Stadtteil-Rallye durch die Vahr

Spiel, Spaß und Stempeljagd

Was ist los im Stadtteil? Welche Einrichtungen gibt es eigentlich vor Ort? Wer bei der Stadtteil-Rallye mitmacht, lernt sein Umfeld kennen. Mit der diesjährigen Ausgabe zeigen sich die Organisatoren zufrieden.
17.09.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Gerald Wessel
Spiel, Spaß und Stempeljagd

Hatten vieles für Kinder vorbereitet: Yvonne Henneke (li.) und Andrea Eisleb von der Elterninitiative Spielplatz Philipp-Scheidemann-Straße.

PETRA STUBBE

Die Plankenbrücke hält. Etwas wacklig ist sie zwar, aber trotz der vielen kleinen Füße bleibt das Konstrukt standhaft – mit Argusaugen behalten es die Eltern dennoch im Blick. Immer mehr Kinder kommen herbei, staksen die Rampe hinauf und legen von hier aus Meter für Meter der hölzernen Brücke zwischen Kisten und zweckentfremdeten Sitzgelegenheiten zurück. Weiter mittig des großen Spielplatzes an der Philip-Scheidemannstraße toben Kinder zwischen Schiebefahrzeugen und Bällen herum. Kurzum: Es ist was los am Spielhaus der Elterninitiative, die vor Kurzem ihr 40-jähriges Bestehen feierte.

Aber der Anlass für das Tohuwabohu am Sonnabendvormittag war nicht nur die tolle Ausstattung des Spielgeländes inmitten der Vahr. Das Spielhaus ist eine der elf Stationen der Stadteilrally unter dem Motto „Gevahrlos auf der Suche“. Zwischen 11 und 15 Uhr konnten an den verschiedenen Einrichtungen Stempel gesammelt werden, die letzten Endes die Chancen auf Einkaufsgutscheine der Berliner Freiheit und Sachpreise im Gesamtwert von 1500 Euro erhöhten. Diese wurden am Nachmittag im Zuge einer Live-Verlosung, die von dem Comedy-Artistik-Duo Klirr Deluxe moderiert wurde, vergeben.

Doch lang davor verbringen drei Kinder etwas abseits vom Rummel rund um Rampen, Plastikfahrzeuge und Sandkisten an einer Schaukel ihre Zeit. Jerome, 11 Jahre alt, schaukelt seine kleine Schwester und genießt dabei den sonnigen Vormittag. „Ich bin oft hier“, sagt der Vahrer Junge. Sein Vater helfe hier beim Verein, und heute gehe er ihm auch zur Hand, da während der Rallye vor Ort viel zu tun sei. Deshalb werde er vielleicht auch den Tag über hier bleiben und nicht noch weitere Rallye-Orte aufsuchen.

Loreen, 13 Jahre alt, ist bereits seit Langem mit Jerome und seiner Familie befreundet und nimmt deshalb regelmäßig den Weg von Horn, wo sie lebt, in die Vahr auf sich – so auch heute. Ob sie noch weitere Stationen der Stadtteil-Rallye besuchen wird, weiß auch sie noch nicht sicher. „Das ist aber eine tolle Idee“, sagt das Mädchen. „Der Spielplatz hier bietet aber auch schon allein für sich sehr viel.“

Wo vor dem Spielhaus vor allem Sandkisten, Bälle und sonstiges Spielzug lockt, warten während des Stadtteilevents im Garten dahinter die Vahr-Radieschen und die Verkehrsschule des gemeinnützigen Unternehmens Jugendhilfe und Soziale Arbeit, kurz Jus. Vaselina Schleifer bietet an ihrem Tisch allen Interessierten die Möglichkeit, Blätter durchzupausen, Tonabdrücke von Rindenstücken herzustellen und sich ganz generell über die Bäume rund um das Spielhausgelände zu informieren. „Da gibt es einfach eklatante Lücken“, beklagt sie. „Jugendliche und Erwachsene wissen alle so ein wenig. Ein bisschen was aus Büchern, ein wenig Aufgeschnapptes und dann noch was aus der Schule.“ Aber kaum jemand könne wirklich Zusammenhänge zwischen allen Elementen eines Baumes, wie den Blättern, der Rinde und dem Stamm herstellen.

