Gewoba plant Wohnungsbau

Trotz „Tarzan und Jane“ kein Dschungel

Der Beirat Vahr stimmt für eine Nachverdichtung der Gartenstadt Vahr. Knapp 90 barrierefreie Wohnungen für Senioren, Singles, Alleinerziehende und Familien sollen das Angebot im Ortsteil ergänzen.
22.01.2020, 23:00
Lesedauer: 4 Min
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Trotz „Tarzan und Jane“ kein Dschungel
Von Christian Hasemann

Auch wenn „Tarzan und Jane“ als Bau-Ensemble in den Ortsteil kommen: Die Gartenstadt soll Gartenstadt bleiben und kein Großstadtdschungel zwischen Uelzener Straße und Julius-Brecht-Allee werden. So lassen sich die Pläne der Gewoba für eine Nachverdichtung im Quartier beschreiben. Der Beirat Vahr hat in seiner jüngsten Sitzung für das Projekt gestimmt, das nun in die entscheidende Planungsphase geht. Anwohner fürchten Parkchaos und Baustellenlärm.

Mit drei sogenannten Bremer Punkten, in der Winsener Straße, in der Heidmarkstraße und in der Bispinger Straße sowie zwei Gebäudekomplexen „Tarzan und Jane“ in der Wilseder-Berg-Straße möchte das Wohnungsbauunternehmen Gewoba seinen Wohnungsbestand in der Gartenstadt erweitern.

Die Frage, die die Anwohner am häufigsten nach der Präsentation stellten, lautete: Was ist mit der Parksituation? Eine Frage, auf die die Gewoba vorbereitet war, denn diese kam schon vor knapp drei Jahren auf, als das Wohnungsunternehmen die Pläne während einer Einwohnerversammlung ebenfalls im Saal der Epiphanias-Gemeinde erstmals vorgestellt hatte.

Sieben Gebäude mit 90 Wohnungen

Für die insgesamt sieben Gebäude mit ungefähr 90 Wohnungen muss die Gewoba Parkplätze nachweisen. Das gibt das sogenannte Stellplatzortsgesetz Bremen vor, in dem bis ins kleinste Detail geregelt ist, wie viele Parkplätze ein Bauherr bei unterschiedlichsten Bauvorhaben einrichten muss. Insgesamt muss die Gewoba 147 Parkplätze nachweisen. 42 davon sollen in einer Tiefgarage unter den beiden Gebäudekomplexen in der Wilseder-Berg-Straße entstehen, die übrigen auf sogenannten Parktaschen und im öffentlichen Straßenraum. Allerdings werden die Parkplätze nicht eins zu eins ersetzt: 28 Plätze weist die Gewoba durch ein Mobilitätskonzept nach. In diesem Fall ist darunter ein sogenannter Mobilpunkt mit Carsharing- und Leihfahrräder-Angeboten zu verstehen.

Die Antworten der Gewoba beruhigten nicht alle Gemüter, viele skeptische Blicke blieben. Insbesondere die notwendigen umfangreichen Erdarbeiten für die Tiefgarage als auch die angekündigten Baumfällungen stießen auf Kritik. In der Wilseder-Berg-Straße müssen zahlreiche Bäume weichen.

„Wenn wir hier alle Bäume abschneiden, dann ist es ja gar keine Gartenstadt mehr“, merkte ein Mann an. Eine Frage, die sich außerdem stellt: Wo werden die Ersatzbäume gepflanzt? „Wir geben uns sehr, sehr viel Mühe, dass so wenig Bäume wie möglich weichen müssen“, betonte Corinna Bühring. Ersatz sei unter anderem in der Heidmarkstraße und am Heidplatz geplant. Weitere Ersatzpflanzungen sind außerdem an der Schneverdinger Straße vorgesehen. Insgesamt muss die Gewoba 40 neue Bäume pflanzen.

