Fußball

Kontakt nur noch über WhatsApp

Torben Reiß ist hauptberuflich im Diako-Krankenhaus in Bremen tätig. Seine fußballerische Aufgabe als Sportlicher Leiter des SV Grohn muss sich aktuell auf WhatsApp-Nachrichten und Telefonate beschränken.
05.04.2020, 15:16
Lesedauer: 4 Min
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Von Olaf Schnell
Kontakt nur noch über WhatsApp

Torben Reiß

frei

Grohn. Vor der Coronakrise war der Sportliche Leiter Torben Reiß oft im Auftrag des Fußball-Landesligisten SV Grohn unterwegs. Zwar beschäftigt sich der 48-Jährige jetzt immer noch mit den „Husaren“, doch aufgrund der Pandemie ist sein Einsatz quasi auf Eis gelegt. Der Kontakt mit der Mannschaft und dem Trainerstab wird schwerpunktmäßig nur noch über WhatsApp abgewickelt, „und gemeinsam mit dem Vorstand versuchen wir die Probleme auch per Telefon zu lösen“, sagt Reiß. Lösen muss man die Belange rund um das traditionelle Osterfeuer des SV Grohn am Sonnabend, 11. April, dagegen nicht mehr – das Event wurde bereits abgesagt.

Seit fast 25 Jahren ist Torben Reiß beim DIAKO Bremen in Gröpelingen beschäftigt. Der Nordbremer befindet sich noch nicht im Homeoffice. „Wir haben hier im Krankenhaus noch immer viel zu tun. Sogar mehr, als vor der Coronakrise. Dementsprechend können die Arbeitstage auch schon mal länger werden. Ich mache hier im DIAKO die Fahrertätigkeiten“, sagt Reiß. Seine Aufgaben sind vielfältig. Zum Beispiel muss er für das Haus Schutzmasken oder Schutzbrillen besorgen. Im Haus selber steht für den Grohner Botendienstler ebenfalls viel auf dem Zettel.

„Wir switchen Stationen um, haben zuletzt eine Station für Coronaerkrankte hergerichtet, und ich fahre auch Untersuchungsmaterial in die St. Jürgen-Straße. Im kümmere mich um den Posteingang und -ausgang. Tätige kleine Einkäufe, fahre zum Baumarkt, bringe Sachen von A nach B – eben halt solche Geschichten.“ Da Torben Reiß also immer noch auf Achse sein muss, schützt er sich vor dem Coronavirus. „Wir achten darauf, dass zum Beispiel die Masken richtig eingesetzt werden und wo sie unbedingt erforderlich sind, sprich im OP, oder in den Abteilungen, wo mehr Ansteckungsgefahr besteht.“

War denn schon ein direkter Kontakt zu einem Infizierten? „Nein, die Kranken kommen ja auf die spezielle Corona-Station – wir haben Corona-Intensiv und Corona-Station. Mit diesen Patienten komme ich gar nicht erst in Kontakt. Darauf wurden wir geschult, dass wir auf diesen Stationen auch nicht rumlaufen dürfen“, berichtet Reiß, der in diesem Zusammenhang auch das Besuchsverbot im Krankenhaus anspricht.

„Ich habe bisher erlebt, dass die Leute sehr einsichtig sind. Wir haben natürlich auch vor dem Krankenhaus einen Sicherheitsdienst, und so sind da kaum mal Konflikte. Zwar kommt es schon mal vor, dass einer unbedingt im Krankenhaus jemanden besuchen möchte. Aber das habe ich bisher noch nicht erlebt, sondern nur positive Sachen.“ Reiß betont aber, dass sich sein Leben schon verändert hat. „Ich denke, wie für alle anderen Menschen auch. Man merkt schon, dass seit der Corona-Geschichte alles etwas anders geworden ist. Allein von der sportlichen Seite, da das Freizeitangebot sehr eingeschränkt ist.“

Reiß berichtet, dass bereits kurz nach dem Aufstehen das Coronavirus in seinem Kopf herumschwirrt, „und jedes zweite Wort, das man mit den Leuten, Personal oder Patienten spricht, doch sehr viel mit der Coronakrise zu tun hat.“ So lenke ich mich mit der einen oder anderen Serie auf Netflix ab. Natürlich schaue ich mir auch die Nachrichten an, um immer auf dem Laufenden zu bleiben. Ich denke so, wie es die anderen Menschen momentan auch machen“, sagt Reiß.

