Bewegung für Senioren

„Es ist nie zu spät, wieder aktiv zu werden“

Die Fachtrainerin für Senioren, Yvonne Plaster, bringt den älteren Menschen bei, wieder richtig Balance zu finden, mit entsprechenden Übungen, und so Unsicherheiten und möglichen Stürzen vorzubeugen.
13.04.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Kristina Bumb
„Es ist nie zu spät, wieder aktiv zu werden“

Gar nicht so einfach: Auf einem wackeligen Balanceboard das Gleichgewicht halten. Die Fachtrainerin für Senioren Yvonne Plaster besucht ältere Menschen zu Hause, um mit ihnen Beweglichkeit, Balance und Reflexe für mehr Mobilität im Alltag zu trainieren.

Kristina Bumb

Viele ältere Menschen haben Angst, zu stürzen. Denn ein Sturz kann im schlechtesten Fall ernste Folgen haben. So bleibt manch einer lieber zuhause, statt weiter aktiv am Leben teilzuhaben. „Das ist genau der falsche Weg. Die Muskulatur muss immer etwas zu tun haben, sie verkümmert sonst“, sagt dagegen die Nordbremer Fachtrainerin für Senioren Yvonne Plaster.

Die gut gelaunte, energiegeladenen Schönebeckerin hat Verständnis für die Befürchtungen der älteren Generation. „Ein heftiger Sturz kann zu einem Knochenbruch und einem Krankenhausaufenthalt führen. Am Ende kann die Einweisung in ein Pflegeheim stehen. Daher trauen sich viele Menschen im hohen Alter nicht mehr raus, oder haben sogar in ihren eigenen vier Wänden Angst zu stürzen“, schildert sie ihre Erfahrungen. „Hinzu kommt, dass im Alter die Knochendichte abnimmt. Wir sprechen hier in den meisten Fällen von Osteoporose. Dann kann eine kleine Stolperfalle das ganze Leben auf den Kopf stellen. Doch das muss nicht sein“, sagt die zertifizierte Reha- und Seniorentrainerin.

Mit gezielter Bewegung, Muskelaufbau und Balanceübungen mehrmals pro Woche sind ältere Menschen wieder sicherer auf den Beinen. „Es ist nie zu spät, wieder aktiv zu werden“, sagt Yvonne Pflaster. „Ideal ist es, zwei bis drei Mal pro Woche zu trainieren und sich kleine, erreichbare Ziele zu setzen. Dann können schon wenige Wochen reichen, um neue Mobilität zu gewinnen.“ Ein kleines Ziel kann zum Beispiel sein, sich beim Radfahren erneut sicher zu fühlen. „Das wünschte sich ein älterer Herr, der mit seiner Lebenspartnerin gerne zu Radtouren starten wollte. Aber er hatte Befürchtungen, die Balance zu verlieren. Wir üben nun gemeinsam“, erzählt Yvonne Plaster.

Für das Training besucht die Schönebeckerin die Senioren dafür zu Hause und bringt das eine oder andere Sportgerät mit. „Am meisten nutzen wir aber das eigene Körpergewicht. Und Stühle hat auch jeder in der Wohnung“, lacht sie. Spaziergänge zur Steigerung der Ausdauer können ebenfalls auf dem Trainingsplan stehen. „Gute Gespräche, viel Spaß und die Begleitung etwa zu Arztterminen, wenn die Angehörigen keine Zeit haben, sind auch Teil meines Konzeptes.“

20 Jahre lang ist die Schönebeckerin bereits im Sportbereich tätig - zuletzt als lizenzierte Fitness- und Reha-Trainerin mit leitender Funktion in einem Fitness-Studio. „Aber zurzeit sind die Sporteinrichtungen geschlossen und das Herumsitzen ist nichts für mich. Ich habe keine Lust, den ganzen Tag Netflix zu gucken“, erzählt sie. Schon länger hatte darüber nachgedacht, sich intensiver mit Senioren-Training zu beschäftigen, und machte nun aus der Not eine Tugend: „Ich habe den Lockdown im Winter dazu genutzt, eine Fortbildung zur Fachtrainerin für Senioren zu absolvieren.“ Dabei überraschte sie sich selbst: „Die Fortbildung hat mir richtig Spaß gemacht. Ich habe mich selbst noch nie so ehrgeizig erlebt.“

Nach dem Erwerb des Trainerscheins folgten noch die Gestaltung von Homepage und Außenwerbung für ihr neu gegründetes One-Women-Unternehmen. „Ich habe es ,Yvonne Plaster – Herzenszeit' genannt, weil zu meinem Training Herzlichkeit, Zeit und Ruhe dazugehört. Ich habe die Möglichkeit zur persönlichen, vertraulichen Begegnung während der Tätigkeit im Fitnessstudio oft vermisst“, schildert die 45-Jährige. „Ohne Fachkompetenz geht es nicht, aber gerade für ältere Menschen hat der Sport auch einen soziale Aspekt.“ Und der Erfolg ihres Konzeptes hat sich bereits eingestellt, die ersten Senioren haben ihr Spezialtraining gebucht. „Das beste Beispiel ist Inge, eine 85-jährige liebe Kundin von mir. Sie ist nach sechs Wochen schon wieder richtig stabil und sicher geworden. Ich hätte das nicht für möglich gehalten“, freut sich Yvonne Plaster.

Info

Zur Sache

Zur Vermeidung von Stürzen

Laut einer Informationssammlung des Deutschen Ärzteblattes wird geschätzt, dass ein Drittel der zu Hause lebenden Personen, die älter als 65 Jahre sind, mindestens einmal jährlich hinfallen. Bei den über 80-Jährigen sind es mehr als 40 Prozent. Ernsthafte Stürze können jedoch eine Gefahr für die Gesundheit im Alter bilden. Sturzbedingte Verletzungen, wie zum Beispiel hüftnahe Oberschenkelfrakturen, können schwerwiegend sein und eine Pflegebedürftigkeit verursachen. Übungen zur Sturzprävention helfen dabei, Mobilität und Selbstständigkeit auch im höheren Alter zu bewahren.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+