Fußball

2:5 – Der große Knall nach 19 Siegen

Der SV Eintracht Aumund spielt aber dennoch eine überraschend gute Rolle in der Bezirksliga Bremen
28.10.2020, 15:54
Lesedauer: 4 Min
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Von Karsten Hollmann

Aumund. Saisonübergreifend hatte Fußball-Bezirksligist SV Eintracht Aumund 19 Punktspiele am Stück gewonnen. In der Partie beim Verfolger ATS Buntentor riss dann zuletzt die einmalige Serie des Aufsteigers aus der Kreisliga A Bremen mit einer 2:5-Niederlage. „Das hatte sich schon vorher abgezeichnet. Wir wussten auch, dass nach einer solch langen Serie irgendwann der Knall kommt“, zeigte sich Aumunds Coach Marcel Wätjen nicht sonderlich überrascht.

Mit zunächst sechs Siegen hatten sich die Nordbremer an die Bezirksliga-Spitze gesetzt, und dabei auch den Titelfavoriten SC Lehe-Spaden in die Knie gezwungen. Die Bremerhavener lösten Aumund nun dank eines 5:3-Sieges beim TV Bremen-Walle 18975 auf Platz eins ab. „Zur Pause lag Lehe-Spaden aber noch mit 1:3 zurück und hat sich einen abgebrochen. Das zeigt, wie ausgeglichen diese Liga ist“, merkt Wätjen an. Dass es für den Liga-Neuling trotz der Pleite bei Buntentor bisher so fabelhaft läuft, ist auch ein Verdienst von Steffen Burdorf. Der Mittelfeldmann bereitete alleine 15 der bisherigen 25 Treffer vor.

Ein 29-Jähriger ist der Jüngste

„Auch wenn sich darunter auch einige Einwürfe und Standardsituationen befanden, musst du auch erst einmal auf eine solche Zahl kommen“, meint Burdorf. Bei ihm persönlich und bei der gesamten Mannschaft laufe es einfach bestens. „Das liegt auch an der tollen Trainingsbeteiligung. Wir sind immer mit fast 20 Mann dabei“, teilt Steffen Burdorf mit. Der 31-Jährige befindet sich im Altersgefüge der sehr routinierten Formation fast genau in der Mitte. Die Start-Elf im Spiel in Buntentor wies einen Altersdurchschnitt von knapp 32 Jahren auf. Da war Kevin Kujawa mit seinen 29 Jahren schon der jüngste Kicker. Kujawa war ebenso wie Dennis Tanski, Rene Olszak sowie Marcel Stöver vor der Saison neu zum SV Eintracht Aumund gestoßen. „Mit ihnen haben wir Landesliga-erfahrene Spieler bekommen, die bereits für den SV Türkspor und die DJK Germania Blumenthal aufgelaufen sind“, informiert Burdorf.

Es sind aber auch ein paar jüngere Spieler aus der zweiten Mannschaft hochgerückt, die den Altersdurchschnitt ein wenig senken. „Die bringen frischen Wind bei uns rein“, betont Steffen Burdorf. Als wahrer Wirbelwind im Sturm entpuppt sich Ricardo Willenbrock, der bereits zehnmal ins Schwarze traf und sich mit Artur Raffelsiefen vom ATS Buntentor ein Kopf-an-Kopf-Duell um die Torjägerkanone in der Bezirksliga liefert. „Ricardo galt früher einmal als ein wenig trainingsfaul. Das hat sich nun geändert“, sagt Burdorf. Willenbrock schieße aus allen Lagen und mache seine Sache da vorne richtig gut.

„Mit Ricardo im Sturm hätten wir das Spiel beim ATS Buntentor auch nicht verloren“, ist sich Marcel Wätjen ganz sicher. Willenbrock habe einen richtigen Lauf gehabt, sich dann aber eine Wadenzerrung eingehandelt. „Ricardo kann zwar laufen, aber nicht sprinten“, so Wätjen.

