Autoren stellen die Biografie "Mach das Beste draus" über Hilde Adolf im "Olymp" vor Zupackend - im Alltag und in der Politik

Vahr. Den Blick auf Bremen und darüberhinaus - wie ihn die Begegnungsstätte Olymp im sechzehnten Stock des Hauses in der Eislebener Straße ermöglicht - hatte auch die 2002 viel zu früh verstorbene Hilde Adolf. Im Olymp stand sie einmal mehr im Mittelpunkt: Birgit Köhler und Beenhard Oldigs stellten ihre im Dezember erschienene Biografie über die Politikerin mit dem Titel "Mach das Beste draus" vor.
14.02.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Edwin Platt

Vahr. Den Blick auf Bremen und darüberhinaus - wie ihn die Begegnungsstätte Olymp im sechzehnten Stock des Hauses in der Eislebener Straße ermöglicht - hatte auch die 2002 viel zu früh verstorbene Hilde Adolf. Im Olymp stand sie einmal mehr im Mittelpunkt: Birgit Köhler und Beenhard Oldigs stellten ihre im Dezember erschienene Biografie über die Politikerin mit dem Titel "Mach das Beste draus" vor.

Schon vor der Präsentation mit Lesung, Bildershow und Tondokumenten drehen sich die Gespräche um die volksnahe Hilde Adolf. Die reich bebilderte Biografie macht neugierig auf die Erinnerungen an die Bremer Senatorin für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales des Kabinetts von Henning Scherf.

Birgit Köhler aus Schwachhausen und Beenhard Oldigs aus der Neustadt haben ihr Buch das erste Mal am 7. Dezember vor ausverkauftem Haus in Bremerhaven vorgestellt, dort, wo Hilde Adolf geboren wurde und wo sie sich immer zu Hause fühlte. Die zweite Präsentation folgte am 13. Dezember im Bremer Rathaus, dessen Saal mit 140 Gästen ebenfalls voll besetzt war. Die bei einem Autounfall am 16. Januar 2002 ums Leben gekommene Hilde Adolf ist unvergessen.

Porträt mit allen Facetten

Auf das Buchprojekt Hilde Adolf ist Beenhard Oldig durch seinen Freund Klaus Krancke gekommen, der Mitarbeiter und Referatsleiter von Hilde Adolf war. Vor drei Jahren suchte sich Oldig für die Zusammenarbeit Birgit Köhler, die einige Jahre journalistisch in Bremerhaven gearbeitet hatte. Für ihre Recherchen nahmen die beiden Kontakt zu Hilde Adolfs Sohn Eike auf, der heute in Berlin lebt und mit 18 Jahren Vollwaise geworden war. Sein Vater Wolfgang, der den Nachnamen Adolf angenommen hatte, war früh an Krebs verstorben. In dem Wunsch, Hilde Adolf als Person mit allen Facetten darzustellen und nicht auf die Politikerin zu reduzieren, waren sich die Autoren und Eike Adolf gleich einig.

Die Gäste im Olymp sehen die im Mai 1953 geborene Hilde Adolf, als Kind "Munki" genannt, mit ihren Eltern, hören vom Aufwachsen und ihrer Nähe zu den Großeltern, vom Abitur 1972, dem freiwilligen sozialen Jahr im Folk-Treff "Leherheide", vom Studium der Rechtswissenschaften in Göttingen, von wo sie jedes Wochenende nach Hause fährt, um ihre Freunde zu treffen. Zwar ist sie seit 1973 Mitglied in der SPD, doch parteipolitisch aktiv wird sie erst viele Jahre später.

"Müllfischerin" ist Hilde Adolf von 1981 bis 1998. In der Bremerhavener Kabarettgruppe gibt sie den Ton an. Das liegt nicht nur an ihrer besonderen Bühnenpräsenz, sondern auch an ihrer tiefen und schönen Gesangsstimme, wegen der mancher Titel umgeschrieben werden musste. Es macht sich nicht gut im Gesang, wenn die Frauenstimme unter denen der Männer liegt.

Zitate machen das gezeichnete Bild rund: "Sie hatte die Gabe, komplizierte Dinge einfach zu sagen." "Außerdem war sie eine unglaubliche Mischung aus Sozialarbeiterin, Agenturchefin für Arbeits- und Berufslose, Entertainerin - sie hat Talente zusammengebracht, die es eigentlich in der Kombination gar nicht gibt." Oder: "Hätten wir mehr solche Politiker, hätten wir weniger Politikverdrossene." 84 von 88 Stimmen bekommt sie bei ihrer Wahl zur Senatorin, das spricht für sich.

Und Hilde Adolf ist zupackend: Nach dem Politikalltag fliest sie noch eben eine Wand im Bad ihres neuen Hauses oder kocht Chili con Carne, bevor der Besuch kommt. Ebenso resolut steigt sie vor dem Rathaus aus dem Dienstwagen, um mit einer aufgebrachten Menge zu sprechen, die gegen ihren Antrag demonstriert, in dem sie das Putzpersonal in Kindereinrichtungen aus den pädagogischen Tarifen entlassen will. Oder sie ruft persönlich bei der Gewoba an, als sie davon hört, dass einer 84-Jährigen der Mietvertrag gekündigt worden ist.

Hilde Adolf war stets der Gegenwart verbunden. Im Naheliegenden fand sie immer ihre Lösung. Das macht sie populär, über ihren Tod hinaus. Der Hilde-Adolf- Preis der Bürgerstiftung Bremen, die Hilde-Adolf-Straße in Gröpelingen und das Hilde-Adolf-Haus für behinderte Kinder in St. Magnus zeugen davon.

Ein paar Gesangszenen der "Müllfischer" erklingen unter lautem Gelächter während Helga Poppe, die Leiterin des Olymp, weiteren Kaffee anbietet. "Hilde Adolf redete niemandem nach dem Mund. Sie hatte einen inneren Kompass, der ihr immer zeigte, in welche Richtung politische Entscheidungen gehen mussten. Die Menschen haben gespürt, dass der Kompass stimmt", wird Jens Böhrnsen auf der Rückseite des Buches zitiert.

"Mach das Beste draus", die Biografie über Hilde Adolf mit zahlreichen Farbfotos ist 2010 bei NW erschienen. ISBN: 978-3-86918-043-4, Preis 16,80 Euro.

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