Vegesacker Hafenfest Ein Treffpunkt für Feierfreudige

Es schien tot zu sein, doch dann warfen viele Fans zusammen und retteten das Hafenfest. Bei schönstem Sonnenschein ging nun die 40. Auflage über die Bühne. Da rückten Probleme mit der Bahn in den Hintergrund.
03.06.2019, 05:55
Lesedauer: 3 Min
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Von Daniela Schilling

Das Vegesacker Hafenfest hat am Wochenende seinen 40. Geburtstag gefeiert. Ein Jahrestag, der in mehrfacher Hinsicht eine Feier wert war, denn im vergangenen Jahr sah es noch so aus, als sei die Traditionsveranstaltung am Ende. Steigende Kosten und der Rückzug von Sponsoren brachten den organisierenden Verein an seine finanziellen Grenzen.

Doch dank einer großen Spendenaktion und neuen Unterstützern konnte die 40. Auflage des Festes zwischen Hafenwald und Signalstation doch realisiert werden. So entdeckt man dann auch das ganze Wochenende hindurch immer wieder die orangefarbenen Hafenfest-Retter-Buttons an Jacken und Taschen, die im Rahmen der Spendenaktion erworben werden konnten. Der Erlös ging in die Sammelbüchse des Hafenfestvereins und trug dazu bei, dass es mit dem Event weitergehen konnte.

Am Freitag füllt sich das Areal bereits kurz nach der Eröffnung um 17 Uhr stetig. Dass das Programm auf den Bühnen erst zwei Stunden später beginnt, scheint niemanden zu stören. Bei strahlendem Sonnenschein bummeln Menschen jeden Alters zwischen den Buden an der Weserpromenade entlang, essen Eis, lassen sich an der mobilen Massagestation durchkneten oder schauen, was die fliegenden Händler im Angebot haben. Die Bummelmeile endet an der Signalstation, wo das Hafenfest-Urgestein DJ Fredi schon vor dem offiziellen Startschuss des musikalischen Programms auf der Bühne steht. Dementsprechend wird es rund um die Station schnell immer voller, und bald sind kaum noch Sitzplätze zu bekommen. Wer einmal einen ergattert hat, verteidigt ihn den Abend durch. Kein Wunder lässt der Blick auf die Weser in Kombination mit Sonnenschein, Cocktailstand, Pizza aus dem Steinofen und Co doch einen Hauch Urlaubsstimmung aufkommen.

Ein paar Stunden später sind die Plätze vor fast allen Bühnen gut gefüllt – auch wenn die Bandauswahl nicht jedem zusagt. Speziell Rossi, die am Utkiek auftreten, kommen nicht bei allen gut an. „Das ist ja mehr schreien als singen“, so eine Besucherin im Vorbeigehen. Ein Urteil, das auch etwas weiter von der Bühne entfernt in ähnlicher Weise fällt. Musik ist jedoch Geschmackssache und so verteilt sich das Publikum recht gleichmäßig zwischen Hafenwald, Utkiek und Kitoplatz. Schlager, Charts, Rock: Wie gewohnt ist für jeden etwas dabei, und ein Blick auf die Zuhörerschaft gibt schnell Auskunft darüber, wer sich in welchem Genre Zuhause fühlt. Manch einer wünscht sich etwas mehr musikalische Prominenz. „Es wäre toll, wenn wirklich mal jemand Bekanntes wie zum Beispiel Beatrice Egli auf der Bühne stehen würde“, schlägt Sascha Burmeister aus Aumund vor.Am Sonnabend steigern sich die Eindrücke noch mal, denn der Haupttag des Vegesacker Hafenfestes zieht noch deutlich mehr Menschen an. Der Nachmittag und frühe Abend wird von Familien mit Kindern geprägt. Ein beliebter Anlaufpunkt ist das Spiel- und Spaßangebot vor dem Geschichtenhaus, mit Hüpfburg, Eisstand und Co. Aber auch die Rundfahrten mit den Schiffen des MTV Nautilus sind gut frequentiert. Diese lobt Sven Lütjen, der gerade von einer Runde mit der BV2 zurückgekommen ist. „Die Schiffsfahrten sind wirklich toll! Wann hat man mal so eine Gelegenheit“, so der Grohner, der darüber hinaus die Organisation des Festes lobt. „Es ist toll, wie viele Menschen sich hier engagieren und es hinbekommen, dass trotz aller Schwierigkeiten im Vorfeld so entspannt gefeiert werden kann. Und das alles ohne Eintritt“. Das sei ein gutes Zeichen für Bremen-Nord.

Der Samstagabend gehört den feierfreudigen Gruppen. Darunter die obligatorischen Junggesellenabschiede, Firmenausflüge und Revivaltreffen, denn das Hafenfest ist für viele die Gelegenheit all jene zu treffen, die man sonst das ganze Jahr nicht sieht. Das bestätigt auch Heike Stehnken. „Ich komme seit Jahren hierher. Die Stimmung ist immer gut und es ist so schön, hier immer alte Freunde wiederzutreffen“, so die Lemwerderanerin. Die Verbindung mit der Fähre sei sehr gut. „Besser als mit der BSAG oder Bahn“.

Damit spricht sie ein Thema an, das viele Besucher an diesem Abend umtreibt. Die Ausfälle bei der Nordwestbahn seien für einige seiner Freunde ein Grund gewesen, nicht nach Vegesack zu kommen, erklärt Hartmut Mayer aus Osterholz. „Ich hätte noch mehr Leute mitgebracht, aber die hatten Angst, dass sie heute Nacht nicht zurückkommen. Ich muss auch schauen, dass ich pünktlich wegkomme, sonst strande ich hier“.

Auch Lisa Pernanovski kritisiert die ausgedünnte Verbindung zwischen Innenstadt und Vegesack, ließ sich aber trotzdem nicht davon abhalten, mit einer Gruppe in den Bremer Norden zu kommen. Eine Premiere, denn keine der sechs Frauen war zuvor in Vegesack. „Wir haben über Facebook erfahren, dass es hier so etwas gibt“, so die junge Frau aus der Neustadt. Dass die Gruppe schließlich tatsächlich die Reise nach Vegesack antrat, sei vor allem einem zu verdanken: „Wir wollten DJ Fredi sehen. Den kennen wir aus dem Hansezelt auf dem Freimarkt und die Stimmung ist immer super“. Positiv überrascht sei man über das Drumherum. „Das ist richtig schön hier am Wasser“.

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