Schlichten in der Grohner Düne

Senat finanziert Schlichtungsarbeit

Der Täter-Opfer-Ausgleich musste sein Projekt „Schlichten in Nachbarschaften“ in der Grohner Düne mangels Finanzierung einstellen. Stattdessen ist der Träger nun in den Schulen des Quartiers aktiv.
02.02.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Senat finanziert Schlichtungsarbeit
Von Aljoscha-Marcello Dohme

Grohn. Auch wenn die Schlichtungsstelle des Täter-Opfer-Ausgleichs in der Grohner Düne seit September vergangenen Jahres mangels Finanzierung geschlossen ist, ist der Träger weiter im Quartier aktiv (wir berichteten). In diesem Jahr stellen die senatorischen Behörden für die Arbeit insgesamt 25.000 Euro zur Verfügung.

Bereits im vergangenen Jahr bekam der Täter-Opfer-Ausgleich 5000 Euro von der beim Senator für Inneres angesiedelten Kooperationsstelle Kriminalprävention. Mit dem Geld wurde ein Schlichtungsprojekt an Schulen im Umfeld der Grohner Düne finanziert.

Die Nordbremer Abgeordnete Maja Tegeler (Linke) sowie ihre Kollegen Ralf Schumann, Sofia Leonidakis und die Fraktion der Linken wollten nun vom Senat wissen, welche Schulen in das Projekt eingebunden sind? Während der jüngsten Sitzung der Stadtbürgerschaft informierte Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne), dass bisher zu sechs Oberschulen und Schulzentren Kontakte geknüpft worden seien. Konkret ginge es bei dem Projekt darum, Konflikte zwischen jungen Menschen aus der Region auch unabhängig von einem Strafantrag und außerhalb eines formellen Strafverfahrens zu klären, sagte Stahmann. Neben den Schulen würden auch Kontakte zum Regionalen Beratungs- und Unterstützungszentrum Nord sowie zum Amt für Soziale Dienste bestehen, so die Senatorin weiter.

Dieses Angebot soll Stahmann zufolge nun verstetigt werden. Deshalb werde das Projekt in diesem Jahr mit Mitteln zur „Förderung von Maßnahmen im Rahmen des Anti-Gewaltprogramms“ von der Senatorin für Soziales, Jugend, Integration und Sport sowie durch einen Teilbetrag der Senatorin für Kinder und Bildung gefördert. „Wir beteiligen uns mit Haushaltsmitteln in Höhe von 20.000 Euro“, sagte Stahmann. „5000 Euro gibt das Bildungsressort dazu.“

Das Sozialressort werde das Schulprojekt nun ausrichten. „Vorbild dabei ist der Bremer Osten, der sehr erfolgreich ein solches Projekt installiert hat. Wir sind sehr zuversichtlich, dass das für Bremen-Nord sehr gut funktioniert“, sagte die Senatorin und stellte in Aussicht, dass das Angebot gegebenenfalls ausgebaut werden könnte.

Zusätzlich würden auch in Zukunft alle Fälle durch den Täter-Opfer-Ausgleich bearbeitet werden, die im Rahmen eines Strafverfahrens oder Jugend-Strafverfahrens als Weisung oder Auflage dem Träger zugewiesen werden. „Diese Fallbearbeitung ist im Rahmen der Täter-Opfer-Ausgleich-Grundfinanzierung durch die Senatorin für Justiz und Verfassung und die Senatorin für Soziales, Jugend, Integration und Sport gewährleistet“, so Stahmann.

Bis September vergangenen Jahres hat der Täter-Opfer-Ausgleich in der Grohner Düne im Rahmen des Programms „Schlichten in Nachbarschaften“ Streitigkeiten in Schlichtungsverfahren geklärt. Finanziert wurde die Arbeit bis Ende März 2020 aus Mitteln des Förderprogramms Wohnen in Nachbarschaften (Win). Zwischen April und September hatte der Verein das Angebot nach den Worten von Frank Winter, fachlicher Leiter des Täter-Opfer-Ausgleichs, auf eigene Kosten aufrechterhalten.

Über die Vergabe der Win-Gelder entscheiden die Bewohner des Quartiers nach dem Konsensprinzip. Einen Folgeantrag zur Finanzierung der Schlichtungsstelle hat das Gremium allerdings nicht bewilligt. Die Anwesenden begründeten ihre Entscheidung damals damit, dass sie von der Arbeit des Trägers nichts mitbekommen würden. „Es wurde gefordert, dass der Täter-Opfer-Ausgleich sich mehr bemühen muss, sichtbar in der Düne zu sein“, sagte Anja Stahmann. „Ich glaube, dass der Täter-Opfer-Ausgleich noch mal daran arbeitet, mit einem neuen Projektantrag das Win-Forum zu überzeugen. Da bin ich absolut zuversichtlich.“

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