Am Montag wird in der Gleichstellungsstelle an Hilde Adolf erinnert Sozialpolitikerin mit Weitblick

Vahr. Den Blick auf Bremen und darüberhinaus ermöglicht die Begegnungsstätte Olymp im 16. Stock an der Eislebener Straße. Einen solchen Weitblick hatte auch die im Januar 2002 tödlich verunglückte Sozialpolitikerin Hilde Adolf. Birgit Köhler und Beenhard Oldigs haben die im Dezember erschienene Hilde-Adolf-Biografie "Mach das Beste draus" im Olymp vorgestellt und sind am Montag, 28. Februar, um 20 Uhr in der Zentralstelle für die Gleichberechtigung der Frau (ZGF), Knochenhauerstraße 20-25.
24.02.2011, 05:00
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Von Edwin Platt

Vahr. Den Blick auf Bremen und darüberhinaus ermöglicht die Begegnungsstätte Olymp im 16. Stock an der Eislebener Straße. Einen solchen Weitblick hatte auch die im Januar 2002 tödlich verunglückte Sozialpolitikerin Hilde Adolf. Birgit Köhler und Beenhard Oldigs haben die im Dezember erschienene Hilde-Adolf-Biografie "Mach das Beste draus" im Olymp vorgestellt und sind am Montag, 28. Februar, um 20 Uhr in der Zentralstelle für die Gleichberechtigung der Frau (ZGF), Knochenhauerstraße 20-25.

Schon vor der Lesung mit Bildern und Tondokumenten drehten sich im Olymp die Gespräche um die volksnahe Hilde Adolf, nach der heute ein Preis benannt ist. Die Biografie macht neugierig auf die Erinnerungen an die Bremer Senatorin für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales des Kabinetts von Henning Scherf.

Birgit Köhler aus Schwachhausen und Beenhard Oldigs aus der Neustadt haben ihr Buch das erste Mal im Dezember vor ausverkauftem Haus in Bremerhaven vorgestellt, in der Stadt, in der Hilde Adolf geboren war und wo sie sich immer zu Hause fühlte. Die zweite Präsentation folgte noch im selben Monat im Bremer Rathaus, mit 140 Gästen. Die bei einem Autounfall am 16. Januar 2002 ums Leben gekommene Hilde Adolf ist unvergessen.

Porträt mit allen Facetten

Auf das Buchprojekt Hilde Adolf ist Beenhard Oldigs durch seinen Freund Klaus Krancke gekommen, der Mitarbeiter und Referatsleiter von Hilde Adolf war. Vor drei Jahren suchte sich Oldigs für die Zusammenarbeit Birgit Köhler, die einige Jahre journalistisch in Bremerhaven gearbeitet hatte. Für ihre Recherchen nahmen die beiden Kontakt zu Hilde Adolfs Sohn Eike auf, der heute in Berlin lebt und mit 18 Jahren Vollwaise geworden war. Dessen Vater Wolfgang, der den Nachnamen Adolf angenommen hatte, war früh an Krebs verstorben. In dem Wunsch, Hilde Adolf als Person mit allen Facetten darzustellen und nicht auf die Politikerin zu reduzieren, waren sich die Autoren und Eike Adolf gleich einig.

Die Gäste im Olymp sahen Fotos der im Mai 1953 geborenen Hilde Adolf, als Kind "Munki" genannt, mit ihren Eltern, hörten einiges über ihre Kindheit und Jugend und ihre Nähe zu den Großeltern, über ihr Abitur 1972, ihr freiwilliges soziales Jahr im Folk-Treff "Leherheide", ihr Studium der Rechtswissenschaften in Göttingen, von wo sie jedes Wochenende nach Hause fuhr, um ihre Freunde zu treffen. Zwar war Hilde Adolf seit 1973 Mitglied in der SPD, doch parteipolitisch aktiv wurde sie erst viele Jahre später. "Müllfischerin" war Hilde Adolf von 1981 bis 1998. In der Bremerhavener Kabarettgruppe gab sie den Ton an. Das lag nicht nur an ihrer besonderen Bühnenpräsenz, sondern auch an ihrer tiefen und schönen Gesangsstimme, wegen der mancher Titel umgeschrieben werden musste. Es macht sich nicht gut im Gesang, wenn die Frauenstimme unter denen der Männer liegt.

Zitate machen das gezeichnete Bild rund: "Sie hatte die Gabe, komplizierte Dinge einfach zu sagen." "Außerdem war sie eine unglaubliche Mischung aus Sozialarbeiterin, Agenturchefin für Arbeits- und Berufslose, Entertainerin - sie hat Talente zusammengebracht, die es eigentlich in der Kombination gar nicht gibt." Oder: "Hätten wir mehr solche Politiker, hätten wir weniger Politikverdrossene." 84 von 88 Stimmen bekommt sie bei ihrer Wahl zur Senatorin, das spricht für sich.

Und Hilde Adolf war zupackend: Nach dem Politikalltag flieste sie noch eben eine Wand im Bad ihres neuen Hauses oder kochte Chili con Carne, bevor der Besuch kam. Ebenso resolut stieg sie vor dem Rathaus aus dem Dienstwagen, um mit einer aufgebrachten Menge zu sprechen, die gegen ihren Antrag demonstrierte, in dem sie das Putzpersonal in Kindereinrichtungen aus den pädagogischen Tarifen entlassen wollte. Oder sie rief persönlich bei der Gewoba an, als sie davon hörte, dass einer 84-Jährigen der Mietvertrag gekündigt worden war.

Hilde Adolf war stets der Gegenwart verbunden. Im Naheliegenden fand sie immer ihre Lösung. Das macht sie populär, über ihren Tod hinaus. Der Hilde-Adolf- Preis der Bürgerstiftung Bremen, die Hilde-Adolf-Straße in Gröpelingen und das Hilde-Adolf-Haus für behinderte Kinder in St. Magnus zeugen davon.

Ein paar Gesangszenen der "Müllfischer" erklingen unter lautem Gelächter, während Helga Poppe, die Leiterin des Olymp, weiteren Kaffee anbietet. "Hilde Adolf redete niemandem nach dem Mund. Sie hatte einen inneren Kompass, der ihr immer zeigte, in welche Richtung politische Entscheidungen gehen mussten. Die Menschen haben gespürt, dass der Kompass stimmt", wird Jens Böhrnsen auf der Rückseite des Buches zitiert.

Lesung am Montag, 28. Februar, 20 Uhr, in der Gleichstellungsstelle, Knochenhauerstraße 20-25, im Vorfeld des Internationalen Frauentages. Eintritt frei. Die Biografie "Mach das Beste draus" von Birgit Köhler und Beenhard Oldigs mit zahlreichen Farbfotos ist 2010 bei NW erschienen. ISBN: 978-3-86918-043-4, 16,80 Euro.

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