JFV Bremen

Zwischen Frust und Freude

JFV Bremen: Aufstiegschance für A-Junioren dahin, Regionalliga-Klassenerhalt für B-Junioren hingegen sicher.
28.04.2021, 11:39
Lesedauer: 6 Min
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Von Karsten Hollmann
Zwischen Frust und Freude

Die A-Junioren des JFV Bremen werden auch in der kommenden Saison in der Verbandsliga spielen.

Michael Braunschädel

„Das ist eine ganz bittere Nachricht“, teilt Sören Seidel, der Trainer der Fußball-A-Junioren des JFV Bremen, nach der Bekanntgabe des Norddeutschen Fußball-Verbandes im Hinblick auf den Saisonabbruch in den Junioren-Regionalligen Nord mit. Es wird weder Auf- noch Absteiger geben. Damit ist dem Zweiten der Verbandsliga Bremen der Weg in die Regionalliga versperrt, selbst wenn es in der Verbandsliga Bremen noch irgendwann weitergehen sollte. Des einen Freud ist des anderen Leid: die nach nur drei Spielen auf einem Abstiegsplatz befindlichen B-Junioren des JFV Bremen bleiben somit in der Regionalliga Nord.

Sören Seidel hatte bis zuletzt die Hoffnung gehabt, dass zumindest die sechs noch ausstehenden Begegnungen der Winterrunde absolviert werden könnten, um einen Meister zu ermitteln. „Wir sind angetreten, um einen Aufsteiger auszuspielen. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich auch zuletzt“, sagt Seidel. Seine A-Junioren weisen in der Bremer Verbandsliga nur einen Zähler weniger auf als der Spitzenreiter JFV Bremerhaven. Ihre einzige Niederlage in der Winterrunde hatten die Nordbremer beim FC Oberneuland II kassiert, der nur gegen den JFV Bremen mit der Regionalliga-Formation aufgelaufen war. „Wenn wir nur Zweiter geblieben wären, hätten wir uns deshalb auch noch mit dem Thema eines Protests beschäftigt. Das erübrigt sich jetzt aber ja leider“, erklärt der 48-Jährige.

Sören Seidel tue es im Herzen weh, dass seine Schützlinge schon seit so langer Zeit nicht mehr gegen den Ball treten können. „Und dann müssen sie sich auch noch anschauen, wie 14-Jährige mit voller Kapelle trainieren dürfen. Gerade in Grohn ist es da oft proppevoll. Dabei sind besonders die schon etwas älteren Nachwuchskicker viel vorsichtiger und können die Corona-Sicherheitsregeln besser einhalten als 13- und 14-Jährige“, urteilt Seidel. Zu den Leidtragenden gehört auch sein unter ihm spielender Sohn Luis (17). Aber auch der für TB Uphusen auflaufende Luca Seidel (20) ist weiterhin zur Zwangspause verdammt. „Ich selbst durfte mein Leben lang Fußball spielen, meine Söhne nicht. Die tun mir deshalb auch sehr Leid“, sagt Sören Seidel. Er könne das Fußballverbot aber dennoch nachvollziehen. „Es geht natürlich darum, die Gesundheit der Menschen zu schützen. Wir betreiben nur ein Hobby, während andere um ihre Existenz kämpfen. Deshalb müssen wir es akzeptieren und respektieren, dass wir noch nicht wieder trainieren dürfen“, erklärt der Ex-Profi. Er wisse jedoch, dass seine Spieler es kaum erwarten können, dass es wieder losgeht.

Sorgen bereiten Seidel allerdings die genommene Aufstiegschance. „Der eine oder andere Spieler aus meiner Mannschaft ist auch gut genug für die Regionalliga. Da ist es doch klar, dass die sich jetzt Gedanken über ihre Zukunft machen“, schildert der ehemalige Akteur des SV Werder Bremen. Vor allem der FC Oberneuland versuche gerade händeringend, seine Mannschaft in der Regionalliga zu verstärken. „Auch einige meiner Spieler sind bereits vom FC Oberneuland kontaktiert worden“, berichtet Sören Seidel. Bereits seit ein paar Jahren begleitet Sören Seidel einige Spieler des Geburtsjahrgangs 2003 beim JFV als Coach und war mit ihnen in der B-Junioren-Regionalliga unterwegs. Aus dem älteren 2002-Jahrgang werden bekanntlich in der neuen Saison ein paar Spieler die Bremen-Liga-Herren der SG Aumund-Vegesack verstärken. Tjorven Bruns steht zudem vor einem Auslandsjahr. Seine eigene Zukunft beim JFV Bremen lässt Sören Seidel offen: „Wir werden jetzt erst einmal abwarten, wie es weitergeht.“ Grundsätzlich verspüre er aber die Lust, seine Tätigkeit als Nachwuchscoach beim JFV fortzusetzen und den Weg mit den A-Junioren weiterzugehen.

„In erster Linie freut es mich für den Verein, dass ein weiteres Jahr Regionalliga gespielt werden kann im U17-Bereich in Bremen-Nord“, kommentiert der B-Junioren-Coach des JFV, Thorsten Minke, den unverhofften Klassenerhalt seines Teams. Auf der anderen Seite sei es aus Sicht der Spieler und Trainer mehr als unbefriedigend, wenn zwei Spielzeiten nicht auf Wettkampfbasis zu Ende gespielt werden können. „Der Aufwand zu Beginn der Saison mit den gesamten Sichtungstrainings sowie der finanziellen und organisatorischen Planung war alles umsonst. Aber es geht ja allen so“, gibt Minke zu bedenken. Im neuen Jahr werde Sven Wolfram in der Regionalliga mit der U17 an den Start gehen.

