Ausgezeichnete Idee

Studentin entwirft Gebäude-Ensemble für die Vahr

Lena Krumpholz, Studentin der Hochschule Bremen, entwirft in ihrer Abschlussarbeit ein besonderes Gebäude-Ensemble und gewinnt den Karl-Engeland-Preis.
22.12.2019, 22:05
Lesedauer: 4 Min
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Von Leoni Hentschel
Studentin entwirft Gebäude-Ensemble für die Vahr

Lena Krumpholz Entwurf-Quartier in der Vahr Nord.

Lena Krumpholz

Dezentralisierung - das steht in der Bachelorarbeit „Wohnen 4.0 - Sharing Konzepte für Wohnen und Quartier in der neuen Vahr Nord“ von Lena Krumpholz im Vordergrund. Ein städtebauliches Ensemble inklusive Altenheim und mehr öffentlicher Raum für die Vahr ist darin geplant. Die Ideen von Krumpholz zeigten Erfolg: Ihre Abschlussarbeit ist mit dem Karl-Engeland-Preis ausgezeichnet worden.

Jedes Jahr prämiert der Karl-Engeland-Preis die besten Abschlussarbeiten aus den Studiengängen Architektur und Bauingenieurwesen an der Hochschule Bremen. Die Auszeichnung wird von der Familie des Bauunternehmers und Förderers der Hochschule Bremen, Karl Engeland, gestiftet. Mit ihrer Arbeit konnte Krumpholz nun die Jury überzeugen. „Ich wollte eigentlich gar nicht an dem Wettbewerb teilnehmen. Eine Freundin hat mich überredet“, sagt Krumpholz. „Ich habe auch nicht mit dem Preis gerechnet, aber ich freue mich sehr.“ Die 25-Jährige konnte sich mit ihrer Arbeit gegen insgesamt 30 Wettbewerber durchsetzen.

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Den Stadtteil bereichern und dabei Sharing-Konzepte miteinbauen – das war die Aufgabe der diesjährigen Bachelorthesis des Studiengangs Architektur an der Hochschule Bremen. Dazu sollte eine Baulücke an der Ecke Paul-Singer-Straße und Friedrich-Stampfer-Straße bespielt werden, an der momentan ein eingeschossiges Gebäude steht. „Das Gebäude, das dort steht, ist nicht städtisch. Es ging darum, die Gegend lebenswerter zu gestalten“ sagt Krumpholz.

Die Vahr in ihrer Architektur zu beleben, stellte sich für sie als Herausforderung heraus. „In der Vahr ist alles voneinander getrennt: Wohnen, Arbeiten und Gewerbeflächen. Es gibt außerdem nur ein Zentrum, die Berliner Freiheit. Sonst ist dort nichts los“, sagt Krumpholz. Ein weiteren Mangel sieht die Bachelorabsolventin in den Naturgebieten der Vahr. „Die Grünflächen stehen leer und werden nicht genutzt. Das ist verschwendeter Raum“, sagt sie. In ihrer Bachelorthesis wollte sie den Stadtteil lebendiger gestalten. „Ich wollte die ganzheitliche Struktur der Vahr verändern. Die ist einfach nicht mehr zeitgemäß“, sagt sie.

Fünf verknüpfte Gebäude

Um die Baulücke und die umliegende Gegend vielseitig zu beleben, hat Krumpholz in ihrer Arbeit ein Ensemble aus insgesamt fünf Gebäuden konzipiert. „Es ist wichtig, dass alle Gebäude miteinander verknüpft sind“, sagt Krumpholz. Dazu hat die Bachelorabsolventin den Verkehrskreisel verkleinert und die Straße zweispurig gestaltet, sodass ein direkter Bezug zur bestehenden Evangelischen Pfarramt Heilig- Geist-Gemeinde entsteht. „Es soll eine vielseitige Gegend entstehen, in der ein Zusammenspiel der dort stehenden Gebäude herrscht“, sagt die 25-jährige.

Das von Krumpholz neu gestalteten Gebäude gegenüber dem Gemeindezentrum besteht aus mehreren Geschossen. Im Erdgeschoß befinden sich unter anderem Gewerbeeinheiten wie ein Kiosk, eine Apotheke und eine Fahrradwerkstatt. Sie sollen die Anwohner zum Einkaufen einladen und einen Grundstein für eine städtische Struktur legen. Außerdem wird so eine Dezentralisierung als Basis für eine sozioökonomische- und ökologische Entwicklung der Vahr angestrebt.

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Während im unteren Bereich eingekauft und im Außenbereich verweilt werden kann, bestehen die darüberliegenden Geschosse aus sogenannten Clusterwohnungen. Dabei handelt es sich um Ein-Zimmer-Wohnungen, die es in der Vahr kaum gibt. Sie ermöglichen zugleich ein gemeinsames Zusammenleben, trotz jeweils abgeschlossenen Zuschnitts. „Die Bewohnerinnen und Bewohner teilen sich einen Gemeinschaftsraum und eine Küche, haben aber jeder ein eigenes Zimmer mit Badezimmer“, sagt Krumpholz. Zusätzlich dient ein umlaufender Austritt in jedem Geschoss als Raumerweiterung.

Eine weitere Ergänzung des Ensembles ist ein Altenheim, das den demographischen Wandel der Vahr wiedrspiegelt. „Ich habe vor Ort mit Menschen geredet, die ins Altenheim müssen und die Vahr nicht verlassen wollen“, sagt die Bachelorabsolventin. „Mit einem Altenheim in der Gegend können Menschen, die in der Vahr aufgewachsen sind, auch dort alt werden“. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befinden sich zudem ein Hort und ein Supermarkt. „Damit soll der Städtebaustein vielfältiger gestaltet werden“, sagt Krumpholz. In den darüberliegenden Stockwerken liegen Drei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen.

Fassaden aus Holz

Ein besonderes Merkmal aller Gebäude besteht in ihrer fünfeckigen Form. „Durch diese Gestaltung, sehen sie von jeder Seite ansprechend aus. Außerdem ermöglicht die besondere Form eine Umschließung des Gebäudes durch den öffentlichen Raum“, sagt Krumpholz. So können kleine Plätze zum Verweilen entstehen. Eine weitere Besonderheit stellen die vertikalen Fassadenteile aus Holz dar, die sich an jedem Gebäude befinden. Krumpholz, die bereits eine abgeschlossene Ausbildung als Tischlerin absolviert hat, verwendet am liebsten Holz in ihren Konzepten. „Man sollte es wagen, nachhaltiger zu bauen. Nachhaltigkeit ist im Kommen, trotzdem wird leider immer noch oft zu alten Methoden gegriffen“, sagt die 25-Jährige.

Einziger Wermutstropfen ihre Entwurfs: Eine Umsetzung des Konzepts findet erst einmal nicht statt. „Ich würde mir aber wünschen, dass ich mit meiner Arbeit zumindest Diskussionen über die weitere Entwicklung in der Vahr anstoße“, sagt Krumpholz. Für sie persönlich ist der nächste Schritt das Master-Studium. Wohin es dafür geht, weiß sie noch nicht. „Ich würde gerne nach Stockholm, weil da viel mit Holz gearbeitet wird“, sagt sie.

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