Evangelische Gemeinde in der Vahr

Jona-Gemeinde hat wieder einen Pastor

Der 31-jährige Paul Hörenz wird am Sonntag in sein Amt eingeführt
09.09.2020, 17:58
Lesedauer: 3 Min
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Von Silja Weißer
Jona-Gemeinde hat wieder einen Pastor

Paul Hörenz wurde zum neuen Pastor der Jona-Gemeinde in der Vahr gewählt.

PETRA STUBBE

Wie groß die Willkommensfeier ausfällt, hängt vom Wetter ab. Als neuer Pastor in der evangelischen Jona-Gemeinde im Kurfürstenviertel wird Paul Hörenz am Sonntag, 13. September, um 10 Uhr in einem feierlichen Gottesdienst in sein Amt eingeführt. Bei guter Witterung kann unter freiem Himmel jeder kommen. Sollte es regnen, dürfen nur 30 geladene Gäste dabei sein. Corona-­Abstände gelten in beiden Fällen.

Hörenz wird eine halbe Stelle innehaben, wie bislang Yvonne Ziaja, Vertretungspastorin in der Gemeinde, und deren Vorgängerin Maike Harbrecht.

Der 31-Jährige mit den wasserblauen Augen und einem standhaften Blick hat sehr klare Vorstellungen von der Arbeit, die auf ihn zukommt. „Ich möchte den Menschen begegnen und das Evangelium verbalisieren“, formuliert er sein oberstes Ziel. Er spricht nicht von „Gegenüber“, sondern von „Miteinander“, nicht von „referieren“, sondern von „dialogischer Form“ und „Begegnungen“. Um eine Verbindung zu den Menschen und unter den Menschen zu schaffen, kann er sich ungewöhnliche Varianten vorstellen wie Beteiligungsgottesdienste oder, wie er es mit Jugendlichen in anderen Bremer Gemeinden erlebt hat, in Form von Musicals. Dabei stehen nicht die Inszenierung und Unterhaltung im Vordergrund. „Ich will die Lust an der eigenen Sprachfähigkeit, am Denken und Miterleben entwickeln“, erläutert Hörenz.

Für ihn, der gerne beim Sprechen lange Pausen macht, sei zudem das Innehalten in der Gemeinschaft ein ganz wichtiger Aspekt beim Besuch der Kirche, das Gedanken machen und sich selbst immer wieder zu hinterfragen.

Seine Berufswahl hat er bislang nicht infrage gestellt. Bereits als Teenager auf einer Kirchenfreizeit beschloss Hörenz, Pastor zu werden. Vielleicht sei er auch geprägt durch seine Mutter, die ehrenamtlich für die Kirche tätig war, überlegt er. Die akademische Laufbahn stellte für Hörenz, Mutter Schneiderin und Vater Klempner, ein unbekanntes Terrain dar. Doch er war überzeugt von seiner Berufswahl: „Da hat der liebe Gott gesagt: Mach das mal“, erinnert er sich lächelnd an den Moment, als er den Entschluss fasste.

Sein Theologiestudium absolvierte er in Wuppertal, Bochum, Erlangen und Berlin. Die praktische Ausbildung, das dreijährige Vikariat, waren eher in ländlichen Gemeinden angesiedelt. Im Anschluss sammelte er als Vertretungspastor in verschiedenen Bremer Kirchengemeinden Erfahrungen.

Seit drei Jahren Wahlbremer war Hörenz aus dem bayerischen Miltenberg in den Norden gezogen. Geboren und aufgewachsen ist er in der Lausitz. Neben Studium, Ausbildung und Berufseinstieg gründete er eine Familie mit seiner Frau Hortensia, die ihre Wurzeln in Madagaskar hat.

„Moment, ich hole mal eben meinen ganzen Stolz“, unterbricht Hörenz beim Erzählen seiner Vita und springt auf. Zurück kommt er mit einem Baby auf dem Arm, seinem zwei Monate alten Sohn. Die zweijährige Tochter ist im Juli große Schwester geworden. Ihr Zuhause hat sich die Familie in einer Wohnung in Horn eingerichtet. Ein paar Fotocollagen zieren die Wände, zwei Häkeldecken auf dem Tisch dienen als Untersetzer. Ansonsten mag es Hörenz minimalistisch. „Überfluss ist nichts für mich, habe ich festgestellt. Ich fühle mich wohl, wenn ich mich auf etwas konzentrieren kann – ohne Reizüberflutung und Konsum“, erklärt er. Einfaches Zuhören mache ihm Spaß, den Menschen hinter dem Gesagten erkunden, Worte deuten, verstehen, interpretieren. Auch wenn er ein Buch in die Hand nehme, gehen ihm Gedanken über die Entstehung durch den Kopf. Automatisch forme sich beim Lesen ein Bild vom Autor.

Mit Ruhe und Bedacht geht Hörenz auch auf seine neue Arbeit zu. In der Jona-Gemeinde möchte er sich Zeit für Entscheidungen nehmen. „Ich klopfe interessiert an und möchte ins Gespräch kommen“, beschreibt er es. Bedarf, grundlegend etwas zu ändern, sieht er derzeit nicht: „Ich erlebe die Gemeinde als autark, genau das finde ich gut.“ Die Strecke zur Arbeit wird Hörenz mit dem Fahrrad bewältigen. So umgehe er nicht nur die leidige Parkplatz-Suche. Radfahren ist zu einer Leidenschaft geworden. Bis zu 200 Kilometer am Tag hat er bereits auf seinen Touren quer durch Deutschland zurückgelegt. Die Faszination, aus eigenem Antrieb Distanzen schrumpfen zu lassen und im Einklang mit der Natur zu sein, motivieren ihn, sich immer wieder auf den Sattel zu schwingen, erzählt Hörenz. Mit Kindern und Job wird er seine ausgedehnten Radtouren in naher Zukunft nicht machen können.

Für den Pastor ist das aber kein Grund zu klagen. Er schaut motiviert in die Zukunft: „Ich freue mich auf den Austausch und das Miteinander.“

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