Die „Schulschiff Deutschland"

Das schwimmende Denkmal der Stadt

Seit 1996 liegt die „Schulschiff Deutschland“ in Vegesack vor Anker. Claus Jäger hat von seinem Büro nicht nur den besten Blick auf das prächtige Dreimast-Vollschiff, sondern auch allerhand Geschichten über das Segelschiff in petto.
26.08.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Annika Mumme

Im Vegesacker Hafen, da liegt es, das fast 80 Jahre alte Schiff, die „Schulschiff Deutschland“. Und vom Balkon des Gebäudes, in dem der Deutsche Schulschiff-Verein e.V. (DSV) seinen Sitz und dessen Vorsitzender Claus Jäger sein Büro hat, kann die gesamte Pracht des Dreimast-Vollschiffes bewundert werden. Aus diesem Büro heraus kann der 72-jährige Jäger, Senator a.D., auch allerhand Geschichten von dem Segelschiff erzählen. Vom straffen Ausbildungsprogramm, das sich an Deck einst zutrug und auch von den schönen Dingen des Lebens, denen das Schiff heute eine Bühne bietet.

Auch das Gebäude des DSV trägt zum Erhalt des Schiffes bei. Hier befindet sich ein Restaurant, von dem aus die Besucher das Schiff bewundern können. „Der Blick auf das Schiff ist meist schöner als der Blick von dem Schiff“, sagt Jäger. Der Komplex wurde eigens für das Schiff beziehungsweise für den Verein errichtet. „Als wir hierher kamen, standen hier noch die alten Baracken, die die Fischerei hatte, und die zum Teil Lürssen genutzt hat.Und in diesen Gebäuden wurde auch noch Ausbildung betrieben.

Wir waren ja bis 2002 auch noch Berufsschule." Bis 1940 liegt das Schiff in Bremerhaven und wird in dem Jahr in die Ostsee verlegt. Um es 1945 vor der Inanspruchnahme durch die Alliierten zu schützen, dient es nach Kriegsende als Lazarett. Kurzzeitig liegt es auch in Cuxhaven vor Anker, wird aber 1948 nach Bremen verlegt. Danach dient das Vollschiff mit der Rahtakelung sogar als Jugendherberge.

Millionen für den Erhalt

1995 wird das Schiff zur Reparatur in die Vulkan-Werft verlegt. Drei Jahre zuvor tritt der Vorstand des DSV an den damaligen Wirtschaftsenator Jäger heran, um die finanziellen Mittel für diese Arbeiten zu gewährleisten. Zwei Millionen Deutsche Mark will der Verein über Spenden selbst aufbringen – die restlichen drei Millionen Mark sollen durch öffentliche Förderung ermöglicht werden. Die „Schulschiff Deutschland“ ist zu dieser Zeit noch Ausbildungsschule für angehende Seeleute und liegt in Woltmershausen, wo sich auch das Schulgebäude für die Auszubildenden befindet. Die Kosten für das Schiff werden durch die Beiträge aufgebracht, die die Reedereien für die Ausbildungen entrichten. Da die Zahl der Ausbildungen an Bord aber sinkt, stellt sich die Frage, wie man das Schiff weiter unterhalten kann.

„Da geht einem das Herz auf"

Die Lösung lautet Vegesack. Nach der Reparatur wird das letzte erhaltene Vollschiff 1996 dorthin verlegt und liegt dort seit nunmehr zwanzig Jahren vor Anker. „Ich habe den Verein zwar darin bestärkt, habe diese Entscheidung aber nicht getroffen.“ Eine Verbindung zur Schifffahrt hat Jäger zwar sein ganzes Leben. „Mein Vater war Kapitän, mein Großvater war Kapitän und die sind auf solchen Schiffen gefahren. Aber ich nicht. Ich kann nicht sagen, dass ich aufgrund eines besonderen Hintergrundes da verhaftet war. Ich hätte mich für ein erhaltenswertes Gebäude als Denkmal genauso stark eingesetzt.“

Doch später überkommt sie ihn dann doch noch, die Erkenntnis, mit welch besonderer Schönheit er es hier zu tun hat. Das ist die Zeit, als er sich mit dem Schiff persönlich bekannt macht, denn zuvor kannte er das Segelschiff mit den drei Masten nur aus der Ferne. Da blitzt es einmal – wenn auch nur kurz – in den Augen des Politikers: „Das Schiff ist von einer Grazie, von einer Anmut, von einer Schönheit – da geht einem das Herz auf.“

Wird der in Lesum lebende Claus Jäger nach der Verbindung zwischen dem Schulschiff und dem Stadtteil gefragt, antwortet er: „Vegesacker Geschichte – eine Stadt der Schiffe und des Schiffbaus – die symbolisiert sich sehr schön in der ,Schulschiff Deutschland'. Und Schiffe dieser Art wurden in Bremen an der Schlachte nicht gebaut. Aber hier in Vegesack, da wurden sie gebaut.“

Menschen, die sich an dem prunkvollen Äußeren und der überwältigenden Erscheinung des Schiffes erquicken, gibt es viele. Dennoch: „Ich bin ganz zufrieden, wenn wir das einigermaßen so weitermachen können wie bisher. Ich wünsche mir dennoch ein paar mehr Besucher, die sich an diesem Schiff erfreuen, und da möchte ich auch einen Beitrag leisten können, dass uns das gelingt – gemeinsam mit anderen hier in Vegesack, die das Gleiche wollen."

Auch Gegenwart und Zukunft Vegesacks betreffend, verweist Claus Jäger einmal mehr auf die Historie des Stadtteils: „Aus solch einem reichen Fundus an Geschichte, daraus könnte Vegesack auch Selbstbewusstsein schöpfen.“

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