Mit seinen Eltern Renate und Volker, die in Lesum wohnen, hat der Grohner momentan persönlich nicht so großen Kontakt. „Ich möchte auch nicht, dass ihnen etwas passiert. Aber wir telefonieren jeden Abend, und so bin ich immer auf dem Laufenden, wie es ihnen geht. Wenn bei denen Not am Mann ist, bin ich für meine Eltern natürlich immer da“, äußert sich der ledige Nordbremer, der beim Einkaufen keine Hamsterkäufe macht. „Ich kaufe noch so ein wie vorher auch. Aber man bekommt schon mit, dass gewisse Sachen Mangelware sind, sprich Toilettenpapier.“

Gibt es an dieser Stelle einen Geheimtipp vom Grohner Vorstandsmitglied, wo man Toilettenpapier kaufen kann? „Nicht wirklich Im Krankenhaus haben wir noch welches, das wird natürlich hier im DIAKO benötigt. Und da lasse ich die Finger von weg. Aber momentan ist bei mir diesbezüglich sowieso noch alles im grünen Bereich. Ich denke, da muss ich jetzt eben etwas mehr Zeit investieren und überall mal schauen.“ Aber Not macht doch erfinderisch, oder? „Zur Not gehe ich dann einmal mehr im Krankenhaus auf die Toilette. Aber zu Hause ist das natürlich auch machbar“, stellt Reiß schmunzelnd fest.

In Sachen Fitness der Spieler machen sich der SVG-Spielertrainer Jan-Philipp Heine sowie Torben Reiß keine großen Sorgen, dass bei einer eventuellen kurzfristigen Saison-Fortsetzung die „Husaren“ konditionell auf dem Zahnfleisch gehen. „Jan-Philipp steht mit den Akteuren ja in Kontakt, auch in puncto Ernährung. Das hat er ihnen schon mit auf dem Weg gegeben. Man merkt schon, dass die Jungs gerne etwas machen wollen. Aber das ist ja alles momentan etwas eingeschränkt – sprich man muss alleine aktiv werden,“ sagt Reiß.„Viele Experten sind ja der Meinung, dass man am 30. April wieder zur Normalität zurückkehren kann. Das zieht sich bestimmt bis in den Sommer hinein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es am 30. April wieder losgeht. Keine Frage, ich würde es mir wünschen. Aber bis in den Mai geht das bestimmt noch“, schätzt Reiß.

Okay, das ist die eine Baustelle, die andere ist der Sportplatz Oeversberg. In Sachen Kunstrasenplatz drückt hier doch gewaltig der Schuh, oder? „Das Thema Oeversberg ist jetzt erst einmal zweitrangig. Aber wir sind da auch mit dem Sportamt und der Jacobs University Bremen in Kontakt und auf dem Laufenden. In unserem Verein ist mit diesem Thema bekanntlich Gunnar Dahnke beschäftigt“, berichtet Reiß. Und mit der Saisonplanung 2020/21 beschäftigen sich die Nordbremer auch schon.

„Mit dem einen oder anderen neuen Spieler stehen wir natürlich immer in Kontakt. Aber man muss doch auch mit den eigenen Jungs Gespräche im Hinblick auf die kommende Spielzeit führen. Aber das ist aufgrund der Corina-Krise etwas in den Hintergrund gerückt, weil wir momentan ganz andere Sorgen haben. Aber auf jeden Fall vernachlässigen wir das nicht und sind immer am Ball“, äußert sich Reiß. Das ist wichtig, denn irgendwann wird wieder der Ball rollen.

„Und wir haben noch unseren Jugend-Förderverein, und auf diese Spieler muss man ja auch ein Auge werfen. Da sind vielleicht einige Spieler dabei, die für uns in Frage kommen“, sagt Reiß, der sich zeitnah auch mit dem Thema Trainerverlängerung beschäftigen möchte. „Da hat uns das Coronavirus ebenfalls einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aber das kommt jetzt ins Laufen. Wir müssen mal gucken, wie die Gespräche mit unserem Coach Jan-Philipp Heine laufen. Und dann schauen wir, was dabei rauskommt. Sein Vertrag läuft ja am 30. Juni aus.“

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