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Bremen-Nord wird in der Verkehrspolitik vernachlässigt

Fußball-Schiedsrichter Bastian Norden von der SG Aumund-Vegesack berichtet darüber, was er in den vergangenen sieben Tagen erlebte und was ihn bewegte.
28.01.2020, 14:40
Lesedauer: 5 Min
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Bremen-Nord wird in der Verkehrspolitik vernachlässigt

Pfeift in der Bremen-Liga: Bastian Norden von der SAV.

OLIVER BAUMGART

Mittwoch 22. Januar: Morgens geht es zum Job zu Reck & Co., wo ich in der Abteilung „Recht und Regress“ beschäftigt bin. Ich bearbeite dort mit netten Teamkollegen die Verfolgung und Geltendmachung von Transportschäden für Versicherungen und Unternehmen. Seit einigen Jahren bin ich auch Mitglied in der „Deutschen Gesellschaft für Transportrecht“. Mein Arbeitsplatz befindet sich im 18. Stock des Wesertowers. Von dort oben hat man einen herausragenden Blick hinab auf die Weser und die Überseestadt. Abends fahre ich zum Schiedsrichter-Training zur Sporthalle Stadtwerder. Es ist im Prinzip Fußballtraining in der Halle für die Schiedsrichter des Bremer Fußball-Verbandes. Ich bin Schiedsrichter in der Bremen-Liga, in der die Punktspiele Mitte Februar wieder starten. Die Grundlagen im Ausdauerbereich muss ich daher jetzt legen. Für dieses Jahr habe ich mir vorgenommen, mehr an meiner körperlichen Fitness zu arbeiten. Während die Trainer ihre Fußballteams in gemeinsamen Einheiten in Form bringen, ist jeder Schiedsrichter für sich selbst verantwortlich. Da nehme ich solche Angebote gerne wahr.

Donnerstag, 23. Januar: Zur Arbeit fahre ich meistens mit dem Bus und der Straßenbahn. Leider wird Bremen-Nord meiner Meinung nach in der Verkehrspolitik vernachlässigt. Das Auto ist aufgrund der eingeengten Lesumüberquerung auf der A 27 und der Parkplatzknappheit in der Überseestadt keine Alternative. Auch die Regio-S-Bahn ist es leider nicht. Wie viele Pendler ärgere ich mich über überfüllte und teils zu kurze Züge, Zugausfälle sowie Ausdünnung des Fahrplanes. So fahre ich speziell am Wochenende nicht mehr mit dem Zug, wenn ich Aktivitäten in Richtung Farge habe. Das ist bei einer Taktung von einem Zug pro Stunde inzwischen zu unattraktiv. Ich hoffe, dass das Verkehrsressort weiter Druck auf die Nordwestbahn ausübt. Die Toleranzgrenze wurde bei mir im vergangenen Jahr durch die massiven Ausfälle auf der „RS 1“ überschritten. Da die Grünen den ÖPNV fördern und attraktiver machen wollen, ist eine Vergabe des Vertrages bis 2036 an die Nordwestbahn nicht ganz verständlich. Abends telefoniere ich noch länger mit Georg Trebin, um unsere Vorstandssitzung bei der SAV am kommenden Montag vorzubereiten, sowie mit Javed Mües, mit dem ich seit unserer gemeinsamen Zeit in einem Schiedsrichter-Team befreundet bin und der mittlerweile in Hamburg lebt.

Freitag, 24. Januar: Ich bin dieses Wochenende zweimal zum Futsal eingeteilt. Es gibt jeweils zwei Schiedsrichter und nur kurze Unterbrechungen, wodurch die Spieler keine Zeit haben, sich zu beschweren. Einen entsprechenden Lehrgang dazu habe ich bereits 2006 beim Berliner Fußball-Verband gemacht. In Bremen wird Futsal nur im Winter gespielt, hat sich aber noch nicht umfassend durchgesetzt. Abends lasse ich mein Katerchen Alex kastrieren. Seit September leben zwei British-Kurzhaar-Kitten bei mir. Um nicht Gefahr zu laufen, dass er irgendwann seine kleine Wurfschwester besteigt, muss das leider sein. Abends besuchen mich Tobias Behnke und seine Freundin Mariecke Häcker.

