Meine Woche:

„In der Haut der Politiker möchte ich aktuell ganz gewiss nicht stecken“

Christopher Uhlig (32) ist Tischtennis-Spieler bei der SG Aumund-Vegesack. Der Senior-Key-Account-Manager kümmert sich um die Personalbeschaffung für einen Versicherungskonzern.
03.11.2020, 14:19
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„In der Haut der Politiker möchte ich aktuell ganz gewiss nicht stecken“

Christopher Uhlig im Einsatz für den Bezirksoberligisten SAV.

Christian Kosak

Mittwoch, 28. Oktober: Ich habe noch das Fußballtraining vom Vorabend beim TSV Blender in den Knochen, als ich um 5.30 Uhr aufstehe. Ich beginne den Tag aktuell sehr oft so früh, um vor der Arbeit noch Stabilitäts-Übungen für mein linkes Knie zu machen, da ich mir in der Vorbereitung den linken Innenmeniskus gerissen hatte. Beim Frühstück mit der Familie gibt es für jeden ein Müsli. Dann geht es mit dem Auto ab in Richtung Hannover. Aktuell ist es sehr selten, noch Termine vor Ort beim Kunden zu haben. Heute ist es aber mal wieder soweit. Mit dem Ansprechpartner rede ich über anstehende Projekte und fehlendes Wissen in der IT. Es wird also meine Aufgabe sein, geeignetes Personal zu finden, das dann diese Projekte zum Erfolg bringt. Nach den Gesprächen geht es noch kurz ins Büro „Am Aegi“ und gegen 17 Uhr wieder nach Hause.

Donnerstag, 29. Oktober: Die Bundesregierung gibt den Light-Lockdown bekannt. Also gucke ich mir die neuen Regeln gleich nach dem Aufstehen erst einmal an. Es gibt keinen Amateursport mehr, mindestens für einen Monat, wahrscheinlich sogar bis zum Jahresende. Ich fahre nach Bremen in unser Büro. Wir haben dort in den neuen Gebäuden auf dem Bahnhofsvorplatz wunderschöne Büroflächen. Unten befindet sich ein Rewe-Markt. Da ist jede Mittagspause gerettet. Kaum angekommen, registriere ich in allen WhatsApp-Gruppen, die mit Sport zu tun haben, etliche Reaktionen auf die neuen Vorgaben. Von krassem Unverständnisse, bis hin zur Zustimmung ist alles dabei. In Bremen arbeite ich mit meiner Mitarbeiterin Sandra Fink zusammen. Sandra ist erst seit Juli 2020 bei uns. Meine Aufgabe ist es, sie erfolgreich zu machen, und ihr dafür alle notwendigen Werkzeuge mitzugeben. Ich erreiche nur wenige Leute am Telefon und bin in sehr vielen Skype-Meetings anwesend. Zu Hause spiele ich mit Tessa, ehe wir zusammen Abendbrot essen. Sobald sie schläft, schnappe ich mir eine Taschenlampe und gehe eine kleine Runde joggen.

Freitag, 30. Oktober: Am morgen muss ich gleich daran denken, dass heute eigentlich unser Tischtennis-Spiel bei der TuSG Ritterhude II in der Bezirksoberliga wäre. Wäre, viel mehr aber eben auch nicht. In einer Skype-Konferenz gibt der Vorstand allen Mitarbeitern im Norden einen Überblick zur aktuellen Lage. Wir stehen als Unternehmen gut da. Das ist in der aktuellen Zeit mehr als erfreulich. Wir haben alle einen sicheren Arbeitsplatz. Ich berichte meinem Chef von einer turbulenten zweiten Tageshälfte und fahre um 17.30 Uhr nach Hause. Ich löse die Oma als Babysitterin ab und verbringe den restlichen Abend mit Tessa. Später besprechen meine Frau und ich mehrere Pläne, wie wir mit einer Schließung der Kita umgehen würden. Wir hoffen zwar, dass dies nicht so kommen wird, wären aber vorbereitet.

