Probleme im Vegesacker Bad Die Großbaustelle Freizeitbad Vegesack

Immer wieder war das Freizeitbad eine Baustelle. Jetzt wird es wieder eine. Und die soll größer werden als alle bisherigen. Im Gebäude ist so viel kaputt, dass es mittlerweile um einen Teilneubau geht.
05.04.2019, 19:30
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Die Großbaustelle Freizeitbad Vegesack
Von Christian Weth

Abgängig. Olav Rothauscher sagt das Wort oft. Die Wasserrutsche, die Brandmeldeanlage, die Notbeleuchtung, das Freibadbecken sowieso und jetzt auch das Solebecken: alles abgängig. Der Architekt zählt so viele Schäden auf, dass es Lacher im Publikum gibt – und Rothauscher am Ende zu dem Schluss kommt, dass sich eine Sanierung nicht mehr lohnt. Er spricht von einem Teilabriss und Teilneubau des Vegesacker Freizeitbads. Und von einem Problem, dessen Ausmaß die Ingenieure noch nicht genau kennen. Auch der Beton unter dem Becken des Hallenbads ist kaputt.

Rothauscher ist nicht der einzige, der an diesem Donnerstagabend den Beiratsfraktionen erklärt, was mit dem Freizeitbad los ist. Auch Bäderchefin Martina Baden und Sportsenatorin Anja Stahmann (Grüne) machen das. Die eine sagt manchmal, was zuvor schon die andere gesagt hat: zum Beispiel, dass Gebäude, Technik und Schwimmbecken regelmäßig von Sachverständigen untersucht werden. Aber dass erst jetzt, nachdem das Freizeitbad genauso wie alle anderen Bäder der Stadt von Grund auf überprüft wurde, klarer ist als bisher, wie viele Schäden es tatsächlich gibt. Und dass man deshalb vorher nicht wissen konnte, was man jetzt weiß.

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Die Stadtteilpolitiker kennen solche Sätze. Es sind die gleichen, die Baden sagte, als im Vorjahr festgestellt worden war, dass es Risse im Becken des Freibads gibt – und der Außenbereich zum zweiten Mal im Sommer geschlossen bleiben musste. Auch manches, was Stahmann sagt, ist eine Wiederholung. In der vergangenen Woche hatte sie während der Fragestunde in der Bürgerschaft über das Bad gesprochen. In der Senatsvorlage stand damals allerdings etwas anderes als das, worüber der Architekt, die Bäderchefin und die Senatorin an diesem Abend informieren. Aus Abriss und Neubau ist mittlerweile Teilabriss und Teilneubau geworden.

Probleme mit dem Beton

So steht es auch auf den Plänen, die Rothau-
scher den Fraktionen und den rund 100 Zuhörern im Saal des Ortsamts zeigt. Der Architekt vom Planungsbüro Janßen, Bär und Partner, das im Vorjahr eingeschaltet wurde, um den Umbau des Bads zu begleiten, hat vier Grafiken in petto. Mal ist das Gebäude zu sehen, so wie es jetzt ist, mal so, wie es nach einer Sanierung ausgesehen hätte – und die nun obsolet ist. Rothauscher sagt, dass es wegen der vielen Schäden und der Probleme mit dem Beton aus wirtschaftlichen Gründen keinen Sinn mehr macht, an diesem Plan festzuhalten. Darum hat er zwei weitere Entwürfe mitgebracht: Teilneubau, Lösung A und Teilneubau, Lösung B.

Beide unterscheiden sich ausschließlich bei der Gestaltung des Außenbereich: Bei einer Variante gibt es ein Freibadbecken, das einen direkten Zugang zur Schwimmhalle hat und sich ganzjährig nutzen lässt, weil das Wasser beheizt werden kann. Bei der anderen ist das Freibadbecken vom Gebäude getrennt, unbeheizt, dafür aber doppelt so groß – 350 statt 174 Quadratmeter. Außerdem gibt es bei dieser Option ein separates Außenbecken für Kinder. Umgestaltet werden soll auch die Liegewiese. Nach Rothauschers Entwürfen sind mehrere Sportangebote vorgesehen. Er spricht von Tischtennisplatten, einem Feld für Beachvolleyball und einer Boulderwand.

Im Bad verändert sich bei Lösung A und Lösung B sowohl der Standort der Wasserrutsche – sie kommt ans Ende des Teilneubaus – als auch der des größten Hallenbeckens – es soll jetzt an ein Erlebnisbad anschließen. Ein Solebad ist nicht mehr geplant. Neu dazu kommen ein Eltern-Kind-Bereich sowie ein Becken für Kursteilnehmer, inklusive einer Option für ein zweites. Der Trakt des Lehrschwimmbeckens bleibt dagegen, wie er ist, weil er gerade erst saniert wurde. Genauso wie das Frontgebäude von außen. Drinnen werden allerdings die Umkleiden ebenso neu angeordnet wie der Sauna- und Massagebereich. Geplant ist auch ein Aufzug beim Eingang.

Der Architekt sagt, dass die Entwürfe viele Wünsche aufgreifen, die Badbesucher der Bädergesellschaft genannt haben. Ob der Teilneubau am Ende genau so wird, wie es der Planer vorschlägt, ist jedoch offen. Zum einen, weil ihm noch nicht alle Resultate der Betonprüfung vorliegen. Zum anderen, weil die Senatorin nicht sagen kann, wie viel Geld für einen Teilneubau bewilligt wird. Sie weiß bisher nur, wie viel er schätzungsweise kostet: um die 23 Millionen Euro. Und welche Summe es braucht, das Projekt anzuschieben: 800 000 Euro. Das Büro Janßen, Bär und Partner hat vorgearbeitet, endgültig geplant wird das Vorhaben von anderen.

"Ein Bauprojekt der öffentlichen Hand wird immer teurer als geplant"

Auch wenn Stahmann sagt, dass sie sich für das Bad einsetzen wird, sind manche Fraktionen skeptisch und andere enttäuscht. Skeptisch sind die Bürger in Wut. Sie gehen davon aus, dass die geschätzten Summen nicht reichen werden. „Ein Bauprojekt der öffentlichen Hand“, sagt Fraktionssprecher Cord Degenhard, „wird immer teurer als geplant.“ Beispiele dafür gibt es ihm zufolge zuhauf. Enttäuscht ist hingegen die CDU. Für sie ist ein Teilneubau nicht genug. Sie will, dass alles abgerissen und alles neu gemacht wird. „Was Vegesack braucht“, meint Fraktionssprecher Torsten Bullmahn, „ist ein großer Wurf – ein Allwetterbad wie in Osterholz.“

Doch auch die Kritiker geben am Ende der Senatorin das, was sie Rückendeckung nennt: Der Beirat fordert den Senat auf, unverzüglich das Geld für die endgültige Planung bereitzustellen – und die Summe für den Teilneubau bei den Verhandlungen über den Doppelhaushalt 2020/2021 zu berücksichtigen. Und weil die sich nach der Bürgerschaftswahl im Mai hinziehen können, rechnet Wutbürger Degenhard fest damit, dass Bäderchefin Baden frühestens im nächsten Jahr erneut in den Beirat kommen kann, um zu sagen, was nun wird. Und dass unterm Strich das Freibad noch länger geschlossen bleibt als befürchtet.

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