Restaurantkritik

Das Esszimmer ist eine kleine grüne Überraschung

Das Esszimmer in Vegesack überrascht mit manchen Details, die man bei einem Restaurant der mittleren Kategorie nicht erwarten würde. Der persönliche Service trägt dazu auf jeden Fall bei.
10.10.2019, 06:20
Lesedauer: 3 Min
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Das Esszimmer ist eine kleine grüne Überraschung
Von Marcel Auermann
Das Esszimmer ist eine kleine grüne Überraschung

Esszimmer-Inhaber Memedi „Billy“ Kabil bietet in seinem Restaurant in Bremen-Vegesack ein klares Farbkonzept sowie einen persönlichen Service und überrascht den Gast mit manchen Details.

Christian Kosak

Wenn es dunkel wird in der Vegesacker Innenstadt, fällt besonders ein Bereich auf. Weil dieser Teil der Fußgängerzone in grünes Licht getaucht ist. Das rührt von der Leuchtreklame des Esszimmers her. Von außen handelt es sich um ein unscheinbares Restaurant, das auch ein Einzelhändler sein könnte, weil es sich mit der Fensterfront nicht von den anderen Läden in der Reeder-Bischoff-Straße unterscheidet. Innen findet der Gast in der Tat einen Raum vor, der kaum größer ist als manches Ess- oder Wohnzimmer zu Hause. Gerade einmal sieben Tische für etwa 15 Gäste stehen in diesem Ambiente, das eine Mischung aus Wirtshaus, Klause und Kneipe ist, aber dennoch dezent durch indirekte Beleuchtung wirkt. Die Wände schimmern dazu – klar – in Grün.

Diese Komponenten trugen dazu bei, dass unsere Erwartungen nicht allzu hoch waren. Doch wir wurden schnell überrascht. Schon beim Bestellen der Getränke fragte uns die Kellnerin, ob wir unser Wasser (die Flasche Viva con Aqua für akzeptable 5,50 Euro) denn gerne gekühlt oder zimmertemperiert wünschten. Diese Auswahl haben wir schon ewig nicht mehr erhalten. Dabei wäre sie so wünschenswert. Teilweise wird das Wasser in Restaurants nämlich nicht nur gekühlt, sondern eiskalt serviert, was selbst in den zurückliegenden hitzigen Monaten unerträglich war.

Überrascht

Ebenso überraschend empfanden wir bei einem so putzigen Lokal die Auswahl an vegetarischen und veganen Gerichten auf der Karte. Dort stehen zum Beispiel Zucchini-Spaghetti (11,50 Euro), Weizenmaismehltortillas gefüllt mit Gemüse (11,90 Euro) oder ein Kokos-Himbeer-Dessert (6,90 Euro) zur Auswahl.

Als die Küche mit einer schön würzigen Bruschetta und einer frisch frittierten, glühend heißen Aubergine grüßte, waren wir zum dritten Mal an diesem Abend baff. Das hätten wir nicht erwartet. Ohnehin kümmerte sich der Service sehr um die Gäste, die Tagesangebote mit frischen Pfifferlingen präsentierte die Kellnerin aus dem Effeff und hätte sie auch ohne mit der Wimper zu zucken noch einmal wiederholt, wenn sich der Gast nicht alles hätte merken können.

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Dann ging’s los. Meine Begleitung startete mit einer samtigen und würzigen Currysuppe mit Kokosnussmilch und Sahnehaube (5,50 Euro). Ich tunkte darin immer wieder meine beiden Baguettescheiben ein, die mir zu meiner „Heißen Ziege“ (11,90 Euro) geliefert wurden. Dahinter verbarg sich ein schmackhafter Ziegenkäse auf Baguette, den der Koch mit Feigen-Honig-Senf-Soße gratinierte. Dazu gab es eine Salatbeilage, die ich mir mit deutlich mehr Dressing gewünscht hätte.

Zur Hauptspeise wählte mein Gegenüber ein Rumpsteak (22,50 Euro), das seine pikante Note durch die Hirtenkäsefüllung erhielt. Allerdings konnte diese nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Fleisch dem Koch zu zäh und zu durch geriet. Dazu lagen Pommes frites und Djuvecreis auf dem Teller. In zwei Schälchen gab es eine pikante Salsa und eine Tunke, die wir nicht entziffern konnten. Geschmacklich lag sie zwischen Sauce béarnaise und Butter. Besser mundete mir mein Gericht von der Tageskarte: Spaghetti, was eigentlich Spaghettini waren, mit frischen Pfifferlingen und etlichen gebratenen Scampi (19,50 Euro). Die Nudeln besaßen eine schöne Würze. Allerdings setzte sich am Boden des Tellers zu viel Öl ab, sodass die letzten Happen sehr fettig waren.

Schmackhafter Nachtisch

Grundsätzlich erhält der Gast ordentliche Portionen im Esszimmer. Wir schafften deshalb nur noch ein Dessert gemeinsam: Limetten-Käsekuchen mit Erdbeeren im Glas (6,20 Euro). Wir schmeckten allerdings nicht viel Limette und auch keine Anklänge von Käsekuchen. Vielmehr handelte es sich um eine Sahnecreme mit Fruchtmark und knusprigen Streuseln. Nichtsdestotrotz war der Nachtisch lecker.

Fazit: Das Esszimmer überrascht mit manchen Details, die man bei einem Restaurant der mittleren Kategorie nicht erwarten würde. Der persönliche Service trägt dazu auf jeden Fall bei. Allerdings passte es bei den Gerichten an der ein oder anderen Stelle nicht ganz.

Esszimmer, Reeder-Bischoff-Straße 36, 28757 Bremen, Telefon: 04 21 / 65 18 28, ­Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag von 12 bis 14.30 Uhr und Dienstag bis Sonntag von 17.30 bis 22.30 Uhr, nicht barrierefrei, Internet: www.esszimmer-bremen.de

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