Galopprennbahn in Sebaldsbrück

Unverständnis über Pläne der Bürgerinitiative

Vereine und Ortspolitik zeigen sich verwundert über das dauerhafte Werben der Bürgerinitiative Rennbahn für weitere Galopprennen auf der ehemaligen Galopprennbahn im Ortsteil Sebaldsbrück.
01.04.2021, 10:38
Lesedauer: 4 Min
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Unverständnis über Pläne der Bürgerinitiative
Von Christian Hasemann
Unverständnis über Pläne der Bürgerinitiative

Jens Dennhardt (SPD) möchte das komplette Rennbahngelände für alle Bürger vor Ort öffnen, nicht nur für Pferde- und Golfsport-Enthusiasten.

Christina Kuhaupt

Das Votum des Regionalausschusses Rennbahn – der sich aus Vertretern der Beiräte Hemelingen und Vahr zusammensetzt – für einen Antrag von SPD, Grünen und Linken, der künftige Galopprennen auf der Rennbahn im Ortsteil Sebaldsbrück ausschließen soll und eine rasche Öffnung für die Bevölkerung fordert, sorgt weiter für Kontroversen. Zahlreiche Leserbriefe sind an den WESER-KURIER gesandt worden, die stets das Gleiche kritisieren: den Ausschluss von Galopprennen als Zwischennutzung. Nun hat die Bürgerinitiative Rennbahngelände eigene Pläne vorgestellt. Im Zentrum ihrer Ideen: Erhalt der Rennbahn und viel Platz für Golf. Vor Ort äußern Beobachter nun Unverständnis darüber, dass die Bürgerinitiative Rennbahngelände sich auf den Galoppsport fokussiert.

Das Versprechen eines Idylls

„Wir werden Unterschriften sammeln, um die Fläche der Galopprennbahn für Erholung, Freizeit, Sport und Kultur und als grüne Ausgleichsfläche zu erhalten“, hatte Sprecher Andreas Sponbiel 2018 beim Kampagnenstart des Volksbegehrens dem WESER-KURIER gesagt. Die grüne Lunge sei bei der verdichteten Bebauung und der Industrieansiedlung im Bremer Osten immens wichtig. Er wolle „ein Idyll statt Beton“ an dieser Stelle.

Letzteres war ein Kern beim Werben der Bürgerinitiative um den Volksentscheid: Schreckgeschichten von Hochhäusern, eine Großsiedlung nach Vorbild Tenevers womöglich, machten nicht nur im Stadtteil die Runde. Dazu kam die Behauptung, es drohe eine Betonwüste statt einer „grünen Lunge“. Der ökologische Wert der artenarmen kurzgeschorenen Rasenfläche und dem kilometerlangen Rasen- und Sandgeläuf, das die Bürgerinitiative erhalten möchte, wurde von Anfang an von Naturschutzverbänden als sehr gering eingeschätzt.

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Erholung, Freizeit, Sport und Kultur und grüne Ausgleichsfläche - genau das steht auch im fraktionsübergreifenden Antrag der drei Regierungsfraktionen. Jens Dennhardt (SPD), der den Antrag im Regionalausschuss mit initiiert hatte, wundert sich über die Fokussierung der Bürgerinitiative auf den Galoppsport. „Der Volksentscheid hieß nicht, dass alles so bleiben soll wie bisher“, sagt der stellvertretende Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Hemelingen/Sebaldsbrück. Er zumindest nehme den Volksentscheid ernst. „Das Gelände soll endlich für die Bürger geöffnet werden.“ Tatsächlich haben die Bürger mit ihrem Kreuz beim Volksentscheid für ein Ortsgesetz gestimmt, das Erholung, Sport, Freizeit und Kultur und eine Weiterentwicklung vorsieht und nicht den Erhalt des Golf- und Galoppsports.

Genervt am Runden Tisch

Nach dem Entscheid 2019 blieb es auf dem Rennbahngelände ruhig, von Öffnung keine Spur. Bis auf ein, von der Bürgerinitiative und dem Rennverein organisiertes Bürgerfest kam und kommen nach dem Eindruck von Beobachtern des Runden Tisches Galopprennbahn, der nach einer langfristigen Nutzung suchen soll, wenig bis gar keine Vorschläge von der Bürgerinitiative, wie diese aussehen könnte - stattdessen das Werben für den Galoppsport. Einige Teilnehmer sprechen sogar genervt von einer Blockadehaltung der Bürgerinitiative am Runden Tisch. Und nun das Vorpreschen der Bürgerinitiative mit einem Plan, der im Kern darauf beruht, den größten Teil der Fläche für den Galopp-, Pferde- und Golfsport zu erhalten.

