Planung an Kurfürstenallee

Villa wird Wohnungen weichen

Auf den beiden Grundstücken an der Kurfürstenallee 115 und 117 sollen in vier Gebäuden Mietwohnungen entstehen. Doch was der Architekt, als „Lärmriegel“ bezeichnet, sehen Anwohner als „Riesen-Klopper“.
29.11.2018, 09:26
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Christiane Mester
Villa wird Wohnungen weichen

Geht es nach der Bremischen Volksbank wird an die Stelle ihrer ehemaligen Vermögensverwaltung neue Wohnbebauung rücken.

PETRA STUBBE

Die altehrwürdige Villa an der Kurfürstenallee Ecke Barbarossastraße und das benachbarte Bürogebäude sollen abgerissen werden. Die Grundstückseignerin, die Bremische Volksbank, will dort Wohnungen bauen und seit vergangenem Dienstag ist klar: Die vorhandene Fläche wird maximal ausgenutzt. Vier Gebäude sollen es werden und das größte davon wird über 18 Meter in die Höhe ragen.

Das Ortsamt hatte am vergangenen Dienstagabend zu einer Einwohnerversammlung in die Jona-Gemeinde geladen und mehr als 50 Anwohner kamen. Sie alle wollten wissen, was auf den beiden Grundstücken an der Kurfürstenallee 115 und 117 gebaut werden soll. Bei diesem Termin wurden die Pläne erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Was die Besucher zu hören bekamen, stieß im Gemeindesaal nicht auf Begeisterung: Die Grundfläche bis zum letzten ausgereizt, die Häuser zu hoch und zu wenig Parkplätze für die künftigen Bewohner, lauteten die Einwände.

„Es erschlägt uns“

Wo derzeit zwei Gebäude stehen, sollen es künftig vier sein, die im Vergleich zur jetzigen Bebauung nahezu bis an die Grundstücksgrenzen reichen. Von der Kurfürstenallee betrachtet, wird der Blick nicht mehr auf einen großzügig angelegten grünen Vorgarten und eine schmucke Villa fallen, sondern auf eine mehr als 18 Meter hohe Gebäudewand mit den Fenstern von 30 Wohnungen. Dem Plan zufolge sind diese in zwei getrennten Häuser untergebracht – da es dazwischen allerdings keine Lücke gibt, ist es optisch betrachtet eins. Vier Vollgeschosse sind zur Straßenseite hin geplant und im Dachgeschoss kommen nochmal zwei weitere Etagen oben drauf.

Was der Architekt, Gerd van Hülst, einen „Lärmriegel“ zur viel befahrenen Kurfürstenallee nannte, wurde aus den Reihen der Zuhörer als „Riesen-Klopper“ bezeichnet. „Es erschlägt uns“, ergänzte eine Anwohnerin und machte dann auf etwas aufmerksam, das im weiteren Fortgang des Abends noch mehrfach kritisiert werden sollte: Dass ein offensichtlich sechsstöckiges Haus wiederholt als „Viergeschossbau“ vorgestellt wurde.

Ebenfalls im Baugesetz festgeschrieben ist die Durchführung der Einwohnerversammlung, die an diesem Abend im Gemeindesaal stattfand: Nach geltendem Recht könnte die Bremische Volksbank ihr Bauvorhaben derzeit nicht in die Tat umsetzen. Die Vorgaben des aktuellen Bebauungsplans 0874 soll darum ein neuer, sogenannter vorhabenbezogener Bebauungsplan außer Kraft setzen. Und immer wenn das in Bremen der Fall ist, muss die Öffentlichkeit beteiligt werden. Somit war die Versammlung der Startschuss für das nun laufende Beteiligungsverfahren.

Kein Gartenstadt-Flair mehr

Was der Bebauungsplan 0874 vorschreibt, wurde anhand der Ausführungen von Stefan Dierks, dem zuständigen Bauressort-Vertreter deutlich: Einzel- und Doppelhäuser mit höchstens zwei Vollgeschossen sind erlaubt. Die offene Bauweise wird ergänzt durch strikte Maßgaben bezüglich Baulinien und -grenzen. So gibt es Platz für großzügige Grünflächen, die dem Ortsteil seinen Namen geben. Der geplante vorhabenbezogene Bebauungsplan sei eine Abkehr davon, räumte auch Dierks ein. Das „Gartenstadt-Flair“ werde an dieser Stelle verschwinden.

