Wie Musiker Matt Monka mit der Krise umgeht

Büro statt Bühne

Eigentlich steht Matthias Monka regelmäßig auf der Bühne und gibt Konzerte. Auch wenn das aktuell wegen des Coronavirus nicht möglich ist, denkt der Künstler nicht an eine Pause.
27.03.2020, 07:20
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Von Aljoscha-Marcello Dohme
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Die auftrittsfreie Zeit überbrückt der Nordbremer Musiker Matthias Monka unter anderem, indem er in seinem Tonstudio zu Hause neue Lieder schreibt.

Christian Kosak

Bremen-Nord. Weltweit steht das öffentliche Leben still, um die Verbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. An Konzerte, selbst im kleinsten Rahmen, ist damit in diesen Tagen überhaupt nicht zu denken. Davon betroffen ist auch der Nordbremer Musiker Matthias Monka. Alle Veranstaltungen, bei denen er in der nächsten Zeit eigentlich auftreten sollte, sind nun abgesagt worden.

„Da ich als Künstler nur Geld bekomme, wenn ich arbeite, heißt es für mich, ich habe jetzt erst mal kein Einkommen mehr“, sagt Monka. Rücklagen, die er in der Vergangenheit gebildet habe, würden dafür sorgen, dass er und seine Familie nun nicht verhungern müssten. Außerdem erwarte er Restgagen, da er noch bis zum zweiten Märzwochenende auf der Bühne stehen konnte.

Hoffnung geben ihm außerdem spezielle Hilfsangebote für Künstler, die vonseiten der Bundesregierung sowie von anderen Institutionen in Aussicht gestellt wurden. „Auf diese Soforthilfen versuche ich natürlich auch zurückzugreifen. Man sieht nicht so ganz, ganz leer aus, weil nun eine andere Situation ist, als wenn man in normalen Zeiten als Musiker keine Jobs hat. Da hilft einem wirklich kein Mensch. Dieser Ausnahmezustand, den niemand verschuldet hat, führt dazu, dass man nicht ganz im Regen stehen gelassen wird“, sagt Monka. „Da ist wirklich auch ein ganz toller Zusammenhalt unter den Musikern gerade da. Die schieben sich gegenseitig Tipps zu, wo man noch mal nach Geldern fragen kann.“

Finanzielle Hilfe

Solche Hilfen kann er allerdings nicht ohne Weiteres beantragen. Deshalb verbringt er nun deutlich mehr Zeit am Schreibtisch, als er es sonst tut. „Ich muss auf die Veranstalter zugehen und sie bitten, dass sie Ausfallbestätigungen ausstellen, damit ich für die Institutionen, die die Gelder lockermachen, etwas in der Hand habe“, sagt Monka. Wenn er all diese Bescheinigungen zusammenhat, könne er sich zum Beispiel an die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten (GVL) wenden, die Künstler nun mit einer Einmalzahlung in Höhe von 250 Euro unterstützt. Profitieren könne er bereits von einer Beitragssenkung der Künstlersozialkasse (KSK). Die KSK bietet freischaffenden Künstlern und Publizisten einen ähnlichen Schutz wie die gesetzliche Sozialversicherung. Dennoch müsse er nun auf „Sparflamme“ leben. „Ich bin nicht vollends beruhigt, aber derzeit noch etwas abgelenkt“, sagt er.

Die Maßnahmen, die Bundeskanzlerin Angela Merkel in Absprache mit den Ministerpräsidenten der Länder beschlossen hat, um das Virus einzudämmen, hält er aber dennoch für richtig und wichtig, wie Monka betont. „Das ist eine ernst zu nehmende Sache. Ich finde es gut, dass der Staat so schnell reagiert hat und Veranstaltungen aus Sicherheitsgründen abgesagt werden müssen.“