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Deutlich wird Sönke Hofmann, Geschäftsführer des Naturschutzverein (Nabu) Bremen: „Man merkt deutlich, dass die Bürgerinitiative vom Galoppsport und von Golfern dominiert wird.“ Man könne aber nicht für eine kleine Minderheit große Teile der Fläche zur Verfügung stellen und dadurch andere Nutzungen einschränken. „Wenn das Gelände für drei bis vier Rennen durch die Rennanlage dominiert wird, sind andere Nutzungen eingeschränkt. Wir könnten zum Beispiel keine Bäume oder Sträucher pflanzen.“ Er habe nicht generell etwas gegen den Galoppsport. „Aber ich habe schon Bedenken, was den Tierschutz angeht.“ Es sei nicht die natürliche Bewegungsart der Tiere und diese seien sehr hohem Stress ausgesetzt.

Galopprennen würden mit dem geplanten und vom Regionalausschuss gewollten Wegebau quer über das Gelände kollidieren, den die Pläne der Bürgerinitiative nicht vorsehen. „Das Geläuf würde die Erschließung sehr teuer machen und viele Flächen für die Erschließung blockieren“, sagt Dennhardt. Auch manche Zwischennutzung sei nur mit einer Erschließung machbar. „Ein Weg würde außerdem den Menschen zeigen, dass dort endlich was passiert.“ Das Auftreten der Bürgerinitiative erwecke dagegen den Eindruck, dass der Status quo erhalten werden solle. Er wundere sich über den Auftritt der Bürgerinitiative als Anwalt des Rennvereins. „Ich würde mich aber über jeden Vorschlag freuen, der über den Erhalt des Galoppsports hinausgeht“, so Dennhardt.

Wenig Platz für andere Nutzungen

Tatsächlich sind die Flächen beim Entwurf der Bürgerinitiative für andere Nutzungen eher knapp bemessen: etwa 78.000 Quadratmeter für alle anderen Nutzungen zusammen abseits von Golf- und Pferdesport hat die Bürgerinitiative grob aufs Tableau gezeichnet. Das wären also knapp acht Hektar der insgesamt 30 Hektar des Geländes. Zum Vergleich: Die Bezirkssportanlage Blockdiek alleine ist knapp sechs Hektar groß.

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Auch der Jugendbeirat Hemelingen unterstützt die Haltung des Regionalausschusses. „Der Jugendbeirat hält es nicht für sinnvoll, den Rennbetrieb aufrechtzuerhalten“, sagt Lukas Zange, Sprecher des Jugendbeirats. Pferderennen und Golf hätten nur eine sehr spezifische Gruppe der Bevölkerung angesprochen. Der Jugendbeirat setze sich für eine multifunktionale Nutzung der Fläche mit Grünanteilen und verschiedenen Freizeitangeboten ein. „Es sollten öffentlich zugängliche Sportplätze und -geräte oder Treffpunkte geschaffen werden, auch speziell für Jugendliche“, betont Zange.

Info

Zur Sache

Mit dem Rennbahngelände befassen sich mehrere Gremien. Da ist zum einen der Regionalausschuss Rennbahn. Dieser setzt sich aus Mitgliedern der zuständigen Beiräte Hemelingen und Vahr zusammen. Die Rennbahn liegt im Ortsteil Sebaldsbrück und ist damit Teil Hemelingens. Im Beirat sitzen die gewählten Vertreter der Bürger der Stadtteile. Sie sind also demokratisch legitimiert. Wege und Gestaltung von Grünanlagen wie auf der Rennbahn liegen im Kompetenzbereich der Beiräte. Am Runden Tisch wiederum sitzen Vertreter von Behörden, Beiräten und Interessens- und Lobbygruppen wie die Bürgerinitiative Rennbahn und der Landessportbund. Dieses Gremium soll nach langfristigen Konzepten für das Gelände suchen. Für die kurzfristige Zwischennutzung hat die Wirtschaftsförderung Bremen (WfB) die Zwischenzeitzentrale (ZZZ) aus Hemelingen beauftragt.

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