass sich die Eltern zukünftig ihren Weg in die Otto-Braun-Straße suchen könnten.“

Vorschlag einer Übergangslösung

Oliver Saake (Grüne) schlug eine Übergangslösung vor. „Autoverkehr belastet und gefährdet die zu Fuß gehenden Kinder und wir haben den Auftrag, diese zu schützen.“ Natürlich sei die Elternhaltestelle ein Präzedenzfall. „Aber es ist eine Schule mit einem großen Einzugsgebiet und ich glaube, dass wir hier eine Sondersituation haben.“ Deswegen sollte es eine Übergangszeit geben, in der die Schule den Eltern Alternativen anbieten soll. Ein Vorschlag dem sich Tim Haga (CDU) anschloss. „In dieser Übergangszeit könnte man nach einen Standort suchen, an dem die Kinder gut aussteigen können. Das wäre eine gute Lösung.“

Der Beirat stimmte für eine Änderung des ursprünglichen Antrags, der eine sofortige Auflösung der Elternhaltestelle vorgesehen hatte. Nun soll es bis zum Ende des Schuljahres 2020/21 eine Übergangszeit geben, in der die Schule Zeit bekommt, die Eltern zu informieren und Alternativen zu prüfen.

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+