Bauvorhaben an der Weserstraße

Villa Schröder in Vegesack soll saniert werden

Der Projektentwickler M-Projekt hat die Villa Schröder an der Weserstraße gekauft. Das historische Gebäude wird saniert. Die Anbauten sollen abgerissen und ein neuer gebaut werden.
06.04.2020, 10:00
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Von Julia Ladebeck und Aljoscha-Marcello Dohme
Villa Schröder in Vegesack soll saniert werden

Eine Luftaufnahme der Villa Schröder: M-Projekt will das historische Haus freistellen, die später hinzugefügten Anbauten hinter dem Haus und neben der Villa abreißen sowie einen neuen dreigeschossigen Anbau plus Dachgeschoss errichten.

M-Projekt

1887 wurde der eindrucksvolle Bau an der Weserstraße fertiggestellt, 1911 sowie in den 1950er-Jahren wurde die Stadtvilla beziehungsweise deren später hinzugefügter Anbau mehrfach umgestaltet. Nun soll die Villa Schröder saniert werden. Der Bauträger und Projektentwickler M-Projekt hat die Neorenaissance-Villa gekauft und plant neben der Sanierung und dem Ausbau des Dachgeschosses des historischen Gebäudes auch den Abriss sowie die Neukonzeption des Anbaus.

Ein vorhabenbezogener Bebauungsplan für das 3300 Quadratmeter große Grundstück Weserstraße 78a/79 erreichte das Bauamt Bremen-Nord Ende vergangenen Jahres. Jetzt hat sich die Deputation für Mobilität, Bau und Stadtentwicklung mit dem Plan beschäftigt. Den Deputierten lag ein Bericht der Verwaltung vor, in der die Stadtvilla als „ortsbildprägend“ bezeichnet wird.

„Das bestehende Planungsrecht (Bebauungsplan 909) sieht eine zweigeschossige, offene Bauweise vor. Damit ist das angestrebte drei- bis viergeschossige Vorhaben mit Tiefgarage planungsrechtlich ohne Anpassung der verbindlichen Bauleitplanung nicht genehmigungsfähig“, heißt es in dem Schreiben. Die Bauverwaltung weist außerdem darauf hin, dass die Baudeputation im Juli 2012 einen Beschluss zur Aufstellung eines neuen Bebauungsplanes (1562) gefasst hat.

Der neue Bebauungsplan sollte nach den Diskussionen über die bauliche Entwicklung der ehemaligen Ulrichs Villa in der Weserstraße 65 planungsrechtlich einen Rahmen „für eine maßstabsgerechte Integration von Neubauten in das städtebauliche Umfeld des oberen Weserstraßenzugs und des Stadtgartens“ setzen. Über die Ulrichs Villa am Geesthang war wegen ihrer wuchtigen Rückseite zum Stadtgarten hin in der Öffentlichkeit über Monate kontrovers diskutiert worden. Das Planverfahren sei anlässlich der bislang einzigen relevanten Entwicklung in der Weserstraße 80 – damit ist der Abriss des Theresienhauses und Neubau des Wohnhauses Belle-Vue gemeint – „gleichwohl nicht weiterbetrieben worden“.

Villa Schröder: Abriss der Anbauten geplant

Olaf Mosel, Geschäftsführer von M-Projekt, erläutert die Pläne für die Villa Schröder auf Nachfrage unserer Redaktion näher: „Wir möchten die Villa freistellen und die Anbauten, die nach und nach hinzugekommen sind, abreißen. Neben der Villa soll ein neuer Anbau mit drei Geschossen und Dachgeschoss entstehen“, erläutert er. Neben dem Anbau auf der rechten Seite der Villa – von der Straße aus gesehen – soll auch ein Anbau hinter dem Haus verschwinden. Die Villa soll seinen Worten nach saniert werden, das Dachgeschoss möchte M-Projekt ausbauen und insgesamt drei Wohnungen in dem historischen Haus schaffen. Vier weitere Wohnungen sollen in dem neuen Anbau entstehen.

Der Vorschlag der Verwaltung sieht vor, dass es vor der Entscheidung über die Einleitung eines vorhabenbezogenen Bauleitplanverfahrens zunächst eine Beratung mit dem Gestaltungsgremium bei der Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau geben soll. „Die Beratung soll unter Einbeziehung des Landesamtes für Denkmalpflege erfolgen“, heißt es in dem Bericht.

Darauf legt auch Bausenatorin Maike Schaefer (Grüne) wert. „Wir wünschen an der Stelle eine denkmalsensible Erweiterung des Gebäudes“, lässt Schaefer auf Nachfrage unserer Redaktion über ihren Sprecher mitteilen. „Darum soll es vom Gestaltungsgremium begutachtet werden, damit das denkmalgeschützte Gebäude bestmöglich ergänzt wird. Dabei ist es mir sehr wichtig, den Landesdenkmalpfleger zu beteiligen.“

Villa wurde 1887 gebaut

Für Olaf Mosel ist das nach eigenem Bekunden ohnehin eine Selbstverständlichkeit. Einen Termin mit dem Gestaltungsgremium, an dem unter anderem die Senatsbaudirektorin Professorin Iris Reuther teilnehmen sollte, war laut Mosel eigentlich bereits angesetzt, musste aber infolge der Corona-Pandemie abgesagt werden. „Mit dem Landesdenkmalpfleger sind wir bereits in Kontakt“, so Mosel. In der Beschreibung des Projekts betont M-Projekt die Sanierung und Neuentwicklung der Villa erfordere „viel Fingerspitzengefühl“. Vor allem die Konzeption eines passenden neuen Anbaus stelle höchste Ansprüche, ebenso die Beratungen und Absprachen mit Ämtern, der Denkmalbehörde und dem Bauamt. Dies sei „planerisch, gestalterisch und architektonisch eine Riesenverantwortung“.

Die Villa Schröder hat eine lange Geschichte. Johann Friedrich Schröder, vermögender Vegesacker Unternehmer und Teilhaber der Vegesacker Firma Schröder & Co., ließ sich das zweigeschossige Stadthaus 1887 im Stile der Neorenaissance von der Oldenburger Architektengemeinschaft Klingenberg & Weber errichten. Auffällig an der Villa ist vor allem das ockergelbe Backsteinmauerwerk und der burgartige Turmanbau auf der linken Seite.

1911 wurde der bis dahin eingeschossige Anbau aufgestockt. 1950 wurde er zu einer separaten Wohnung ausgebaut und mit einem Treppenhausanbau versehen. In den 1950er-Jahren kaufte Gert Lürssen, Inhaber der gleichnamigen Werft, das Gebäude. Lürssen beauftragte den Vegesacker Architekten Gerhard Kannengießer, der verschiedene Änderungen an der Stadtvilla vornahm. So wurde im Souterrain unter anderem eine Garage eingebaut und die Veranda zu einem Wintergarten umgebaut.

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