„Hier müssen auch erst einmal Sichtungen und Probetrainings gemacht werden, damit eine konkurrenzfähige Mannschaft an den Start gehen kann“, erklärt Thorsten Minke. Da der Norddeutsche Fußballverband nun die Saison abgebrochen habe und aus „Fair-Play-Gründen“ keine Aufsteiger zulasse, sei zurzeit aber noch alles offen. Somit würde die U17 des Blumenthaler SV nicht aufsteigen, habe aber gute Fußballer. Die U19 des JFV Bremen bleibe ebenfalls in der Verbandsliga mit guten Kickern und habe keine Chance auf die Regionalliga. „In diesem Zusammenhang sollten die Verantwortlichen vielleicht einmal mehr über eine gemeinsame Zusammenarbeit nachdenken, um talentierten Jungs die Möglichkeit zu geben, sich überregional zu zeigen. Ansonsten werden sie in Richtung Borgfeld, Oberneuland und Bremerhaven wechseln“, befürchtet Minke.

Im Hinblick auf die Frage, was mit ihm persönlich passieren und sein werde, sei der Coach ziemlich entspannt. „Viele aus meinem aktuellen Kader der U17 können sich eine weitere Zusammenarbeit vorstellen, aber natürlich nicht in der Bezirksliga. Daher haben die derzeitigen Trainer der U19, Sören Seidel und sein Trainerteam, derzeit den Aufschlag und müssen entscheiden, mit welchen Spielern sie gegebenenfalls weiterarbeiten können beziehungsweise wollen“, sagt Thorsten Minke. Er werde in den nächsten Tagen mal Gespräche mit den Verantwortlichen führen und dann schauen, wie es weitergehe.

JFV-Jugendleiter Andreas Petersen erachtet den Beschluss, niemanden auf- noch absteigen zu lassen, als logische Konsequenz: „Wenn man erst drei Spiele absolviert hat, kann man schließlich keinen Koeffizienten anwenden.“ Da die anderen norddeutschen Verbände außer dem Bremer Fußballverband auch bereits ihren Spielbetrieb eingestellt hätten, dürfe man aus seiner Sicht auch niemanden aus Bremen in die Regionalliga aufsteigen lassen: „Das hätte ansonsten nichts mehr mit Fair Play zu tun. Was wäre das für eine Außendarstellung, wenn die anderen Verbände keine Teams in die Relegation schicken könnten? Da kann nicht jeder sein eigenes Süppchen kochen.“

Falls die Bremer Jugend nun irgendwann doch noch die Saison fortsetzen dürfte, würde es dort dann nur noch um die goldene Ananas gehen. Andreas Petersen ist aber skeptisch im Hinblick auf eine Saisonfortsetzung. „Wir bräuchten schließlich erst einmal einen Vorlauf von drei Wochen, damit die Zahl der Verletzungen nicht in die Höhe schnellt. Bei den hohen Corona-Inzidenzwerten sehe ich außerdem keine Chance für einen Wiederbeginn“, so der Jugendleiter. Dadurch, dass die ersten JFV-A-Junioren nicht in die Regionalliga aufsteigen, wird die Reserve auch nicht in die Verbandsliga hochrücken. „Wir werden aber auch in der kommenden Saison starke Mannschaften aufstellen, die jeweils im oberen Mittelfeld mitspielen können“, verspricht Andreas Petersen. Wer die A-Junioren trainieren wird, werde sich noch herausstellen. „In dieser Hinsicht werden wir noch intensive Gespräche führen“, verspricht der 58-Jährige. Fest stehe bislang eben nur, dass Sven Wolfram die B-Junioren in der Regionalliga übernehme.

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Zur Sache

Der DFB hat auch entschieden

Der Deutsche Fußballbund (DFB) hat auch gerade beschlossen, dass es keine Absteiger aus den Bundesligen bei den A- und B-Junioren geben wird. Etwas anders sieht es bei den Aufsteigern aus. Die regionalen Spielklassenträger haben bis zum 30. Juni Zeit, Klubs aus den Regionalligen für die Bundesligen zu benennen. Für die Meldung der Teilnehmer an der Relegation gilt der 14. Juni als Stichtag. Sollte das Pandemie-Geschehen einer Durchführung der Relegationsspiele im Wege stehen, soll das Los entscheiden. Auch der DFB-Pokal der Junioren endet aufgrund der Corona-Pandemie in der aktuellen Spielzeit ohne Sieger. Zuvor hatten sich die an den Wettbewerben teilnehmenden Vereine in Meinungsabfragen mehrheitlich für den Abbruch der Saison 2020/21 ausgesprochen. „Die Saison ohne sportliche Sieger beenden zu müssen, schmerzt natürlich. Dennoch ist klar: Im Sinne der Gesundheit aller Beteiligten ist diese Entscheidung zum Abbruch die richtige. Jetzt haben wir Klarheit und können frühzeitig mit den Planungen für die neue Saison beginnen“, sagt die stellvertretende DFB-Generalsekretärin Heike Ullrich in einem Statement. Mit Blick in die nähere Zukunft betonte Ullrich, wie wichtig eine baldige Rückkehr der Jugendlichen auf die Fußballplätze sei. „Dass Fußball gerade für Nachwuchsspieler ein effektiver Teil der Bekämpfung der langfristigen Pandemie-Folgen ist , steht außer Frage“, so Heike Ullrich. KH

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