Umgestaltung geplant

Ideen für den Vegesacker Bahnhof

Eine Berliner Agentur hat im Auftrag des Bauressorts eine Machbarkeitsstudie für das Vegesacker Bahnhofsgebäude erstellt. Drei Nutzungsvarianten werden vorgeschlagen, ein Nebengebäude soll abgerissen werden.
23.10.2020, 13:25
Lesedauer: 4 Min
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Von Gabriela Keller
Ideen für den Vegesacker Bahnhof

Die Machbarkeitsstudie zeigt mehrere Möglichkeiten für eine künftige Nutzung des Bahnhofsgebäudes auf.

Christian Kosak

Vegesack. Der Bahnhof Vegesack muss attraktiver werden – das fordern Ortsamt und Beirat seit langem. Im großen Plan der Baubehörde für Vegesack ist die Modernisierung des Bahnhofsgebäudes und die Neugestaltung der umliegenden Freiflächen ein Baustein. Im Auftrag des Ressorts hat eine Berliner Agentur eine Machbarkeitsstudie erstellt. Die Ergebnisse liegen nun vor.

Siegfried Hafke, zuständiger Stadtplaner für Vegesack im Bauamt Bremen-Nord, betont: Eine fix und fertige Planung ist das nicht. „Es sind erste Vorschläge und Anregungen, wie man das historische Bahnhofsgebäude revitalisieren und die Nutzung optimieren könnte.“ Ob und wie die Ideen umgesetzt werden, entscheide die Wirtschaftsförderung Bremen, mit der sich das Bauamt in „enger Abstimmung“ befinde. Die WFB, der die Machbarkeitsstudie laut Hafke bereits vorgestellt wurde, verwaltet den Bahnhof für die Stadt Bremen als Eigentümerin.

Drei Nutzungsvarianten

Laut Hafke geht es um eine Fläche von 2700 Quadratmetern zwischen Gleisanlagen und Fahrrad-Parkhaus, die neu beplant werden soll. Im Zentrum steht dabei das Bahnhofsgebäude, für das die Berliner Agentur BahnStadt verschiedene Nutzungskonzeptionen entworfen hat. Die Planer aus der Hauptstadt sind nach eigener Darstellung „auf die Entwicklung kleiner und mittelgroßer Bahnhöfe sowie deren Umfelder“ spezialisiert.

Drei Nutzungsvarianten schlägt die Agentur für das Bahnhofsgebäude vor. Genauer gesagt für den Bereich des Backsteinbaus, der 1862 gebaut wurde. Der Vorbau mit dem Kiosk am ehemaligen Empfangsgebäude gehört laut Hafke nicht dazu, die Studie sieht einen Abriss vor. „Wir würden den Bahnhof damit auf seine historischen Umrisse zurückbauen“, sagt der Stadtplaner.

Variante 1 sieht vor, im Erdgeschoss des Gebäudes auf der Fläche des heutigen DB-Reisezentrums eine Wartehalle mit Toiletten, die es im Bahnhof nicht gibt, einzurichten. „Wir würden den Wartebereich damit von draußen in das Gebäude verlegen“, erklärt Hafke. In einem derzeit als Lager dienenden Gebäudeteil könnte der Kiosk angesiedelt werden. Auf der leer stehenden Fläche des ehemaligen Musiklokals „Muddy“ wäre Platz für das DB-Reisezentrum und ein Restaurant, so die Überlegung der Planer. Eine leerstehende Wohnung im Erdgeschoss sowie drei weitere im Obergeschoss des Bahnhofsgebäudes sollen umgenutzt werden: als Nebenräume für die Deutsche Bahn und das Restaurant sowie für Büros und Dienstleistungsangebote. Drei Mietflächen sind dafür vorgesehen.