Sonnabend, 31. Oktober: Mich hat es gesundheitlich erwischt. Ich leide unter einem Mageninfekt. Ich liege deshalb zwei Tage lang viel im Gästezimmer im Bett, während Christina und Tessa unterwegs sind. So kann ich mich gut auskurieren. Das Werder-Spiel in der Fußball-Bundesliga in Frankfurt schaue ich mir nicht an. Dafür verfolge ich intensiv den Live-Ticker. In der vergangenen Saison war es noch so, dass Werder viele Spiele bestritt, über die man sagen musste, dass die Grün-Weißen gut gespielt, aber keine Punkte geholt haben. Wenn sie das aber gegen die kleineren Vereine auch abrufen, dann gewinnen sie diese auch. Bekanntlich kam es so nicht. Von daher bin ich aktuell auch sehr zufrieden mit den Punkten, die schon eingeholt wurden, und auch mit dem 1:1 in Frankfurt.

Sonntag, 1. November: Gegen Abend fühle ich mich schon wieder gut. Ich lasse gedanklich noch einmal das gestrige Werder-Spiel Revue passieren. Spielerisch kann man derzeit nicht mehr erwarten. Den Abgang von Max Kruse wurde nie kompensiert und der Abgang von Davy Klaassen wird auch nicht direkt auffangbar sein. Am Ende ist Fußball ein Ergebnissport. Man braucht also Punkte. Wie diese geholt werden, ist am Ende völlig egal.

Montag, 2. November: Unser Teamleiter gibt die Entscheidung bekannt, dass unser Team-Event in Hamburg nicht stattfindet. Kollegen aus Hannover und Bremen würden einen gemeinsamen Tag verbringen. Viele Kollegen fühlen sich damit nicht wohl. Darum ist diese Absage alternativlos, und auch absolut richtig. Seit heute gilt der Lockdown-Light. Es handelt sich dabei um eine schwere Phase für uns alle. Ich bin froh, flexibel wählen zu können, ob ich von zu Hause arbeite, oder ins Büro fahren möchte. Mein Arbeitgeber hat ein ausgezeichnetes Hygiene-Konzept erstellt. Wir fühlen uns alle sehr wohl im Büro. Da ich mit meinem Firmenwagen ins Büro fahren kann, stellt auch die Anreise keine Gefahr dar. Im Büro spreche ich mit meinem Chef viel über den neuen Lockdown. Wir finden die Regelung super, dass Selbstständige 70 beziehungsweise 75 Prozent des Umsatzes aus dem November 2019 bekommen sollen. Dennoch haben wir beide Angst um die Zukunft des Landes. Mein Chef wird im Dezember das erste Mal Vater. Ich bin es seit fast zwei Jahren. Und wir sorgen uns darum, dass unsere Kinder diese neue Staatsverschuldung sehr lange mittragen müssen. Auf der anderen Seite müssen auch viele Existenzen gerade jetzt unterstützt werden. Es ist ein Drahtseilakt. In der Haut der Politiker möchte ich aktuell ganz gewiss nicht stecken.

Dienstag, 3. November: Ich arbeite von zu Hause aus. Ich habe das Glück, dass unser Gästezimmer gleichzeitig auch ein Büro ist. Am Vormittag schaffe ich viel. Um 12 Uhr kommt meine Frau mit Tessa nach Hause, die sich gleich in den Mittagsschlaf verabschiedet. Christina und ich essen gemeinsam zu Mittag, ehe ich mich wieder an den Schreibtisch setze. Nach der Arbeit muss ich daran denken, dass heute Fußball-Training wäre. Das ist schon sehr ungewohnt und auch schade. Denn dies ist auch mein Ausgleich zum Beruf. Nun ja, selbst fit halten kann man sich ja auch. Also gehe ich am Abend eine Runde joggen. Danach folgen noch ein paar Übungen für mein Knie. Nach der Dusche lassen Christina und ich den Abend mit Netflix und einem Glas Weißwein ausklingen.

Dominik Minke , der Fußball-Schiedsrichter der SG Aumund-Vegesack, wird als Nächster über seine Woche berichten.

Info

Zur Person

Christopher Uhlig (32)

ist Tischtennis-Spieler bei der SG Aumund-Vegesack. Er ist liiert und hat eine fast zweijährige Tochter, Tessa. Der Senior-Key-Account-Manager kümmert sich um die Personalbeschaffung für einen global agierenden Versicherungskonzern aus Hannover.

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