Eine Frage des Lärms

Großstadtdschungel ist zu laut für Tarzan und Jane

Gegen Bedenken des Gesundheitsressorts setzt die Verwaltung den Bebauungsplan für das Bauvorhaben Tarzan und Jane der Gewoba in der Gartenstadt Vahr durch.
03.09.2020, 10:55
Lesedauer: 2 Min
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Großstadtdschungel ist zu laut für Tarzan und Jane
Von Christian Hasemann
Großstadtdschungel ist zu laut für Tarzan und Jane

Auf der Fläche an der Wilseder-Berg- Straße, wo jetzt noch eine Garagenanlage steht, will die ­Gewoba einen ­Gebäudekomplex des Typs Tarzan und Jane errichten.

PETRA STUBBE

Es brüllen zwar keine Tiger im Gebüsch und keine Affen von Urwaldriesen, dennoch ist die Gartenstadt Vahr trotz ihres Namens nicht überall eine Oase der Ruhe. Tatsächlich ist es an der Wilseder-Berg-­ Straße so laut, dass das Gesundheitsressort dem Bauvorhaben Tarzan und Jane der Gewoba an eben jener Straße in seiner jetzigen Form eine Absage erteilt hat. Dennoch wird voraussichtlich heute die zuständige Baudeputation das Vorhaben auf den Weg bringen.

Im Januar dieses Jahres teilte das Gesundheitsamt Bremen, als sogenannter Träger öffentlicher Belange in die Erstellung des Bebauungsplans 125 einbezogen, mit, dass es die Pläne ablehne. Die Begründung: Es sei auf eine textliche Festsetzung zum Schallschutz zu den wohnungsnahen Freibereichen, damit sind Balkone und Terrassen gemeint, verzichtet worden, obwohl diese erforderlich sei. Vereinfacht gesagt: Auf einen Teil der Balkone ist der errechnete Lärmpegel am Tag zu hoch, zusätzlicher Schallschutz wird aber nicht vorgeschrieben. Dies ist bei 13 der 60 Wohnungen der Fall.

Die Bauverwaltung dagegen argumentiert, dass in der Umgebung des Hauses weitere Flächen zur Nutzung durch die zukünftigen Bewohner zur Verfügung stünden. Das Vorgehen, alternative Freibereiche zu definieren, konterkariere die aus gesundheitlichen Erwägungen aus den Verwaltungsvorschriften abzuleitende textliche Festsetzung, heißt es dazu seitens des Gesundheitsamts.

Aus Sicht der Bauverwaltung bieten die Grünflächen um das Haus genügend Alternativen. „Jeder Bewohner wird damit die Möglichkeit haben, einen wohnungsnahen Freiraum mit einem Außenpegel von weniger als 55db(A) zu nutzen, auch wenn dieser außerhalb der eigenen Wohnung liegt.“ Salopp formuliert: Wird es zu laut auf dem Balkon, können sich die Mieter hinter dem Haus ins Gras legen.

So sollen Tarzan und Jane mal aussehen.

So sollen Tarzan und Jane mal aussehen.

Foto: GEWOBA

Da es sich um einen seriellen Bau handele, sei es nicht möglich, den Gebäudekomplex so zu ändern, dass alle Balkone zur lärmabgewandten Seite ausgerichtet lägen. Die Errichtung von Loggien und Wintergärten sei zu teuer und würde der Gewoba nicht ermöglichen, zwei Drittel der Wohnungen als geförderte Wohnungen zu errichten. Ein Verzicht auf Balkone wiederum würde zu Attraktivitätsverlust führen.

Da keine Einigkeit erzielt werden konnte, greift Ziffer 8 der Vereinbarung zum Schallschutz. Demnach kann ein Verfahren fortgeführt werden, wenn nach Ansicht der Bauverwaltung keine Alternativen in Betracht kommen. Die Einwände müssen dann der Deputation vorgelegt werden.

Ein Bebauungsplan bildet den gesetzlichen Rahmen für ein Baugebiet. Beteiligt werden Behörden und Einwohner. Die Bürgerschaft muss dem Bebauungsplan verabschieden.

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