Jeden Monat wählt sie deshalb im Zuge ihrer Projekte einen Baum des Monats aus – im September ist es die Echte Walnuss – und stellt diesen ins Zentrum ihrer Erklärungen. „Man kann zum Beispiel aus vielen Bestandteilen eines Baumes weit mehr machen als nur Bauholz.“ Ihr Ziel ist es, die Wahrnehmung der Menschen für die Gesamtheit der Bäume und Pflanzen zu schulen. „Da gehört auch zu, was man essen kann und was nicht“, fügt sie hinzu. Manches sei giftig, aus anderem könne sogar Seife hergestellt werden. „Die Kinder werfen sich gegenseitig gern mit Kastanien ab, aber wenn ich die Frucht als Seifengrundlage ins Spiel bringen, leuchten die Augen vieler Eltern.“ Ihre Tipps würden von vielen dankend angenommen.

Andreas Schröder von der Verkehrsschule der Jus hat bereits Besonderes erlebt: „Vorhin, kurz nach Beginn der Rallye, war eine Mutter mit ihrem Sohn rasant unterwegs. Sie kam auf ihrem Elektrorad hier an, sprang ab, bastelte schnell was und flitzte weiter. Die hatte bereits viele Stempel zusammen“, erzählt er. Wie sie das geschafft hat, wisse Schröder auch nicht. Die meisten lassen es indes ruhiger angehen. Die Atmosphäre am Spielhaus der Elterninitiative Philipp-Scheidemann-Straße ist locker und könnte glatt eine formlose zweite Geburtstagsfeier sein, denn diesen Monat wird die Initiative 40 Jahre alt.

„Wir sind eine Initiative, die von den Eltern ausgeht“, erläutert Andrea Eisleb, Vorstandsmitglied seit etwa zwölf Jahren und im Verein sogar seit 18 Jahren. „Je mehr diese sich einbringen, desto mehr können wir gemeinsam schaffen.“ Und das ist so einiges. Trotz nur 25 zahlenden Mitgliedern sei die Initiative für einen sehr gut besuchten Spielplatz ehrenamtlich zuständig. „Wir haben aber auch viele ehrenamtliche Helfer, die uns regelmäßig unterstützen.“

Neue, zahlende Mitglieder zu finden sei jedoch sehr schwer. Doch dank Spenden konnte sich der Verein auch ein Geschenk zum 40. machen: „Wir haben mithilfe von inzwischen groß gewordenen Kindern des Spielplatzes das Spielhaus neu gestrichen“, erzählt Eisleb. „Und wir hatten trotz Corona ein tolles Ferienprogramm.“

In Zukunft möchte man mit ähnlichem Elan weitermachen. Im Vorstand soll sich bald einiges verändern und es sollen reichlich neue Ideen umgesetzt werden. „Es passiert immer da was, wo sich die Eltern einsetzen und je öfter das passiert, desto besser für die Kinder“, so Eisleb optimistisch. Wenn beim Verein der Elterninitiative Spielhaus Philip-Scheidemannstraße wie eh und je die Kinder im Fokus stehen, wartet an anderen Standorten in der Vahr auch für Ältere etwas.

So bot das Bürgerzentrum Neue Vahr unter anderem ein Musikquiz mit den Young Oldies, eine GPS-Rallye für Jugendliche, einen Bewegungsparcours oder ein Kreativangebot. Kulinarische Besonderheiten, ein Quiz sowie verschiedene Kinderspiele warteten in der Christus-Gemeinde. Das Familien- und Quartierszentrum hatte Spiele für Jung und Alt, Minigolf und ein übergroßes „4-Gewinnt“-Spiel vorbereitet.

„Unsere Erwartungen sind erfüllt worden“, zeigt sich Martin Ploghöft Geschäftsführer des Organisators der Rallye, dem Verein Bürgerzentrum Neue Vahr, zufrieden. Von den 1000 Losen, die an alle teilnehmenden Einrichtungen ausgegeben wurden, sind bis zum Nachmittag knapp 600 heim zum Bürgerzentrum gekehrt. „Wir konnten alle Preise vergeben“, so Ploghöft. „Wir sind zufrieden mit Ablauf und Ergebnis der Rallye.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+