Auch wenn Matthias Monka derzeit nicht auf der Bühne stehen kann, beschäftigt er sich auch weiterhin mit Musik. „Ich habe zu Hause ein kleines Tonstudio und werde wahrscheinlich neue Songs schreiben. Außerdem schaue ich nach Kooperationen mit anderen Musikern, dass man gemeinsam Sachen macht. Es geht schon ein bisschen was weiter“, sagt der Nordbremer. Daneben findet er auch Zeit, um selbst mal wieder Musik zu hören, die ihm wiederum Inspirationen für seine Arbeit liefert. Dazu zählen Künstler wie die Bands Alphaville, Iron Maiden und The Who. „Da ich nun keine Termine habe, habe ich auch den Kopf ein bisschen freier. Das gibt mir die Möglichkeit, mich ganz in Ruhe hinzusetzen und mich einfach mal darüber zu freuen, was ich für ein großes Archiv an CDs habe. Ich bin auch ein großer Sammler und habe etwa 1500 CDs zu Hause."

Dass er derzeit keine Konzerte geben kann, bedeutet für ihn auch Umsatzeinbußen beim CD-Verkauf. Das Interesse an seinen Alben sei nach einem Auftritt immer besonders groß, insbesondere von Besuchern, die ihn zuvor noch nicht kannten.

Arbeit am neuen Album

Außerdem ist die Arbeit an seinem neuen Album „K“ durch die voranschreitende Pandemie ins Stocken geraten. „Die Songs sind aufgenommen, nun stehen noch die letzten Mischvorgänge an. Allerdings ist die Produktion noch nicht finanziert“, erzählt Monka. Deshalb hat er sich dazu entschlossen, eine Crowdfunding-Aktion zu starten. Bevor das Album herauskommt, kann es schon bestellt und bezahlt werden. Daneben besteht die Möglichkeit, ihn zum Beispiel für ein Konzert zu buchen und auch dies im Voraus zu entlohnen. Zu Beginn der Aktion sei das Interesse daran größer gewesen als heute. „Das kann ich aber auch total verstehen, weil die Leute haben jetzt andere Sorgen, als CDs vorzubestellen. Die Antennen sind ganz woanders hin ausgerichtet, nämlich in Richtung des Coronavirus“, sagt Monka.

Ob er sein neues Album trotzdem wie geplant auf den Markt bringen kann, ist fraglich. Sollte er das sogenannte Fundingziel von 2000 Euro bis zum 31. Mai nicht erreichen, würden alle bisher eingezahlten Beträge zurück an die Unterstützer gehen. Matthias Monka würde dann keinen Cent bekommen. „Im Moment gehe ich davon aus, dass ich die Summe nicht zusammenbekomme und sich das Projekt verzögert“, sagt Monka.

„Aber derzeit gehen auch in meinem Herz und in meinem Kopf ganz andere Dinge ab, nämlich, dass man diesen Virus in den Griff bekommt. Wenn das der Fall ist, dann ist man auch wieder bereit, sich durch Unterhaltung ablenken zu lassen, denke ich.“ Und dann will er die Crowdfunding-Aktion wahrscheinlich wiederholen, sollte der erste Anlauf jetzt nicht erfolgreich sein.

Auch wenn aktuell an Auftritte vor Publikum nicht zu denken ist, plant Matthias Monka trotzdem die nächsten Monate. „Die Live-Konzerte sind mein Hauptvehikel. Deshalb überlege ich, ob ich Konzerte im Internet gebe. Das wäre dann etwas für die relativ nahe Zukunft, wenn die Herzen dafür wieder ein bisschen offener sind“, sagt er. Erfahrungen mit dieser Art von Auftritten habe er in der Vergangenheit schon des Öfteren gemacht, etwa in Form von Wunschkonzerten zur Weihnachtszeit, die über seine Facebook-Präsenz liefen.

Zeitgleich erreichen ihn schon wieder Anfragen von Organisatoren für Veranstaltungen ab Mai/Juni. „Die Veranstalter buchen mich schon wieder“, erzählt er. Außerdem ist er seit Jahren als Pianist im GOP in der Überseestadt tätig. Sobald das Varieté-Theater wieder öffnet, würde er auch dort sofort wieder auftreten. Doch all das ist für Matthias Monka aktuell zweitrangig, sagt er. „Mir ist viel wichtiger, dass die Menschen gesund bleiben.“

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