Fußball-Verbandsliga Bremen der A-Junioren

Gefährlicher linker Hammer

„Ich bin nie zufrieden, auch wenn ich in einem Spiel bereits ein Tor erzielt habe“, beschreibt Granit Durmishi seine Gier nach Treffern. Dank dieser Gier führt der Angreifer des JFV Bremen die Torjägerliste an.
18.11.2020, 11:29
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Karsten Hollmann
Gefährlicher linker Hammer

Der talentierte JFV-A-Juniorenspieler Granit Durmesi schreibt mit rechts, und schießt mit links in die gegnerischen Maschen.

Christian Kosak

„Ich bin nie zufrieden, auch wenn ich in einem Spiel bereits ein Tor erzielt habe“, beschreibt Granit Durmishi seine Gier nach Treffern in der Fußball-Verbandsliga Bremen der A-Junioren. Dank dieser Gier führt der Angreifer des JFV Bremen mit sechs Toren die Torjägerliste an. Dabei gehört dieser dem jüngeren Geburts-Jahrgang der A-Junioren an und war bis zum Frühjahr noch bei den B-Junioren des Klubs in der Regionalliga Nord im Einsatz.

Genau dahin möchte der 17-Jährige auch bei den A-Junioren unbedingt zurück: „Die Regionalliga hat unheimlich Spaß gemacht. Spiele in Hamburg, Kiel oder Braunschweig führten mir noch einmal vor Augen, weshalb ich diesen Sport ausübe.“ Als Tabellenführer, nach sieben Spielen in der Verbandsliga, befindet sich der JFV auch auf einem guten Weg zur Winterrunden-Meisterschaft und der damit verbundenen Qualifikation zu einem Endspiel um den Regionalliga-Aufstieg.

„Granit ist richtig heiß aufs Toreschießen und weiß genau, wie er seinen Körper im Strafraum einsetzen muss“, verrät JFV-Coach Sören Seidel. Seine ersten Schritte in seinem Sport unternahm Granit Durmishi, dessen Eltern vor seiner Geburt aus dem damaligen Bürgerkriegsgebiet Kosovo nach Deutschland einwanderten, bereits mit drei Jahren.

„Ich habe mich dann mit Freunden auf dem Bolzplatz getroffen“, lässt der Stürmer wissen. Das Interesse am Fußball wuchs auch dadurch, dass er sich mit seinem Vater im Fernsehen die Spiele der Bundesliga anschaute. Auf Youtube sah sich der kleine Steppke Videos von Christiano Ronaldo, Lionel Messi und Zlatan Ibrahimovic an. „Es ist schon echt krank, was die so am Ball können. Das hat mich von Anfang an fasziniert“, sagt Durmishi. Er könne es kaum begreifen, weshalb Ibrahimovic, trotz seiner großen Statur, technisch so stark sein könne. „So habe ich selbst eine immer größere Leidenschaft für den Fußball entwickelt“, erklärt der Youngster. Er begann seine Vereinslaufbahn bei der damaligen SG Oslebshausen und dem späteren SV Grambke-Oslebshausen.

Nach einem Jahr bei Tura Bremen löste sich dann aber deren Mannschaft auf. Während andere Kicker sich daraufhin dem TuS Komet Arsten anschlossen, wechselte Granit Durmishi zusammen mit seinem Kumpel Hüzni Demirkale zum JFV Bremen. Demirkale läuft inzwischen für den Bremer SV auf – Durmishi hält dem JFV hingegen bereits in der vierten Spielzeit die Treue.

„Meine damaligen Trainer Sören Seidel, Stefanie Schäfers und Yimin Ehlers haben uns sehr herzlich aufgenommen“, berichtet der 17-Jährige. Seidel ist auch heute noch sein Trainer. „Ich fühle mich immer noch sehr wohl beim JFV, auch wenn es Auf und Abs gab“, versichert Durmishi. Der Goalgetter war nicht schon immer Angreifer. „Angefangen habe ich im linken Mittelfeld. Dann bin ich als Linksverteidiger und in der Innenverteidigung aufgelaufen“, informiert der Allrounder. In der vergangenen Saison beim SVGO wurde Granit Durmishi zum Stürmer umfunktioniert und behielt diese Position auch bei Tura Bremen bei.

„Sturm ist auch meine Lieblingsposition“, verrät der junge Sportler. Die große Waffe des Torjägers ist der linke Fuß. „Mit links hatte ich schon immer den wesentlich härteren Schuss. Dabei schreibe ich mit rechts“, sagt der angehende Abiturient des Schulzentrums Walle mit den Leistungskursen Englisch und Politik.