Auf einer anderen Ebene herrschte dagegen offenbar weitgehend Konsens – wenn man dies aus dem Mangel konkreter Fragen zu dem Bauprojekt ableitet: Die Gebäude könnten tatsächlich eine Ergänzung zum Wohnungsbestand darstellen. So jedenfalls sieht die Gewoba ihre eigenen Pläne. „Wir haben sehr viele Zwei- bis Dreizimmer-Wohnungen in unserem Bestand, aber viele davon sind nicht barrierefrei“, beschrieb Corinna Bühring, Gewoba-Architektin, den derzeitigen Bestand an Wohnungen in der Gartenstadt.

Die neuen Gebäude seien im Gegensatz zu den vorhandenen ebenerdig und vollständig barrierefrei. Mit ihnen könne die Gewoba ein „passgenaues“ Wohnungsangebot schaffen. Petra Kurzhöfer, zuständige Bereichsleiterin bei der Gewoba, ergänzte: „Wir wollen, das ältere Bewohner hier wohnen bleiben können.“

Ein Anwohner äußerte die Befürchtung, die viele Mieter umtreibe, dass durch die Neubauten die Mieten in den umliegenden Mehrgeschosshäusern steigen könnten. „Neue Wohnungen bedeuten auch teurere Mieten und die werden sich auf uns auswirken.“ Kurzhöfer trat dem entgegen. „Wir bauen überwiegend öffentlich geförderten Wohnraum mit einer Kaltmiete von 6,50 Euro.“ Insgesamt sollen 75 Prozent der neuen Wohnungen der derzeit auf 20 Jahre befristeten Sozialbindung unterliegen.

Keine weiteren Neubauten

Mit den Bremer Punkten und den zwei Gebäuden vom Typ Tarzan und Jane ist die Nachverdichtung der Gartenstadt Vahr voraussichtlich abgeschlossen. „Die Denkmalpflege will die Gartenstadt unter Schutz stellen, deswegen kann man Stand heute sagen, dass jetzt der Punkt erreicht ist, wo die Innenverdichtung abgeschlossen ist“, sagte Stefan Dierks vom Bauressort.

Eine genaue Bauzeit für die Bremer Punkte nannte die Gewoba nicht. Dank Holzrahmenbauweise könnten aber viele Teile vorgefertigt werden, erklärte Corinna Bühring. „Das bedeutet weniger Lärm und weniger Beeinträchtigung für die Menschen, die dort schon wohnen.“ Nach dem Gießen des Fundaments, des Treppenhauses und des Fahrstuhlschachts sei nur mit wenigen Wochen Bauzeit zu rechnen.

Anders kommt es hingegen in der Wilseder-Berg-Straße. Bei den achtstöckigen Tarzan-und-Jane-Bauten handelt es sich um Massivhäuser mit einer Unterkellerung. Auf etwa zwei Jahre Bauzeit müssen sich die Anwohner dort einstellen. Bevor es mit den Bauarbeiten losgeht, muss allerdings die Bauleitplanung abgeschlossen sein. In dieser werden die gesetzlichen Rahmenbedingungen geschaffen, damit überhaupt gebaut werden darf.

Helmut Weigelt (SPD) äußerte Zustimmung zu den Plänen und betonte den sozialen Aspekt des barrierefreien und altersgerechten Bauens. „Wir haben in der Vahr viele gehbehinderte Menschen, die mir sagen, dass sie wegziehen müssen, wenn sie keine Wohnung hier finden.“ Er habe ein sehr großes Interesse daran, dass Nachbarn, die seit 50 Jahren in der Vahr wohnen, auch künftig dort eine Heimat haben. Eine Sichtweise, der sich die übrigen Beiratsmitglieder bis auf eine Enthaltung anschlossen.

Weitere Informationen

Bis zum 6. Februar können der Bebauungsplan 2493 und der vorhabenbezogene Bebauungsplan 0125 im Ortsamt Vahr, Wilhelm-Leuschner-Straße 27/27a, und im Internet auf www.bauleitplan.bremen.de eingesehen und Einwände und Hinweise abgegeben.

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