„Ich hatte schon gehofft, dass wir eine gute Rolle in der Bezirksliga spielen können. Dass es dann gleich so gut läuft, ist aber schon eine kleine Überraschung“, erklärt Steffen Burdorf. Marcel Wätjen und sein Co-Trainer André Hensel hätten auch einen großen Teil dazu beigetragen: „Die beiden machen es echt gut.“ Wätjen sei noch ein Trainer vom alten Schlag und sehr ehrgeizig.

Auch das Fitnesstraining unter Michele Lapenna zahlt sich nun bei den Aumundern aus. Der Athletik-Trainer des Regionalligisten BSV Blau-Weiß Rehden machte den Nordbremern vor allem in der Saisonvorbereitung Beine und schaut auch jetzt noch alle paar Wochen wieder am Kifkenbruch vorbei. „Bisher zeichnete uns auch die Effektivität vor dem gegnerischen Gehäuse aus“, sagt Steffen Burdorf. Diese kam den Aumundern aber bei der Niederlage gegen Buntentor abhanden. „Auch Steffen hatte einen gebrauchten Tag“, beklagt sich Marcel Wätjen.

Der Trainer spekuliert ein wenig darauf, dass die erste Saisonschlappe auch etwas Reinigendes bewirken könnte. „Vielleicht gehen wir jetzt ja wieder etwas ernsthafter im Training zu Werke. Da stand zuletzt doch mehr der Spaß im Vordergrund. Das gilt auch für meine Seite“, erklärt Wätjen. Das Siegen sei schon etwas wie eine Selbstverständlichkeit aufgenommen worden. „Wir dachten schon ein bisschen, es gehe alles von alleine. Jetzt müssen wir uns aber wieder mehr reinbeißen“, fordert Marcel Wätjen. Die gute Platzierung sorge auch für eine meist sehr defensive Spielweise der Gegner: „In dieser Hinsicht haben wir gegen Buntentor kein Mittel gefunden. Hier gilt es jetzt Lösungen zu suchen“, sagt Wätjen.

Eintagsfliege oder mehr?

Die Aumunder werden den Kopf nach dem ersten Misserfolg aber nicht in den Sand stecken. „Wir hauen uns da selbst wieder raus“, ist Marcel Wätjen überzeugt. Die nächsten Spiele nach der Unterbrechung würden jetzt zeigen, ob es sich bei der Niederlage nur um eine Eintagsfliege gehandelt habe. „Ich glaube aber nicht, dass wir jetzt in ein Loch fallen werden“, betont der 44-Jährige. Vielleicht weise die vermutlich älteste Mannschaft der Liga aber die ersten körperlichen Verschleißerscheinungen auf, so Wätjen. Die Spieler des ATS Buntentor, der dem SV Eintracht Aumund als Dritter nun direkt im Nacken sitzt, seien überwiegend mit Mitte 20 Jahren in der Blütezeit ihrer Fußballer-Laufbahn. „Wir werden aber ebenfalls weiter Gas geben“, verspricht Marcel Wätjen.

Vor der Saison hatten die Aumunder mal das Erreichen eines einstelligen Tabellenplatzes als Saisonziel ausgegeben. „Daran sollten wir uns erst einmal orientieren“, bleibt Steffen Burdorf trotz des bisherigen Verlaufes auf dem Teppich. Beim Sieg über den SC Lehe-Spaden hätte auch die Rote Karte gegen einen SC-Spieler sehr geholfen. „Lehe-Spaden ist auf jeden Fall im Hinblick auf das Titelrennen zu beachten. Ohne die Rote Karte hätten wir den Spitzenreiter wohl nicht geschlagen“, vermutet Burdorf. Angesichts der steigenden Corona-Fallzahlen bezweifelt der Mann für das rechte Mittelfeld aber, dass die Hinrunde nach der Unterbrechung wie geplant zu Ende gespielt werden kann.

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