Coronavirus: Flüchtlinge demonstrieren

Erneuter Protest vor Erstaufnahme in Vegesack

In der Vorwoche gab es die erste Demo vor der Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge, jetzt die zweite: Auch am Donnerstag forderten Bewohner die Schließung der Einrichtung, in der es den ersten Corona-Fall gab.
02.04.2020, 15:51
Lesedauer: 2 Min
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Erneuter Protest vor Erstaufnahme in Vegesack
Von Christian Weth
Erneuter Protest vor Erstaufnahme in Vegesack

Der Protest richtet sich vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie gegen die Unterbringung in der Großeinrichtung.

Christian Kosak

In der Vorwoche gab es die ersten Proteste vor der Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge, jetzt die zweiten: Wie am vergangenen Freitag kamen auch am Donnerstag mehrere Bewohner und Aktivisten zusammen, um dagegen zu demonstrieren, dass trotz Corona-Krise Hunderte Menschen in der früheren Zentrale der Vulkan-Werft leben. Aus Sicht des Flüchtlingsrats hat sich die Lage in Bremens größter Unterkunft verschärft, seit am Montag der erste Fall einer Virusinfektion aufgetreten ist.

Hatten sich in der Vorwoche rund 30 Frauen und Männer zu einer Kundgebung auf dem Gelände der Anlaufstelle versammelt, waren es nach Angaben des Flüchtlingsrats diesmal rund 20 Protestler mehr. Sie fordern, dass die Erstaufnahmestelle in Vegesack geschlossen wird und die Bewohner auf Hotels verteilt werden. Und das sofort. Der Flüchtlingsrat hat Anfang der Woche das Ordnungsamt eingeschaltet und Strafanzeige gegen Mitarbeiter der Sozialbehörde und der Arbeiterwohlfahrt als Träger der Einrichtung gestellt.

Nach seiner Auffassung verstoßen beide gegen die Allgemeinverfügung zur Eindämmung des Coronavirus. Der Flüchtlingsrat kritisiert, dass in der Erstaufnahmestelle mehrere Menschen in einem Raum schlafen müssen und Mindestabstände beim gemeinsamen Essen nicht eingehalten werden können. Seit Montag beklagt das auch eine Projektgruppe der Gewerkschaft Verdi. Der Gruppe gehört Wachpersonal an, das nicht bloß Aus der Anlaufstelle fordert, sondern auch mehr Schutz und Geld für die Mitarbeiter.

Die Behörde lehnt dagegen eine Schließung ab. Laut Bernd Schneider, Sprecher von Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne), ist die Anlaufstelle nicht nur weiterhin notwendig, sondern auch gesetzlich vorgeschrieben. Ihm zufolge ist das Ressort seit Längerem dabei, einen Teil der Bewohner anderweitig unterzubringen. Die ersten 100 Flüchtlinge werden momentan auf Jugendherbergen verteilt, weitere 200 sollen in den nächsten Wochen folgen. Laut Schneider leben momentan 450 Menschen in der Einrichtung.

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Die Frau, bei der das Coronavirus festgestellt wurde, hatte nach seinen Worten keinerlei Kontakt zu Bewohnern außerhalb des Bereichs für Neuankommende. Schneider sagt, dass die Personen, mit denen die Bewohnerin zu tun hatte, sofort identifiziert wurden. Dass die Frau erst isoliert, dann andernorts im Stadtgebiet untergebracht wurde. Und dass jeder, der in die Anlaufstelle kommt, getestet wird. Zu den Menschen, die momentan auf Jugendherbergen verteilt werden, gehören Schneider zufolge Ältere und Kranke.

Zur Strafanzeige äußert sich Schneider nicht. Laut Staatsanwalt Frank Passade haben die Ermittlungen begonnen. Er rechnet damit, dass die Prüfung des Falls zügig erfolgt.

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