DRK verkauft Gebäude

Aus für Begegnungszentrum

Das Begegnungszentrum Aumund-Hammersbeck schließt. Der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes hat das Haus verkauft. Die Nutzer, darunter sind zahlreiche Senioren, müssen es im ersten Quartal 2020 räumen.
26.11.2019, 17:49
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Imke Molkewehrum
Aus für Begegnungszentrum

Das Begegnungszentrum Aumund-Hammersbeck an der Meinert-Löffler-Straße wird im ersten Quartal 2020 geschlossen. Das Deutsche Rote Kreuz hat das Gebäude verkauft.

CHRISTIAN KOSAK

Aumund-Hammersbeck. Das Begegnungszentrum Aumund-Hammersbeck an der Meinert-Löffler-Straße wird endgültig geschlossen. Das bestätigt das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in Bremen. Aus heiterem Himmel haben die Senioren des Spieletreffs am Montag davon erfahren. „Die waren alle total geschockt“, erzählt Heike Sprehe, SPD-Beiratsmitglied in Vegesack. Vor Ort war ihre 86-jährige Mutter Helga Rudolph, die zweimal wöchentlich in die DRK-Begegnungsstätte geht: zur Gymnastik und zum Spieletreff. Sprehe kündigt den Widerstand der SPD im Beirat an.

„Meine Mutter war wie vor den Kopf geschlagen. Die Senioren – meist sind es zehn bis zwölf Teilnehmer – dürfen jetzt nur noch dreimal kommen, am 19. Dezember ist noch die Weihnachtsfeier, und dann ist Schluss“, schildert Heike Sprehe und räumt ein: „Die DRK-Begegnungsstätte ist tatsächlich etwas runtergekommen, und die Räume sind klein, aber für ältere Menschen sind die sozialen Kontakte extrem wichtig. Deshalb wird sich die SPD dafür einsetzen, das Angebot im Stadtteil zu erhalten.“

Es habe leider zur Schließung keine Alternative gegeben, sagt Bernd Blüm, Geschäftsführer vom Kreisverband Bremen des Deutschen Roten Kreuzes. Für die Sanierung des Gebäudes hätte das DRK viel investieren und parallel die laufenden Kosten tragen müssen. „Die Begegnungsstätte hat sich nicht selbst getragen. Wir haben sie lange am Leben gehalten und viel Geld reingesteckt. Aber jetzt haben wir einen Käufer gefunden und mussten das realisieren.“

Für die Pflege-Gesellschaft und die Erstberatung von Migranten, die ebenfalls in dem Gebäude ansässig sind, hat das DRK als Ersatzquartier eine Immobilie an der Stader Landstraße angemietet. Der Umzug sei für Mitte Januar geplant. Für die Kleiderkammer werde derzeit noch ein neuer Standort ausgelotet, so Blüm. Im Gespräch sei Marßel. „Aber für die Senioren wird es nach der Schließung der Begegnungsstätte kein Angebot geben“, bedauert der DRK-Geschäftsführer.

„Das ist uns nicht leicht gefallen“, betont Blüm, der erst seit Anfang November im Amt ist. „Es ist nicht schön, aber ein Hinauszögern hilft keinem.“ Bei seinem Amtsantritt sei der Verkauf „zwar noch nicht eingetütet, aber geplant“ gewesen. Die Nutzer des Gebäudes würden derzeit mit einem Aushang über die Schließung der Begegnungsstätte informiert. Ob das Haus im Anschluss geschäftlich oder privat genutzt werde, sei ihm nicht bekannt.

Noch vor dreieinhalb Jahren hatte das DRK angekündigt, an der Meinert-Löffler-Straße eine neue Zentrale bauen zu wollen. Die Plänen sollten binnen eines Vierteljahres vorliegen. Seinerzeit hieß es, dass es ohne einen Neubau nicht möglich sei, alle Angebote und Dienste des Deutschen Roten Kreuzes unter einem Dach zu vereinen. „Ein Umbau des Altbaus kommt nicht infrage“, sagte seinerzeit der DRK-Sprecher Lübbo Roewer. Er sei zu verbaut, zu schlecht gedämmt und zu alt. Angedacht war seinerzeit auch, eine Rettungswache an diesem Standort zu platzieren.

Die Sozialbehörde attestierte dem Begegnungszentrum noch im Jahr 2017 durchaus gute Noten. Im damaligen Gutachten hieß es: „Das Programm der Begegnungsstätte ist sehr umfänglich und bedarfsorientiert. Die Besucherzahlen liegen im oberen Bereich. Die engagierte Leitung ist mit 19,5 Wochenstunden beschäftigt. Ein Demenz-Café ist ebenfalls Teil des Angebotes. Es wird von der Begegnungsstätten-Leiterin mit zusätzlich 2,5 Wochenstunden geführt."

Allerdings waren die baulichen Gegebenheiten schon damals Thema: „Die Begegnungsstätte verfügt über diverse Räumlichkeiten über zwei Ebenen. Barrierefreiheit ist nur teilweise gegeben.“ Und auch in wirtschaftlicher Hinsicht war das Gebäude bereits eine Belastung. Das Gutachten sprach von „über dem Förderbetrag liegenden Gebäudekosten“. Dem standen damals allerdings noch hohe Einnahmen wegen guter Besucherzahlen gegenüber.

Es ist anders gekommen. Das Ende der Begegnungsstätte wird nun etliche Nutzer vor Probleme stellen. „Da findet rund um die Uhr extrem viel statt“, betont Heike Sprehe. Die Kleiderkammer habe womöglich ein neues Quartier in Marßel, aber die übrigen Aktivitäten umzulegen, werde eine Herausforderung. "Mir ist es ein Rätsel wie das gehen soll.“

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+