Risse im rot-grünen Mauerwerk

Ärger um Koehne-Wohnprojekt in Vegesack

Die SPD vertagt in der Baudeputation zum dritten Mal eine Entscheidung zum Koehne-Wohnprojekt in Vegesack. Bausenator Joachim Lohse (Grüne) reagiert verärgert.
02.05.2019, 20:25
Lesedauer: 2 Min
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Ärger um Koehne-Wohnprojekt in Vegesack
Von Nina Willborn
Ärger um Koehne-Wohnprojekt in Vegesack

Der Entwurf der Londoner Architekten von Caruso St. John ist der zweite Anlauf für das Wohnprojekt von Ludwig Koehne für das ehemalige Vulkan-Kontorhaus an der Weserstraße in Vegesack.

Caruso St John Architects

„Bauen, bauen, bauen“, um es mit Fraktionschef Björn Tschöpe bei der Reihe WK-Talk zu sagen, will die SPD. Wohnraum in Bremen schaffen, die Mieten bezahlbar halten. Zum Beispiel auf dem Gelände der ­Galopprennbahn, und auch an vielen anderen Stellen der Stadt setzt sich die Regierungspartei dafür ein, dass die Bagger möglichst schnell anrücken.

In Vegesack aber kann es der SPD offenbar nicht langsam genug gehen. In der Deputation für Bau und Verkehr am Donnerstagnachmittag setzte sie zum dritten Mal die Vertagung der Eröffnung der Bauleitplanung, also Vorbereitungen für die Erstellung eines Bebauungsplans, für das Wohnprojekt von Investor Ludwig Koehne an der Weserstraße durch – sehr zum Ärger der Grünen.

Um den Tagesordnungspunkt hatte es schon im Vorfeld der Deputation Ärger in der Koalition gegeben. Die SPD wollte ihn ohne Diskussion in dem Gremium von der Tagesordnung streichen lassen, die Grünen drohten, mit der Opposition zu stimmen und die Eröffnung gegen den Willen der SPD zu beschließen.

Dazu kam es nicht – auch, weil sich die CDU dem SPD-Antrag anschloss. Allerdings: Bau- und Verkehrssenator Joachim Lohse (Grüne) stimmte mit Claudia Bernhard (Linke) gegen die Vertagung, Grünen-Spitzenkandidatin Maike Schaefer enthielt sich.

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Der Dissens besteht letztlich in der Konkurrenz aus Gewerbe und Wohnen auf engem Raum. Die Lürssen-Werft hat große Bedenken gegen das Wohnprojekt mit 50 bis 60 Einheiten auf dem Gelände des ehemaligen Vulkan-Kontorhauses, weil sie durch mögliche Klagen von Mietern oder Eigentümern wegen Lärms Beeinträchtigungen bei ihrer Produktion fürchtet.

Ein Gutachten hatte im April ergeben, dass die Belastung ein bis zwei Dezibel über der zulässigen Grenze liegen würde. Die SPD will zwar grundsätzlich Bebauung auf dem Gelände, sie will aber auch vor allem die Lürssen-Werft nicht verprellen. Grüne und Linke argumentierten, sämtlichen Einwänden ließe sich auch innerhalb eines begonnenen Verfahrens begegnen und verwiesen auf wesentlich problematische Ausgangslagen in der Überseestadt mit fünf bis sechs Dezibel Überschreitung der Grenze, die zur Zufriedenheit aller gelöst wurden.

„Wir lassen den Investor auf halbem Weg verhungern“, schimpfte Lohse, „das ist unvorstellbar in einer Zeit, in der mehr als nur eine Partei Werbung macht mit dem Argument, Wohnraum schaffen zu wollen.“ Wenn Bremen derart mit Investoren umgehe, könne sich das schnell in deren Kreisen herumsprechen und den Ruf der Stadt nachhaltig schädigen, argumentierte der Senator.

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Die SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Heike Sprehe dagegen warnte vor „rechtlichen Auseinandersetzungen (Klagen von Lürssen, d. Red.), die Stillstand bei dem Projekt bedeuten würden“.

Laut Lohse hat es allerdings bereits Gespräche zwischen Behörde und dem Werft-Geschäftsführer Friedrich Lürßen gegeben und unter anderem die Zusicherung, etwaigen späteren Lärm-Beschwerden von Bewohnern nicht nachzugehen.

Der Investoren-Familie bleibt im Moment nichts anderes übrig, als die nächste Verzögerung des Projekts, das seit 2015 geplant wird – zuerst in einer dann abgelehnten Ausführung des Stararchitekten Hadi Teherani – hinzunehmen.

„Ich verstehe das nicht“, sagte Gisela Koehne, die Schwester von Ludwig ­Koehne, die in die Deputation gekommen war. „Sie hätten hier ja keine Baugenehmigung unterschrieben, sondern nur ein geordnetes Verfahren.“

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