Jacobs University Bremen

Der Traum vom Technologiepark

Gerade hat ein US-Konzern eine Ausgründung der Jacobs Uni erworben. Zu einem vor Jahren geplanten Science Park am Campus ist es jedoch nie gekommen. Warum eigentlich nicht?
19.03.2021, 07:00
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Der Traum vom Technologiepark
Von Patricia Brandt
Der Traum vom Technologiepark

Sebastian Springer, Professor an der Jacobs Uni, hat den Tetramer Shop begründet, der jetzt von einem US-Konzern aufgekauft wurde.

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Gerade hat ein US-Unternehmen eine Ausgründung von Forschenden der Jacobs University erworben. Mit ihren Gründungstätigkeiten landete die Privathochschule nach eigenen Angaben 2020 unter den Top Ten der deutschen Universitäten. Vor zehn Jahren träumte Bremen noch davon, mit der Ansiedlung der Universität zukunftsträchtige Arbeitsplätze an die Weser zu holen. Direkt am Campus sollte ein Science Park für Start-ups entstehen. Doch der Plan schlug fehl. Warum ist es so gekommen?

Die Errichtung eines an der Uni angegliederten Technologie- oder Science Parks war bereits im Gründungskonzept der Universität verankert. „Ziel war es, den Strukturwandel in Bremen-Nord voranzutreiben und regionalwirtschaftliche Effekte – also Investitionen und Arbeitsplätze – durch den Wissenschaftsbetrieb auf dem Universitätsgelände und durch Unternehmen und Forschungsaktivitäten im angrenzenden Science Park zu realisieren“, heißt es heute aus dem Wirtschaftsressort.

Doch Fakt ist auch: „In den letzten Jahren ließ sich trotz intensiver Bemühungen ein geplantes ‚Science-Center‘ als Initialprojekt für eine Science Park-Entwicklung nicht so wie geplant entwickeln“, so Kristin Viezens, Sprecherin des Wirtschaftsressorts. Sie hat eine einfache Antwort darauf, warum das so ist: "Grundsätzlich ist festzustellen, dass die Ausgründungspotenziale der JUB bislang am Standort Bremen nicht ausreichend sind, um die Errichtung eines eigenständigen Science Centers zu gewährleisten.“

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Dabei sind Grundlagen für einen Science Park längst geschaffen. Für die Entwicklung des Science Parks sowohl nördlich als auch südlich der Steingutstraße hat das Wirtschaftsressort nach eigenen Angaben Mittel in Höhe von etwa 8,2 Millionen Euro investiert. Hiervon allein rund 5,4 Millionen Euro für den erforderlichen Grunderwerb.“

Bilder vom Spatenstich mit Wirtsschaftssenator Martin Günthner und JUB-Präsident Joachim Treusch sind Geschichte. Ist der Traum von einem Science Park ausgeträumt? Die Fakultät will sich dazu nicht äußern.

Firmenausgründungen sind offenbar nichts, was sich mal eben aus dem Boden stampfen lässt. „Um aus dem universitären Lehr- und Forschungsbetrieb heraus einen nachhaltigen Fluss von Ausgründungen zu etablieren, braucht es im Wesentlichen zwei Bestandteile„, meint Geschäftsführer Thomas Auf der Heyde. “Zum einen muss eine Universität einen internen „Gründungsspirit“ entwickeln. Dieser Spirit, diese Haltung braucht eine akademische, eine organisatorische und insbesondere auch eine kulturelle Grundlage, die jedoch nicht in kurzer Zeit verordnet werden kann, sondern sich entwickeln muss .“ Zum anderen beruhten viele Ausgründungen an Universitäten auf Grundlagenforschung, „die häufig viele Jahre bis Jahrzehnte in Anspruch nimmt bevor sie am Markt als Unternehmen platziert werden kann“. Ein Beispiel dafür sieht Auf der Heyde in dem Verkauf von Tetramer-Shop, einem von Jacobs-Professor Sebastian Springer entwickelten Unternehmen an einen amerikanischen Konzern.

