Atombunker Sedanplatz

Atombunker unter Denkmalschutz

Die Zivilschutzanlage Sedanplatz aus der Zeit des Kalten Krieges wird wegen ihrer Unversehrtheit als erhaltenswert eingestuft.
22.05.2020, 10:22
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Atombunker unter Denkmalschutz
Von Elena Matera
Atombunker unter Denkmalschutz

Die Pritschen stehen eng nebeneinander. Im Falle eines Angriffs hätten 4000 Menschen in der Anlage Schutz gefunden.

Christian Kosak

Vegesack. Die Zivilschutzanlage Sedanplatz aus der Zeit des Kalten Krieges steht seit Mitte April unter Denkmalschutz. „Damit ist ein originales Zeugnis der deutschen Geschichte dauerhaft gesichert“, sagt Georg Skalecki, Amtsleiter des Landesamts für Denkmalpflege in Bremen.

1975 wurde der Atomschutzbunker als Teil einer Tiefgarage unter dem Sedanplatz in Vegesack gebaut. Der Schutzraum befindet sich auf der untersten Parkebene der Tiefgarage, etwa 12,5 Meter unter der Erdoberfläche. Gut 4000 Menschen hätten dort im Falle eines Angriffs für zwei bis drei Wochen Schutz gefunden. Damit ist die Anlage mit Abstand die größte der insgesamt vier aus dieser Zeit stammenden Schutzeinrichtungen in Bremen.

Vor gut zwei Jahren hat das Landesamt für Denkmalpflege Bremen laut Skalecki mit der Prüfung des Atombunkers begonnen. Ein Mitarbeiter des Hauses habe dafür recherchiert und das wissenschaftliche Gutachten im vergangenen Jahr verfasst. Anschließend wurde mit den Eigentümern gesprochen. Im Falle des Atombunkers Sedanplatz ist die städtische Parkhausgesellschaft Brepark die Eigentümerin. „Wir haben mit der Geschäftsführerin Erika Becker eine Begehung gemacht und konnten sie überzeugen, dass der Bunker erhaltenswert ist“, so Skalecki.

„Die Denkmalpflege will grundsätzlich alle Phasen unserer Vergangenheit mit anschaulichen und wichtigen Zeugnissen dokumentieren. Dazu gehört auch der Kalte Krieg“, sagt Skalecki. „Der Bunker Sedanplatz hat einen hohen zeitgeschichtlichen Wert.“

Im Gegensatz zu den übrigen Bremer Zivilschutzanlagen aus der Zeit des Kalten Krieges besitzt die Anlage in Vegesack noch die bauzeitliche Ausstattung inklusive aller technischen Anlagen und Versorgungsräume, heißt es in dem Gutachten des Landesamts für Denkmalpflege. Diese Unversehrtheit verleihe dem Objekt einen ganz besonderen Seltenheitswert.

„In keinem anderen Bunker in Bremen und der Umgebung ist die Technik vollständig vorhanden. Es gibt in der Zivilschutzanlage Sedanstraße noch die originale Ausstattung. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal“, sagt Egbert Heiß. Der pensionierte Lehrer und ehemalige Nordbremer Kulturreferent bietet einmal im Jahr öffentliche Führungen in der Zivilschutzanlage Sedanplatz an. „Die Besucher sind fasziniert von der Technik. Das kann man so nirgendwo anders sehen“, sagt Heiß. Auch seien die Besucher an den Beweggründen, den Sinn der Anlage interessiert. „Auch in den Regalen liegen noch Windeln, Klopapier, Decken und Nahrungsmittel“, sagt Heiß. „Die Anlage ist ein zeitgeschichtliches Zeugnis.“

Die Frage des Denkmalschutzes wurde laut Heiß bereits vor zehn Jahren von einem Mitarbeiter der Denkmalschutzbehörde aufgeworfen. „Leider lag das Ganze nun zehn Jahre auf den Schreibtischen der Behörde. Ich habe dann im Beirat angeregt, eine Nachfrage zu machen. Daraufhin wurde der Vorgang erst vorangebracht“, sagt Heiß.

Der Beirat habe außerdem bereits vor Jahren die Forderung gestellt, den Bunker für Gruppen, wie Schulklassen und Tagestouristen, zugänglich zu machen. Bislang gebe es nur einmal im Jahr Führungen. „Die Behörden haben jahrelang nicht darauf reagiert“, sagt Heiß. Mit dem Denkmalschutz könne man das Thema wieder angehen und versuchen, regelmäßige Führungen und Informationsmaterial anzubieten. Man könne Öffentlichkeitsarbeit für die Anlage betreiben.

Jetzt müsse ein Konzept entwickelt werden für die intensivere Erforschung und Nutzung des Bunkers. „Ich warte darauf, dass sich der Beirat noch einmal mit der Sache befasst und versucht, eine Betreuung dieses Projekts voranzubringen“, sagt Heiß.

Die Aufgabe der Zukunft sei es nun, mit der Brepark und dem Senator für Inneres über die Erhaltung und die Zugänglichkeit des Bunkers zu sprechen. Der Senator für Inneres verwalte die Zivilschutzanlage Sedanplatz. Laut Heiß müssen dafür Leute gefunden werden, die sich um die Führungen, die Erforschung und die Dokumentation der Anlage sorgen.

„Der Besitzer eines Denkmals ist dazu verpflichtet, dieses zu erhalten und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, sagt Heiß. Es stelle sich die Frage, ob die Brepark Mittel dafür bekomme. Heiß werde weiter Druck machen. Er sei zufrieden mit dem Fortschritt, dass die Zivilschutzanlage Sedanplatz unter Denkmalschutz steht. Mit diesem Status bestehe nun Handlungsbedarf.

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