Im Gemeindesaal folgte auf die Präsentation des geplanten Vorderhauses die Vorstellung der rückwärtigen Bebauung. Im hinteren Bereich des Grundstücks sollen zwei weitere Gebäude mit jeweils sieben Wohneinheiten entstehen. Im Gegensatz zum Gebäude an der Hauptstraße, sind diese durch einen geringen Abstand voneinander als solche erkennbar. Auch fallen diese Häuser mit zwei Geschossen einige Meter niedriger aus. Alle geplanten Gebäude auf dem Grundstück werden mit Tiefgaragen unterkellert. 31 Parkplätze sollen hier Platz finden.

„Das ist doch nicht mal ein Parkplatz pro Wohnung“, rechnete eine Besucherin vor und fragte: „Wie kann das sein?“ Der Bauressort-Vertreter antwortete mit Verweis auf die Stellplatzverordnung: „Vorgesehen sind 0,8 Parkplätze pro Wohnung.“ Und weil auch diese Rechnung angesichts der geplanten Wohnungszahl nicht aufgeht, fügte er hinzu: „Die restlichen wurden abgelöst.“ Diese Auskunft empörte einen Mann im Publikum, der sagte: „Sie haben sich also mit Geld davon freigekauft.“

Ordentliches Bebauungsplanverfahren

Der Vertreter der Bremischen Volksbank, Ernst-Bernhard Hamann, sah sich an diesem Abend mehrfach dem Vorwurf ausgesetzt, die Volksbank würde mit dem Bauvorhaben ihre eigenen Profitinteressen auf Kosten der Anwohner verfolgen. Diesbezüglich stellte Hamann klar: „Darum geht es nicht. In Bremen werden Wohnungen gebraucht und wir schaffen welche.“ Die Regeln, zu denen das vor Ort geschehe, mache nicht ein Investor, sondern die Politik.

Die Zielvorgabe der rot-grünen Regierung in Bremen brachte anschließend der Bauressort-Vertreter auf den Punkt: „Innenverdichtung statt Grünflächenbebauung.“ Und weiter ließ er wissen: Wo Baulücken geschlossen werden könnten, sei im Einzelfall zu prüfen. Die vorgetragenen Einwände fänden Eingang in den weiteren Entscheidungsprozess über die Aufstellung des vom Investor beantragten vorhabenbezogenen Bebauungsplans 144. Dabei spielten beispielsweise die Faktoren „Licht und Luft“ eine Rolle, sagte er. Dominik Kreuzhermes, der Vertreter des von der Volksbank beauftragten Planungsbüros ergänzte: Entscheidend sei, ob es sich um „gefühlte oder tatsächliche“ Einschränkungen handele.

Als nächstes wird der Entwurf und die Begründung des neuen Bebauungsplans in der Baudeputation diskutiert. Spätestens im Januar 2019 soll das geschehen. Kommt es dort zum Planaufstellungsbeschluss, werden anschließend die Träger öffentlicher Belange gehört – unter anderem der Beirat Vahr – und der vorhabenbezogene Bebauungsplan 144 wird im Ortsamt ausgelegt.

Der genaue Zeitpunkt steht noch nicht fest. Laut Aussage des Vertreters des Planungsbüros ist damit frühestens im Juni 2019 zu rechnen. „Dann haben die Anwohner die Gelegenheit, ihre Einwände schriftlich einzureichen“, klärte Ortsamtsleiterin Karin Mathes über den Fortlauf des Beteiligungsverfahrens auf. Die abschließende Entscheidung treffen die Abgeordneten der Stadtbürgerschaft. Nach jetzigem Informationsstand soll dies im kommenden Herbst geschehen.

Der geltende Bebauungsplan 0874 ist online unter www.bauleitplan.bremen.de abrufbar. Auch der vorhabenbezogene Bebauungsplan 144 wird später unter dieser Adresse veröffentlicht.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+