Der JUB-Geschäftsführer betont auch, dass die Fakultät inzwischen mit einer „Startup-Option“ die Grundlagen dafür geschaffen habe, dass Bachelor-Studierende parallel zu ihrem Studium ihr eigenes Startup gründen können. So haben Studierende 2019 das Unternehmen Sharemac gegründet, bei dem es um das Sharing von Baumaschinen geht. Und der Student David Lewis designt und verkauft mit seiner Marke „Lewini“ Kleidung in einem Bremer Geschäft und online. Welches Interesse Studierende an neuen Geschäftsideen haben, zeigt auch ihre jährliche Start-up-Competition mit Teilnehmern aus der ganzen Welt. An diesem Wochenende ging das Preisgeld von 3.000 Eurolaut Uni nach Kapstadt an das Team von Liqid Medical, das Pionierarbeit bei der Entwicklung einer neuen Klasse von Augenimplantaten leistet.

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Dass es mittlerweile eine Gründungskultur bei der Jacobs University gibt, belegt aus Sicht der Universitätsleitung auch der gerade erst veröffentlichte „Gründungsradar“ des Stifterverbandes. In ihm werden jährlich die Gründungsaktivitäten an allen deutschen Hochschulen und Universitäten erfasst. Auf der Heyde: „Im Gesamtfeld der kleinen Universitäten hat es unsere noch sehr junge Jacobs University auf Platz 16 geschafft und zählt bezüglich der Gründungsaktivitäten in dieser Kategorie zu den Top 10.“

Ist er doch noch nicht ausgeträumt der Traum vom Technologiepark? Für die Wirtschaftsbehörde wären Ansiedlungen von Unternehmen mit einem Bezug zur JUB weiterhin „wünschenswert“. Laut einer aktuellen Studie gelte das Umfeld der JUB immer noch als Potenzialstandort für Gründungen und Start-ups.

Alles steht und fällt mit den neuen Geldgebern der finanziell angeschlagenen Privathochschule. Erst, wenn der Prozess zur Neuausrichtung der JUB abgeschlossen sei, könne auf Basis des Ergebnisses die weitere Entwicklung des Science Parks überprüft werden, heißt es bei der Behörde. Anders formuliert: Die Entscheidung über den Science Park hängt von der zukünftigen Ausrichtung der JUB unter einem neuen Investor ab.

Die Fragen, ob es bereits neue Investoren gibt, lassen sowohl die Uni selbst als auch das inzwischen für die Fakultät zuständige Wissenschaftsressort offen: „Der Auswahlprozess erfolgt derzeit und wird aufgrund der Komplexität des Verfahrens noch einige Monate in Anspruch nehmen. In dem bisherigen Verfahren zur Beteiligung an der JUB gibt es verschiedene Interessenten“, berichtet Sara Bergemann aus dem Haus von Claudia Schilling. „Aufgrund des laufenden Verfahrens und der gebotenen Vertraulichkeit können keine weiteren Informationen zum Stand des Auswahlverfahrens geben werden.“

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Zur Sache

US-Unternehmen erwirbt Ausgründung der Jacobs Uni

2019 hat sich Sebastian Springer, Professor für Biochemie und Zellbiologie an der Jacobs University, mit Wissenschaftlern der Technischen Universität Dänemark zusammengetan, um die Immunantwort auf Viren und Tumore zu finden. Die Forschenden gründeten den Tetramer Shop mit Sitz in Kopenhagen. Jetzt wurde der Pionier für biomedizinische Reagenzien in der Krebs-Diagnostik an das nordamerikanische Biotechnologieunternehmen 10x Genomics verkauft. Das teilt die Jacobs Uni mit.

Die Gründung von Tetramer-Shop sei das Resultat der jahrzehntelangen Grundlagenforschung von Professor Sebastian Springers Arbeitsgruppe und einer internationalen Kooperation gewesen. Im Zentrum der Aufmerksamkeit standen laut Pressehinweis der Fakultät MHC-Klasse I-Proteine, die sich auf der Oberfläche aller Körperzellen befinden. Sie signalisieren den T-Zellen des Immunsystems, wenn die Zelle von Viren befallen oder mutiert ist. T-Zellen gehören zu den weißen Blutkörperchen des Immunsystems. Sie können Tumorzellen erkennen, bekämpfen und sogar heilen. Die Arbeitsgruppe etablierte auf Grundlage ihrer Forschung neue Wege, wie sich die MHC-Proteine auf vielfältige Weise in der Immuntherapie einsetzen lassen.

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