Wohin mit dem Verpackungsmüll?

Gesucht: die gelbe Tonne

Ehepaar in der Vahr wartet seit Wochen darauf, dass ihr verschwundener Behälter ersetzt wird
13.08.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Matthias Holthaus

Und plötzlich war die gelbe Tonne weg: „An dem Tag, wo unsere Tonne verschwunden ist, kam auch eine Nachbarstonne weg“, erzählt Tanja Thies, die mit ihrem Mann in der Straße In der Vahr wohnt. „Wir haben dann zwei Wochen gewartet, doch die Tonne kam nicht wieder.“ Wurde sie gestohlen, ausgeliehen oder von der Firma abgeholt? Tanja Thies weiß es nicht: „Zunächst waren wir in dem Glauben, jemand habe aus Versehen die falsche Tonne mitgenommen. Dies war nicht der Fall, die Tonne blieb verschwunden.“

Doch ob sie gestohlen oder von der Firma RMG, die in Bremen den Verpackungsmüll abholt, einkassiert wurde, blieb unklar – eine neue Tonne sollte her. Tanja Thies hat eine E-Mail an die Firma mit Sitz in Eltville am Rhein verfasst – es sei eine Eingangsbestätigung eingegangen, meint sie, und dann kam zwei Wochen lang gar nichts mehr.

Ein Telefonat sollte es dann richten: „Dort hieß es zunächst, uns stünde gar keine Tonne zu, wir würden in einem Zwei-Personen-Haushalt gar nicht genügend Müll produzieren“, sagt Tanja Thies, und dann hieß es, der Zuständige der Bremer Firmenvertretung würde sich mit ihr in Verbindung setzen.

Nach mehreren Wochen wartet Tanja Thies gemeinsam mit ihrem Mann Rolf Oehmke noch immer darauf, dass sich die Firma meldet. Unter den 18 Mitgliedern der Eigentümergemeinschaft halte sich das Gerücht, „die Firma RMG sei dermaßen im Rückstand mit der Auslieferung der gelben Tonnen, dass an manchen Abfuhrplätzen einfach Tonnen einbehalten würden, um sie woanders wieder abzuliefern.“

Zudem habe sie gehört, dass auch in anderen Stadtteilen Tonnen verschwinden würden und im WESER-KURIER habe sie gelesen, dass Menschen dort ihren Unmut kundgetan hätten. „Im Moment ist es doch so, dass ganz viel Verpackungsmüll wegen Corona anfällt, doch die Firma scheint das recht entspannt anzugehen“, sagt Tanja Thieß, „das finde ich schade.“

Und auch wegen der Geruchsbelästigung fände sie es nicht optimal, den Müll über zwei Wochen im gelben Sack anstatt in der Tonne zu lagern. Zudem würden die Säcke in der Wohnung oder im Keller viel Platz einnehmen oder aber, falls die Säcke draußen gelagert werden, „häufig durch Wind und Tiere zerfetzt oder aufgerissen werden“.

Es mache ein wenig müde, sich weiterhin mit den Verbundstoffen zu beschäftigen, meint Tanja Thies, doch sie meint auch: „Verantwortung tragen wir alle.“ „Ich muss da auf den politischen Willen verweisen, dass die Verpackungsindustrie privatisiert werden soll“, sagt dazu Antje von Horn, Sprecherin der Bremer Stadtreinigung (DBS). Mit den gelben Tonnen hat die DBS demnach nichts zu tun und Antje von Horn sagt deshalb: „Bei Restmülltonnen oder Biotonnen könnten wir schnell für Ersatz sorgen, aber bei den gelben Tonnen nicht.“

Seit dem 1. Januar 2018 ist die Firma RMG „im Auftrage der Belland Vision GmbH verantwortlich für die Sammlung von Gelben Säcken und die Abfuhr von Gelben Tonnen sowie für die Auslieferung der Gelben Säcke und Gelben Tonnen in der Stadtgemeinde Bremen“, heißt es in einem Bericht der Verwaltung für die Sitzung der Deputation für Umwelt, Bau, Verkehr, Stadtentwicklung, Energie und Landwirtschaft am 20. September 2018. Darin heißt es auch: „In der Stadtgemeinde Bremen können von den Bürgerinnen und Bürgern wahlweise Gelbe Säcke oder Gelbe Tonnen (120, 240 und 1100 Liter) für die Entsorgung von Leichtverpackungen genutzt werden. Zusätzliche Kosten entstehen für die Bürgerinnen und Bürger weder für die Säcke noch für die Tonnen.“

Die Firma RMG sagt dazu, dass während der deutschlandweiten Lockdown-Phase über einen Zeitraum von sechs Wochen überhaupt keine Tonnen ausgeliefert worden seien. 500 Behälteranfragen seien in Bearbeitung und die Firma sei bemüht, die Behälter zeitnah auszuliefern.

Zudem habe sich während der Lockdown-Phase die Sammelmenge von Leichtverpackungen um zehn Prozent erhöht, ebenso die Zunahme der Fehlbefüllungen – ein Umstand, der die RMG-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter „über das übliche Maß hinaus“ beansprucht habe.

„Bremen ist ein Mischgebiet mit Säcken und Tonnen“, sagt dazu Marc Garber von der Firma RMG und räumt ein: „Es fällt daher sehr schwer, zu sehen, wie viele Tonnen gebraucht werden. Und wegen Corona haben wir mehr Bestellungen für Tonnen, da hängen wir hinterher.“

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