SG Aumund-Vegesack Zweite DM-Teilnahme ist das Ziel

Als Mitglied des Bremer Landeskaders darf Eske Beninga mit einer Ausnahmegenehmigung dem Schwimmsport weiterhin nachgehen.
28.01.2021, 13:33
Lesedauer: 5 Min
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Von Karsten Hollmann

Eske Beninga von der SG Aumund-Vegesack (SAV) profitiert gerade davon, dass sie in ihrer Sportart eine Könnerin ist. Als Mitglied des Bremer Landeskaders darf die 16-Jährige schließlich mit einer Ausnahmegenehmigung dem Schwimmsport weiterhin nachgehen. Das war im ersten Corona-Lockdown im Frühjahr des vergangenen Jahres noch etwas anderes. Da musste Beninga noch aufs Laufen ausweichen.

„Und das mag ich gar nicht“, erklärt der Youngster. Der Teenager brauche eine Sportart, wo er sich so richtig auspowern könne. „Da ist das Schwimmen genau das Richtige für mich“, versichert die Gymnasiastin, die bereits als Vierjährige in der der Schwimm-Abteilung der SAV aktiv war.

„Da habe ich dann erst einmal mein Jugend-Schwimmabzeichen in Bronze und Silber erworben“, berichtet Eske Beninga. Seit einem Jahrzehnt nimmt sie auch an Wettkämpfen teil. Dabei geht es auch schon mal nach Osnabrück oder Dortmund.

Während von Dezember bis Mai eher die Wettbewerbe auf den Langbahnen anstehen, geht es zu Saisonbeginn im Herbst häufig auf die Kurzbahn. Über die zweite Mannschaft arbeitete sich die Nordbremerin vor fünf Jahren ins erste Team vor.

Dort wird sie von Harald Schützek trainiert. „Der bringt uns viel bei“, betont Beninga. Zu ihren Parade-Disziplinen gehört Schmetterling. Auf der 50-Meter-Langbahn liegt ihre Bestzeit bei 30,5 Sekunden. Das bisher einzige Mal hat sich die Schülerin für die Deutschen Meisterschaften im Rückenschwimmen qualifiziert. Vor drei Jahren sicherte sich Eske Beninga mit ihrer Bestzeit von 33,09 Sekunden über die 50 Meter die Qualifiaktion für die DM. Dort erreichte Beninga sie den 38. Platz in ihrer Altersklasse.

„Das Wichtige war für mich aber, dass ich überhaupt mal dabei war“, teilt die Zehntklässlerin mit. Der Auftritt in der Bundeshauptstadt sei aber ganz schön aufregend gewesen. „Ich bin aber nicht mit einem bestimmten Ziel oder Zeitvorgabe dorthin gefahren“, betont Eske Beiinga. Für die Norddeutschen Meisterschaften qualifiziert sich das Talent indes regelmäßig. Im vergangenen Jahr mussten die Wettkämpfe allerdings allesamt corona-bedingt abgesagt werden. „Nach einem Jahr ohne Wettkämpfe weiß man überhaupt nicht, wo man steht“, bedauert Eske Beninga.

Es sei teilweise schon sehr nervend, dass sie sich nicht mehr mit ihren Konkurrentinnen messen könne. Auch der vor dem zweiten Corona-Lockdown stattgefundene Trainingswettkampf ihres Vereins habe da nicht wirklich Abhilfe schaffen können.

Um immer besser und damit schneller im Becken zu werden, muss Eske Beninga an verschiedenen Stellschrauben drehen. Dabei steht häufig die Technik im Vordergrund. Es geht aber auch um eine effektive Wende und die Explosivität beim Start. „Ich mache zum Beispiel viele Strecksprünge im Training, um mehr Kraft in den Beinen aufbringen zu können“, verrät Beninga.

Beim Schmetterling-Schwimmen geht es direkt nach dem Start darum, erst einmal einen großen Teil der erlaubten Gleitstrecke von 15 Metern ausnutzen, um den Schwung vom Start mitzunehmen. Eine Wettkampfleine zeigt den Kampfrichtern an, wo die 15 Meter vorbei sind. „Wir Schwimmer haben das aber im Gefühl“, versichert die 16-Jährige. Im Anschluss soll sowohl beim Schmetterling-Schwimmen als auch beim Freistil erst einmal ein Armzug genommen werden ohne dabei zu atmen. „Auf einer 25-Meter-Bahn ist dann auch schon fast wieder die Wende angesagt“, lässt Beninga wissen.

In ganz Bremen gibt es mit dem Unibad nur noch eine Halle mit einer 50-Meter-Bahn. Dieses Bad hätte aber eigentlich bereits vor Jahren geschlossen werden sollen. Jetzt soll es aber wenigstens noch so lange genutzt werden, bis das neue Horner Bad mit einer 50-Meter-Bahn eröffnet wird. Auch in Bremerhaven gibt es noch ein Bad mit einer 50-Meter-Bahn.

