Mehr Tagesstätten für den Bremer Norden

Die Kita-Offensive

Weil Kita-Plätze fehlen, hat der Senat eine Offensive gestartet, wie es sie laut Rot-Grün noch nicht gegeben hat: Wo im Norden die nächsten Tagesstätten entstehen – und warum manche Projekte abgelehnt werden.
16.04.2019, 17:52
Lesedauer: 4 Min
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Die Kita-Offensive
Von Christian Weth
Die Kita-Offensive

Baustelle Kita: Die Tagesstätte Herrschaftliche Tannen in Lüssum soll nach dem Zeitplan der Behörde noch in diesem Jahr eröffnen.

Kosak

Bauen, bauen, bauen. Die Parole hört man von Politikern und Behördenchefs jetzt häufiger. Sie gilt für neue Wohnungen ebenso wie für neue Kitas. Um die einen zu bekommen, hat der Senat ein Sofortprogramm aufgelegt. Und damit die anderen mehr werden, ist eine Offensive gestartet worden, wie sie es laut Rot-Grün in Bremen noch nicht gegeben hat: In jedem Stadtteil sollen gleich mehrere Tagesstätten dazukommen, weil in jedem diverse Plätze für Kinder fehlen. Immer wieder stellen Träger der Behörde neue Bauprojekte vor. Doch längst nicht jedem stimmt sie und die Politik auch zu.

Wo welche Investoren zusätzliche Kitas und Horte in Bremen planen, weiß Thomas Jablonski schneller als die meisten in der Bildungsbehörde. Der Mann leitet eine Abteilung, die Anfragen und Anträge von Trägern sichtet und bewertet. Jablonski ist zuständig für den Bereich „Frühkindliche Bildung“. Mit einem Team vergleicht er Qualität, Standort und Kosten von Projekten. Alle bekommen Punkte. Je mehr es sind, desto besser für das Vorhaben. Die Abteilung trifft quasi eine Vorauswahl. Das letzte Wort hat die Bildungsdeputation. Wie der Kitaausbau im Bremer Norden voranschreitet, welche Tagesstätten als Nächstes kommen – und welche vorerst nicht. Die Stadtteile im Überblick.

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Vegesack: Fünf Kitas stehen auf der Liste der Behörde. Die Erste soll 2020/2021 fertig werden, die Letzte 2022. An der Aumunder Feldstraße wird eine Tagesstätte gebaut, an der Dobbheide, beim SOS-Familienzentrum an der Friedrich-Humbert-Straße und an der Grundschule Fährer Flur. Neu dazugekommen ist eine Kita an der Ludwig-Jahn-Straße. Dort will die Kinderzentren Kunterbund gGmbH Plätze schaffen. Die Deputation hat jetzt dem Projekt zugestimmt. Der Träger rechnet mit einer Bauzeit von bis zu 18 Monate. Thomas Jablonski sagt, dass die Entwürfe überzeugt haben, weil die gemeinnützige Gesellschaft unter anderem so plant, wie es das Ressort vorgegeben hat – mit mindestens vier Gruppen.

Auch für das neue Stadtquartier am Hafen gibt es Kita-Entwürfe: vom Deutschen Roten Kreuz und von der Arbeiterwohlfahrt. Die Behörde hat jedoch entschieden, weder das eine Projekt noch das andere zu empfehlen. Laut Jablonski sind die Träger zwar bekannt und darum zuverlässig – auch dafür gibt es Punkte. Aber anders als beim bewilligten Kita-Neubau an der Ludwig-Jahn-Straße gibt es keine Außenfläche für Kinder. Zumindest keine, die nach Ansicht des Ressorts groß genug wäre. Gespielt werden sollte auf dem Dach des Gebäudes. Das Problem dabei: Der Zuschuss pro Gruppe, den die Stadt zahlt, wäre deutlich höher als bei anderen Projekten. Jablonski sagt, dass die Vorhaben zurückgestellt wurden.

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Burglesum: Sechs Kita-Neubauten soll es geben. Das erste Projekt wird voraussichtlich Ende dieses, spätestens Anfang nächsten Jahres abgeschlossen sein. Andere werden frühestens 2022 fertig. Bei der Hälfte der Vorhaben ist noch offen, wann sie kommen. Gebaut werden soll an der Grambker Heerstraße, der Burgdammer Straße, am Heidbergstift und an der Helsinkistraße. Vor Kurzem wurden zwei weitere Projekte an der Hindenburgstraße und an der Charlotte-Wolff-Allee beschlossen. Das eine Vorhaben will der Verein Christliche Kitas realisieren, das andere eine gemeinnützige Gesellschaft, die sich Impuls Soziale Management nennt. Beide Träger gehen von einer Bauzeit von zwölf bis 18 Monaten aus.

Eigentlich sind es drei Entwürfe, die erst der Behörde, dann der Deputation vorgelegt wurden. Für die Charlotte-Wolff-Allee hat der Projektentwickler nämlich zwei Kita-Pläne vorgelegt: mal für zwei, mal für doppelt so viele Gruppen – inklusive der Option, die Zahl später auf acht zu erhöhen. Behördenmitarbeiter Jablonski sagt, dass seine Abteilung und die Politik die kleine Variante abgelehnt haben, weil der Lesum-Park weiter gewachsen ist. Mehr als 200 Wohneinheiten sollen am Ende in dem Quartier entstehen. Beide Tagesstätten-Standorte hält Jablonski für ideal. Ihm zufolge bedeuten sie kurze Wege, nicht bloß für Kinder und Eltern aus dem Ortsteil Lesum, sondern auch aus Burgdamm.

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Blumenthal: Fünf neue Tagesstätten sind geplant. Fast alle sollen Ende 2020, Anfang 2021 fertig sein. Mit einer Ausnahme: die Kita an der Straße Herrschaftliche Tannen wird nach dem Zeitplan der Behörde noch in diesem Jahr eröffnen. Weitere Plätze für Kinder sollen an der Farger und Lüssumer Straße entstehen – und jetzt auch an der Hakenwehr- und an der Landrat-Christians-Straße. Die Deputation hat den Plänen der Träger inzwischen zugestimmt. Im ersten Fall will der Verein Kindertagesstätten Nord bauen, im zweiten die gemeinnützige Gesellschaft Kleine Riesen Nord. Wie schnell die Vorhaben umgesetzt werden können, variiert. Mal beträgt die Bauzeit bis zu 18, mal bis zu 24 Monate.

Abgelehnt oder zurückgestellt werden musste in Blumenthal kein Projekt. Allerdings könnte dort etwas anderes passieren, was in den beiden anderen Nordbremer Stadtteilen bislang nicht droht: dass einer der Träger seinen Plan zwangsweise aufgeben muss. Laut Abteilungsleiter Jablonski hat der Investor, dem das Gelände an der Hakenwehrstraße gehört, inzwischen signalisiert, sein Konzept für das Grundstück eventuell noch einmal überarbeiten zu wollen. Statt Wohnhäuser plus Tagesstätte könnte das unter Umständen mehr Wohnhäuser minus Tagesstätte bedeuten. Jablonski geht davon aus, dass in den nächsten Wochen eine endgültige Entscheidung darüber fällt, was nun werden soll.

Aus Sicht der Bildungsbehörde wäre eine Planänderung des Projektentwicklers denkbar schlecht. In keinem anderen Nordbremer Stadtteil fehlen nach derzeitigem Stand so viele Kindergartengruppen wie in Blumenthal. Das Ressort kommt auf sieben, in Vegesack und Burglesum auf sechs beziehungsweise fünf.

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