Beim Basketball ist seine Wurfhand aber auch die linke. „Damit habe ich auch meinen Lehrer verwirrt. Dieser hatte mir dazu geraten, beim Korbleger den Arm zu verwenden, mit dem ich auch schreibe. Das passt bei mir aber nicht wirklich“, teilt der Zwölftklässler mit, der ursprünglich auch Sport als Leistungskurs gewählt hatte – dies hätte sich aber nicht mit Politik und Englisch verbinden lassen.

Aber nicht nur der Schuss mit dem linken Fuß gehört zu den Stärken des Angreifers. „Granit hat auch schon Kopfballtore markiert“, berichtet Sören Seidel. Genau wie einst Seidel möchte auch Granit Durmishi eines Tages Fußball-Profi werden. „Ich möchte so hoch wie möglich spielen. Da ich ja noch sehr jung bin, ist es auch noch lange nicht zu spät. Die zweite oder dritte Liga ist auch in ein paar Jahren noch für mich möglich“, erklärt Durmishi. Er sei sich zwar bewusst, dass es bis zum Profi-Dasein noch ein langer Weg sei: „Aber ich traue es mir durchaus zu.“

Mit seiner Körpergröße von 1,89 Metern und 87 Kilogramm „Kampfgewicht“ ist es für die gegnerische Abwehrreihe sehr schwer, ihn zu verteidigen. „Ich war meinen Gegenspielern in körperlicher Hinsicht schon immer überlegen. Bei meiner robusten Spielweise setze ich meinen Körper meistens schlau ein“, lässt Durmishi wissen.

Die nicht gerade schmale Statur bringt aber auch Nachteile mit sich. „Granit muss noch an seiner Athletik arbeiten“, weist Sören Seidel auf ein noch vorhandenes Defizit hin. Dazu ist sein Schützling aber bereit. Während des Lockdowns im November hält sich Granit Durmishi mit Laufen und Liegestützen fit. „Ich hoffe aber, dass wir bald wieder als Team trainieren dürfen“, so Durmishi.

Die Verlockung, sich derzeit mit ein paar Freunden auf dem Bolzplatz zu treffen sei zwar groß, führe ihn aber nicht in Versuchung. „Nur wenn wir uns jetzt alle an die Corona-Regeln halten, also eine Maske tragen und die Abstände einhalten, können wir demnächst wieder alle zusammen auf dem Platz stehen“, offenbart Granit Durmishi eine große Vernunft.

Sein Lieblingsklub, der FC Barcelona, bereitet ihm gerade große Sorgen. „Man hätte Lionel Messi den Respekt entgegenbringen sollen, den er verdient, indem man ihn vor der Saison zu einem anderen Verein wechseln gelassen hätte“, meint der enttäuschte Anhänger des derzeit im Mittelfeld von LaLiga herumdümpelnden Vereins. Der Klub sei einfach viel zu abhängig von den Leistungen Messis.

„Was passiert, wenn Messi mal nicht so einen guten Tag hat, haben wir bei der 2:8-Niederlage gegen den FC Bayern München in der vergangenen Champions-League-Saison gesehen“, sagt Granit Durmishi. Dieser drückt aber auch Werder Bremen in der Bundesliga die Daumen: „Ich freue mich immer, wenn Werder Punkte holt, weil die Menschen in Bremen dann besser gelaunt sind.“ Um seine eigene Laune zu heben, möchte Durmishi mit seinem JFV Bremen den Sprung in die Regionalliga packen. „Wir sind alle heiß darauf. Die Regionalliga macht meinen Traum vom Profitum auch greifbarer“, betont die Offensivkraft.

Der Nordbremer Granit Durmishi hat sich aber auch ein persönliches Ziel für die Winterrunde gesetzt: „Ich möchte mit meinen Toren zumindest im zweistelligen Bereich landen. Und wenn man etwas wirklich will, dann schafft man dies auch.“

Oberste Priorität habe aber erst einmal die Fortsetzung der Saison: „Ich möchte nicht, dass die Saison wieder, wie schon im Frühjahr abgebrochen wird. Es ist schon schlimm genug, dass wir in einer so wichtigen Saisonphase zurückgeworfen werden. Alle meine Freunde haben mit Fußball zu tun und können es kaum erwarten, dass es bald wieder losgeht ...“

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+