Die weiteren Varianten modifizieren den ersten Vorschlag. Sie sehen weniger Mietfläche für Büros und Dienstleistungen vor, stattdessen Platz für die Bremer Straßenbahn AG. Derzeit befinden sich Ticketverkauf und Sozialräume der BSAG in einem Gebäude auf dem Bahnhofsvorplatz. „Eine Verlegung in das Bahnhofsgebäude würde zusätzliche Gestaltungsoptionen für den Bahnhofsplatz eröffnen“, meint Siegfried Hafke. Bekanntlich will die Baubehörde den Platz vor dem Bahnhof neu gestalten. Die BSAG könnte mit Ticketverkauf und Sozialräumen in den östlichen Trakt des Bahnhofes einziehen. So sieht es Variante 2 vor. Oder ihre Tickets zusammen mit der Deutschen Bahn in einer „Mobiliätszentrale“ in den ehemaligen „Muddy“-Räumen verkaufen, wie es Variante 3 vorschlägt. Die Sozialräume würden im westlichen Trakt bleiben. Gespräche mit der BSAG hat es laut Hafke noch nicht gegeben.

Der Vegesacker Stadtplaner ist überzeugt: „Mit allen drei Varianten können wir am Bahnhof viel verbessern.“ Nicht nur, weil neue Nutzungen den Bahnhof beleben würden. „Alle Varianten schlagen eine Öffnung der Freiflächen vor.“ Ein ungenutztes Nebengebäude soll abgerissen werden, die Überdachung des bisherigen Wartebereiches im Freien verschwinden. Mehr Licht, keine dunklen Ecken, insgesamt ein besser einsehbarer Bereich – das ist das Ziel. „Der Bahnhof soll kein Angstraum mehr sein.“

Moderne Fahrrad-Stellplätze

Ein moderner Fahrrad-Parkplatz mit offenen Stellplätzen wie abschließbaren Fahrradboxen ist geplant. „Wir haben mit der Deutschen Bahn gesprochen. Die wäre bereit, dafür einen Teil ihrer Fläche zur Verfügung zu stellen.“ Eingeflossen in die Machbarkeitsstudie sind laut Hafke Überlegungen für neue Wege- und Sichtachsen aus einer Rahmenplan-Studie, die das Berliner Büro A24 für einen größeren Bereich um den Bahnhof erarbeitet. Es geht um Wegeanbindungen an den Hafen und das Haven Höövt, die Friedrich-Klippert-Straße, an das Stadion und an die Schönebecker Aue. Der Abriss des Bahnhof-Nebengebäudes würde laut Hafke neue Möglichkeiten eröffnen. „Ein Übergang über das vorhandene, aber selten genutzte Gleis zum Park-and-Ride-Parkplatz wäre denkbar. Eine Brücke über die Aue könnte das Stadion und den Warnemünder Weg anbinden.“ Die Bahn habe beim Gleisübergang aber Bedenken.

Grob geschätzt rund 2,8 Millionen Euro würden die Ideen für den Bahnhof im Fall einer Umsetzung kosten, sagt Hafke. Städtebaufördermittel könnten aktiviert werden, für die Fahrradstellflächen gebe es eine Finanzierungszusage für ÖPNV-Mittel. Neben den vielen anderen Projekten im Vegesack-Plan wäre der Bahnhof eines, das sich nach seinen Worten „zeitnah“ umsetzen lässt. Die Machbarkeitsstudie sei eine Diskussionsgrundlage für weitere Gespräche mit der Wirtschaftsförderung. Die ist derzeit dabei, selbst Vorschläge zu entwickeln. „Es gibt erste Ideen der WFB, wie der Bahnhof künftig genutzt werden könnte“, bestätigt Sprecherin Juliane Scholz. Näheres wollte sie nicht sagen. „Der Zeitplan sieht vor, dass wahrscheinlich Anfang 2021 die parlamentarischen Gremien mit dem Vorhaben befasst werden.“ Sobald Planungsmittel bewilligt seien, könnten die Umbaupläne konkretisiert und den Bürgern vorgestellt werden.

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