Rudern

Bei Musik die Seele baumeln lassen

Einblicke in den Corona-Alltag: Heute mit Ulli Temme, der sich mit den Fischtown Pinguins ablenkt
14.04.2021, 15:59
Lesedauer: 4 Min
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Von Olaf Schnell
Bei Musik die Seele baumeln lassen

Ulli Temme ist begeisterter Anhänger der Fischtown Pinguins aus der obersten deutschen Eishockeyliga DEL, hier mit Niklas Andersen (vorne).

Jasmin Wagner

Das gesellschaftliche, kulturelle und sportliche Leben ist coronabedingt schon längere Zeit eingeschränkt oder steht gänzlich still. Und seit geraumer Zeit gibt es auch die Aufforderung, ins Homeoffice zu gehen. Wann ist für uns alle wieder Land in Sicht? Wann kann endlich wieder in Sporthallen und auf Freiluftplätzen Mannschaftssport oder Individualsport in gewohnter Form getrieben werden? „DIE NORDDEUTSCHE“ fragt bei Sportlern, Trainern und Funktionären nach, wie sie die Situation aktuell erleben, wie sie den Weg zurück in die Normalität skizzieren und was sie am meisten vermissen. Heute der Rudertrainer des Vegesacker Rudervereins: Ulli Temme.

Welche Veränderungen hat es in Ihrem beruflichen Alltag in Zusammenhang mit Corona gegeben?

Ulli Temme: Die ganzen Einschränkungen haben sich auch in unserer Firma schon sehr stark durchgesetzt. Dies erschwert natürlich das tägliche Miteinander. Wir arbeiten nicht im Homeoffice, sondern müssen immer vor Ort sein. Wenn Probleme auftauchen, können wir das nur direkt am Arbeitsplatz erledigen. Im Privaten kann ich mich abends nicht mehr mit meinen Freunden treffen und keine Karten mehr spielen. Es läuft ja schon länger gar nichts mehr.

Corona heißt ja auch: weniger persönliche Kontakte und weniger Bewegung. Wie gleichen Sie diese beiden Einschränkungen aus?

Wenn, dann schnappe ich mir mein Fahrrad und fahre ein bisschen in der Weltgeschichte herum. Ich wohne ja direkt in Bremerhaven am Bürgerpark, also hinter dem Hauptbahnhof. Dann fährt man mal eben in die Stadt und zum Deich oder so. Das ist schon alles, was man so machen kann. Man kommt ja auch nicht so richtig raus. Die Fahrradstrecken belaufen sich auf rund fünf Kilometer. Das kommt aber auch ein bisschen darauf an, was mein linkes Knie dazu sagt. Es ist schon etwas stärker lädiert. Wenn das Knie wieder Aua sagt, dann fährt der Ulli schnell nach Hause.

Sie verbringen viel mehr Zeit als gewöhnlich zu Hause. Gehören Sie zu denen, die Projekte gestartet haben, die schon lange Mal angegangen werden sollten?

Ja, also was ich im Augenblick öfters mache – ich gehe auf den Dachboden. Ich bastele ja nebenbei im Modellbaubereich. Dazu komme ich jetzt doch schon das eine oder andere Mal. Es ist Plastikmodellbau, wie zum Beispiel Panzer oder Flugzeuge – und ich bemale sie dann auch. Ich versuche, mich so irgendwie etwas abzulenken und kreativ zu sein. Eben das mal zu machen, worauf man einfach Bock hat.

Nutzen Sie häufig die Möglichkeit, sich Fertiggerichte zu holen oder bringen zu lassen, oder stehen Sie jetzt eher öfter und länger in der Küche und zaubern in aller Ruhe Ihr Lieblingsgericht, wenn ja welches und wie?

Das ist so eine 50:50-Geschichte. Da ich beruflich im Schichtdienst tätig bin, kommt das immer so darauf an, wie weit ich dafür Zeit finde. Dazu kommt noch das Rudertraining in Vegesack. Normalerweise mache ich mir schon etwas zum Essen. In der letzten Zeit lasse ich mir auch schon mal etwas kommen, oder ich mache mir schnell mal eben ein paar Nudeln, oder irgendwie etwas anderes. Aber ich koche mir auch Chili con Carne. Das sind immer so Sachen, die man auch einfrieren kann. Daraus ergeben sich dann immer noch zwei weitere Essen für mich. Insgesamt kann man aber schon sagen, dass ich mich jetzt schon öfters in der Küche aufhalte. Weil ich coronabedingt nicht mehr so mal eben ins Restaurant gehen kann. Das ist für mich schon ein Problem. Hinzu kommen augenblicklich auch noch draußen die Wetterkapriolen. Dafür extra das Auto anzuschmeißen und sich Essen zu holen – das muss auch nicht unbedingt sein.

Welche Rolle spielt bei Ihnen seit Corona die Unterhaltungs-Elektronik?

Ja, das ist ein ganzes heißes Thema. Wenn man meinen Arbeitsplatz zu Hause sehen könnte, dann würde man mich verstehen. Auf der einen Seite sind die PC-Monitore, da dran ist noch ein Fernseh-Monitor. Ich kann schön alles miteinander verbinden. Wenn ich etwas am PC arbeite, dann sehe ich nebenher auch noch etwas im TV. Abends lasse den Tag manchmal mit einem Buch ausklingen. Hier bin ich flexibel – entweder Unterhaltung mit Sport oder Modellbau. Somit komme ich gut auf andere Gedanken und so bleibt manchmal auch das Rudertraining außen vor. Langeweile habe ich auf alle Fälle nicht.

Wie wird nach Ihrer Einschätzung die zeitliche Rückkehr in die Normalität aussehen?

Ich merke im Ruderverein, besonders bei den Kindern, dass die schon sehr angespannt sind. Die Kinder wollen sich einfach mal wieder bewegen. Ich hoffe, dass die Bundesregierung und die Länder mit ihren Impfungen weiterkommen. Dass wir uns bald wieder etwas freier bewegen können. Dass die Geschäfte wieder aufmachen können. Dass man einfach mal wieder etwas unternehmen kann und nicht im Hinterkopf haben muss – Virus, Virus, Virus. Ich hoffe so sehr auf den Sommer. Aber ich denke, dass es im Spätsommer so weit ist. Hier hoffe ich auch, dass sich dann das ganze Geschehen um Rudern und Regattabesuche langsam, aber stetig wieder normalisieren wird.

Worauf freuen Sie sich in der Zeit nach Corona am meisten?

Ganz einfach nur draußen zu sitzen und ein Bier zu trinken. Dann vielleicht auch auf das Wasser gucken und die Seele baumeln lassen. Zum Beispiel Donnerstagabend in Bremerhaven im Fischereihafen, wenn die dort ihre Musikabende haben.

Das Interview führte Olaf Schnell.

Info

Zur Person

Ulli Temme (59)

rudert seit 1974, ist seit zweieinhalb Jahren Mitglied beim Vegesacker Ruderverein und immer noch Vereinsmitglied beim Osnabrücker Ruderverein. In Osnabrück ist er auch geboren und wohnt jetzt in Bremerhaven. Der 59-Jährige ist Diplom-Wirtschafts-Ingeneur für Transportwesen und Logistik und seit 1999 beschäftigt bei der Firma North Sea Terminal (NTB) in Bremerhaven. Sein Aufgabengebiet ist Vessel Planner (Stauplanung von Container-Schiffen für die Maersk Line).

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