Medienwerkstatt in der Vahr

Was Frau sein ausmacht

Junge Bremerinnen aus der Vahr stellen im Projekt „Wir sind!“ Texte, Geschichten, Fotos, Videoaktionen und weibliche Idole vor. Dazu gehören auch Interviews und Porträts starker Frauen - alles online.
03.05.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Margot Müller
Was Frau sein ausmacht

Starke Frauen unterstützen das Projekt für junge Frauen: (von links) Virginie Kamche (Afrika Netzwerk Bremen), Adina Kükelhahn, Vera Zimmermann (Kulturladen Huchting), Projektleiterin Saher Khanaqa-Kükelhahn, Yulia Karhauyan, Meike Rhode (Kulturladen Huchting) und Sueda Caliskan.

PETRA STUBBE

Im Bürgerzentrum Neue Vahr treffen sich regelmäßig Jugendliche in Kursen und Workshops, die ihre Fähigkeiten mit Sprachtraining, Lebensplanung, Theater, Musik und Tanz stärken. Alle Kulturen und Sprachen sind willkommen. Wegen der Corona-Pandemie läuft zwar zurzeit alles eingeschränkt, aber mit Terminvereinbarung und Einhalten der AHA-Regeln bleibt vieles trotzdem möglich - beispielsweise das Projekt, das Mädchen und Frauen stärken und ihre Stärken auch zeigen soll.

Die Theaterwerkstätten TNG, „The Next Generation“, mit selbst inszenierten Bühnenstücken finden immer wieder regen Zuspruch. Durch Spielszenen lernen Jugendliche die deutsche Sprache und selbstbewusste Interaktionen mit anderen Menschen. Inzwischen sind bereits zwölf Stücke entstanden. Dazu gehört auch eine Medienwerkstatt für diejenigen, die nicht auf der Bühne agieren, sondern sich lieber um begleitende Technik wie Fotografie, Video, Animation und Design kümmern.

Teilnehmerinnen aus den TNG-Theateraktionen in der Vahr stehen aktuell nun selbst im Mittelpunkt. Unter dem Motto „Wir sind!“ beschäftigt sich ein Projekt mit dem gesellschaftlichen Hintergrund, was „Frau sein“ eigentlich ausmacht.

Individuelle Unterstützung

„Wir wollen Mädchen und Frauen ganz individuell, in ihrem Selbstwert, ihrer Würde und inneren Stärke und in ihrem Auftreten unterstützen“, sagt Projektleiterin Saher Khanaqa-Kükelhahn. Die erfahrene Psychologin und Theatermacherin für kulturelle Bildung freut sich über die Begeisterung und Motivation, mit der die jungen Frauen ihre Texte und Geschichten schreiben, Blogs und Design erstellen und kleine Filme drehen.

Das Projekt ist seit Anfang August vergangenen Jahres in den sozialen Medien zu verfolgen. Auf der eigenen Website www.wir-sind-frauen.de oder auf Instagram und Youtube informieren junge Bremerinnen über Themen wie feministische Idole, Gesundheit und Religion. Es gibt spannende Mütter-Töchter-Interviews, Buchempfehlungen und mehr. „Wir wollen Begegnungen zwischen mehreren Generationen von Frauen erreichen und Themen gemeinsam künstlerisch zum Ausdruck bringen“, betont Khanaqa-Kükelhahn.

Social Media als künstlerisch-kreative Technik

Sechs junge Frauen im Alter von 20 bis 23 Jahren schreiben über Lebensbereiche, die sie intensiv beschäftigen. „Wir sind nicht still und sprechen es aus,“ sagen sie. Dabei geht es um verschiedene Kulturen, Politik und Wissenschaft bis hin zu Schönheit und Mode. Es sind Yulia, Südi, Jennifer, Vivien, Adina, Laure und Kyra, die sich schon als Schülerinnen während der Tanzworkshops im Bürgerzentrum Neue Vahr kennenlernten und jetzt ihr Studium absolvieren und sich auf ihre berufliche Zukunft vorbereiten.

„Einmal monatlich treffen wir uns zur Video-Zoom-Konferenz, um unsere Ideen und technische Details abzustimmen,“ erzählt die 21-jährige Jennifer Pfeifer. Ihre Kollegin Adina präsentiert ihre Wünsche wie folgt: „Gleichberechtigung, Frieden und dass kein Kind mehr leiden muss“. Mindestens zweimal pro Woche werden neue Beiträge gepostet, über sechzig sind bereits online. Die Internetseiten sind professionell gestaltet und illustriert.

Viele Fragen werden kontrovers diskutiert. In Blogs schreiben die Frauen zum Beispiel über „Pink Tax“ durch überteuerte Pflegeprodukte, stellen Schönheitsideale kritisch vor oder zeigen ein vorbildhaftes Frauendorf in Kenia.

Interessante Frauen werden präsentiert, prominente Wissenschaftlerinnen und Nasa-Astronautinnen genauso wie die junge Olympiaschwimmerin Yusra Mardini: Während ihrer Flucht 2015 aus Syrien drohte das Schlauchboot zu sinken. Sie sprang ins Wasser und half, das Boot samt 18 Insassen über mehrere Stunden an Land zu bringen.

Frauen-Kulturtage Anfang Juni in der Vahr

Zu dem Projekt „Wir sind!“ gehören mehrere künstlerische Sparten wie Porträt-Fotografie, Schreibworkshops und Afrika-Kochgespräche. Gemeinsam initiiert von Kulturschaffenden Bremer Frauen und freischaffenden Künstlerinnen. Die stadtteilübergreifende Kooperation vom Bürgerzentrum Neue Vahr und dem Kulturladen Huchting wird finanziell unterstützt vom Bremer Senator für Kultur und der Wohnungsbaugesellschaft Gewoba.

Die Projektergebnisse sollen auf jeden Fall schon bald öffentlich präsentiert werden. Alle Vorbereitungen laufen unter Berücksichtigung der Corona-Bedingungen auf Hochtouren. „Es wird ein besonderes Open-Air-Wochenende daraus, vom 4. bis zum 6. Juni gibt es Tanz-, Musik- und Theateraufführungen“, erklärt Khanaqa-Kükelhahn. Am Sonnabend, 5. Juni, soll die Haupt-Präsentation auf der Bühne am Vahrer See erfolgen.

Zudem sind Lesungen vorgesehen, eine Tafel der Frauen, Fotoprojektionen, Video-Installationen und mehr. In Kooperation mit der Stadtbibliothek ist die sozial engagierte Autorin und Modedesignerin Zohra Esmaeli eingeladen. Die 35-Jährige musste als Mädchen aus Afghanistan fliehen und ist heute Integrationsbotschafterin.

Weitere Informationen

Die Website des Projekts ist unter www.wir-sind-frauen.de zu finden. Weitere Informationen zum Projekt auch unter www.bzvahr.de. Kontakt zu Projektleiterin Saher Kanaqa-Kükelhahn per E-Mail an saher@bzvahr.de.

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