Sonnabend, 25. Januar: Ich hole am späten Vormittag Paul Seidel und Sören Kemper ab, um mit ihnen gemeinsam nach Borgfeld zu fahren. Dort sind wir mit Walter Katerkamp für die Futsal-Zwischenrunde der B-Jugend eingeteilt. Es läuft einigermaßen ruhig. Das liegt auch an unserer einheitlichen Auslegung. Das Pfeifen macht mir immer noch Spaß, denn es gibt stets neue Situationen. Man muss schnell entscheiden, Verantwortung übernehmen und mit verschiedenen Charakteren umgehen. Für mich ist es wichtig, immer authentisch und menschlich zu bleiben. Das wissen die meisten Fußballer einzuordnen. Auf dem Rückweg machen wir noch einen Zwischenhalt bei einem bekannten Schnellrestaurant.

Sonntag 26. Januar: Mittags pfeife ich zusammen mit Lennart Wolff, der für den erkrankten Malte Peters kurzfristig einspringt, sowie Ben Gattermann die Partie in der Futsal-Verbandsliga zwischen TS Woltmershausen und OSC Bremerhaven. Es gibt einige Unterbrechungen, sodass ich mich sputen muss, da ich noch ins Weserstadion will. Dort treffe ich mich mit meinem Referee-Kollegen Jan-Lukas Meyer, um mir mit ihm die Bundesliga-Begegnung von Werder Bremen gegen die TSG Hoffenheim anzuschauen. Werder hat in der ersten Stunde mehr Spielanteile, kommt aber zu selten gefährlich in den anderen Strafraum. Durch unglückliche Tore verlieren die Grün-Weißen noch deutlich mit 0:3. Deren Trainer Florian Kohfeldt habe ich früher einige Male als Torwart bei Werder Bremen III in der Bremen-Liga gepfiffen. Ich sehe wieder fehlenden Mut der Heimelf. Mit der schlechtesten Heimbilanz aller Bundesligisten und den meisten Gegentoren ist Werder leider ein ernsthafter Abstiegskandidat. Abends schaue ich regelmäßig den Tatort, der heute in München spielt. Er ist zwar spannend, aber mir doch teils zu überdreht. An der Krimireihe mag ich, dass mit der Handlung oft aktuelle oder gesellschaftskritische Themen verknüpft werden.

Montag, 27. Januar: Abends ist Vorstandssitzung der SAV-Fußballabteilung. Besonders freue ich mich über den Bericht vom Erreichen des vierten Platzes für das von Sabri Mrad geleitete Integrationsprojekt beim Wettbewerb „Sterne des Sports“ in Berlin. Ich bin seit 2014 zusammen mit Georg Trebin als Schiedsrichterobmann im Vorstand der Abteilung tätig. Wir ergänzen uns gut und tauschen uns regelmäßig aus. Wir haben bei der SAV knapp 30 Fußball-Schiedsrichter. Leider haben wir keine Schiedsrichterin im Verein. Für die Schiedsrichter-Ansetzungen sind wir das „Rückgrat“ für den Kreis Bremen-Nord. Eine intensive Betreuung unserer Schwarzkittel ist für uns dabei von großer Bedeutung. Einen großen Sprung haben Mohammed Chabo, der nun in der Futsal-Regionalliga pfeift, sowie Noah Müller, der seit vergangenem Sommer Spielleiter in den Jugend-Regionalligen ist, gemacht.

Dienstag, 28. Januar: Ursprünglich wollte ich nach der Arbeit laufen gehen. Es gibt bei mir im Stadtteil mit Knoops Park, Lesum-Ufer sowie Schloss Schönebeck tolle Laufstrecken. Doch ich treffe mich stattdessen zum Plaudern mit Marvin Bluhm. In der abgelaufenen Saison waren wir in einem Schiedsrichter-Team. Ich freue mich, den Kontakt gehalten zu haben. Meine Vorplanung für das erste Freundschaftsspiel draußen zwischen dem SV Lemwerder und dem SV Löhnhorst am Donnerstag beginnt. Ich kontaktiere meine Assistenten Thore Blümel sowie Adrian Qalaj. Nach der Begegnung wollen wir uns noch zusammensetzen und ihre Leistungsprofile besprechen. Beide sind Mitglied der Fördergruppe des Kreisschiedsrichterausschusses Bremen-Nord. Das Konzept der Fördergruppe wurde im Sommer umfassend überarbeitet. Jedes Mitglied bekam einen eigenen Coach. So soll die Betreuung intensiviert und die Leistung optimiert und stabilisiert werden.

Manfred Mangels, der Tischtennisspieler des Blumenthaler TV, wird als Nächster über seine Woche berichten.

Info

Zur Person

Bastian Norden (41)

ist Fußball-Schiedsrichter bei der SG Aumund-Vegesack. Der Rechtsassessor wohnt in St. Magnus und ist bereits seit 28 Jahren als Referee im Einsatz. Der auch als Schiri-Beobachter tätige Norden fungiert zudem als Schiedsrichter-Obmann bei der SAV.

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