„Das ist aber für uns sehr weit zu fahren“, sagt Eske Beninga. Deshalb verfolgt sie auch sehr aufmerksam die Planungen für ein Trainings- und Lehrschwimmbad in der Fliegerhalle auf dem Gelände der alten Wollkämmerei in Blumenthal – SAV-Spartenleiter Christian Gerken setzt sich unter anderem dafür ein. „Ein Schwimmbad mit einer 50-Meter-Bahn in Blumenthal wäre natürlich toll für uns Schwimmer“, äußert sich Eske Beninga.

Die Schwimmerin betreibt einen großen Aufwand für ihren Sport. Gleich fünfmal in der Woche absolviert sie Trainingseinheiten von eineinhalb Stunden im Grohner Sportbad. Mit der Schule kann sie ihr Hobby dennoch ganz gut vereinbaren. „Ich habe zwar manchmal auch bis 16 Uhr Schule. Aber dann fahre ich eben direkt im Anschluss ins Schwimmbad“, informiert die in Lesum wohnhafte Sportlerin. Ohne das Schwimmen würde ihr etwas fehlen. „Ich bin auch all die Jahre immer dabeigeblieben und nie daran gedacht, aufzuhören“, so Beninga.

Nur auf das ergänzende Krafttraining in einem Kellerraum im Grohner Sportbad muss sie derzeit wegen der Corona-Pandemie verzichten. „Dort arbeite ich ansonsten an ein paar Geräten. In den Raum dürfen wir aber derzeit nicht rein“, sagt Eske Beninga. Bei der SG Aumund-Vegesack befinden sich mehr als 20 Schwimmer im Mannschaftsbereich. „Auf Leistungsniveau schwimmen aber nur etwa zehn bis 15 Leute“, informiert Eske Beninga. Das Verhältnis der Schwimmer untereinander sei sehr gut.

„Wir verstehen uns prima“, versichert die junge Schwimmerin. Diese hatte einst mit 50-Meter-Wettbewerben begonnen und bestreitet mittlerweile auch einige über eine Distanz von 200 Metern. Das muss aber aus ihrer Sicht nicht unbedingt sein: „200 Meter sind ganz schön anstrengend.“

In ihrer verbleibenden Freizeit trifft die 16-Jährige sich gerne mit Freunden, sofern die Corona-Beschränkungen dies denn zulassen. Auch das Geschehen in der Fußball-Bundesliga verfolgt der Werder-Fan sehr aufmerksam. „Ich bin vor dem ersten Corona-Lockdown auch häufig mit meinem Papa im Weserstadion gewesen.“ Sie hoffe auf den Klassenerhalt der Grün-Weißen und darauf, dass es nicht wieder so eng wie in der vergangenen Saison wird. Auch mit der von Werder-Trainer Florian Kohfeldt neuerdings verordneten Defensivtaktik könne sie sich arrangieren. „So lange dabei Punkte herausspringen, kann ich auch mal eine gewisse Zeit damit leben, dass der Fußball nicht so schön aussieht“, sagt die Schülerin des Gymnasiums Vegesack.

Eske Beninga wählte Geografie und Biologie als ihre Leistungskurse. „Meine Lieblingsfächer sind aber Politik und Spanisch“, verrät die Gymnasiastin. Sie habe sich bewusst gegen Französisch und für Spanisch entschieden, weil dies einfach mehr auf der Welt gesprochen werde. „Nach meinem Abitur möchte ich auch auf jeden Fall für ein Jahr in ein spanischsprachiges Land in Süd- oder Mittelamerika gehen“, kündigt Beninga bereits an, die ihr Abitur in zwei Jahren machen wird.

Eine trainingsfreie Zeit gönnt sich Eske Beninga nur in den Sommerferien: „Dann plansche ich höchstens mal in einem Badesee ein bisschen herum.“ Nun hofft sie auf eine baldige Rückkehr von Wettkämpfen und verbindet damit eine große Hoffnung: „Dann möchte ich mich ein weiteres Mal für die Deutschen Meisterschaften qualifizieren.“

Info

Zur Person

Eske Beninga (16)

trat bereits im Jahre 2008 der Schwimm-Abteilung der SG Aumund-Vegesack (SAV) bei. Die Zehntklässlerin hat ihre größten Stärken im Schmetterling- und im Rückenschwimmen. Dank einer Ausnahmeregelung darf die Schülerin des Gymnasiums Vegesack auch während des derzeitigen Corona-Lockdowns ihrem Sport nachgehen. Der Werder-Fan trainiert fünfmal die Woche im Grohner Sportbad. In zwei Jahren wird die in Lesum wohnhafte Sportlerin mit den Leistungskursen Geografie und Biologie voraussichtlich ihr Abitur machen. Danach plant sie für ein Jahr in ein spanischsprachiges Land in Süd- oder Mittelamerika zu gehen.

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