Millionenjacht steht in Flammen

Großbrand in Bremer Lürssen-Werft: Löscharbeiten dauern am Samstag an

Auf der Bremer Lürssen-Werft in Vegesack steht derzeit eine Millionenjacht in Flammen. Die Feuerwehr forderte Verstärkung von den Kollegen in Papenburg an, das Feuer breitet sich nicht weiter aus.
14.09.2018, 06:03
Lesedauer: 4 Min
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Großbrand in Bremer Lürssen-Werft: Löscharbeiten dauern am Samstag an
Von Christian Weth
Großbrand in Bremer Lürssen-Werft: Löscharbeiten dauern am Samstag an

Starke Rauchentwicklung am frühen Morgen über der Lürssen-Werft.

Sven Schneider

Mehr als einen Tag nach dem Ausbruch eines Großbrandes in einer Bremer Werft sind am Samstag noch immer rund 200 Feuerwehrleute im Einsatz gewesen. "Das Feuer kommt immer weiter unter Kontrolle, aber es ist noch nicht komplett unter Kontrolle", sagte Feuerwehrsprecher Andreas Desczka am Vormittag. Während die Flammen auf einem Schwimmdock der Lürssen-Werft am Freitag gelöscht werden konnten, stellte das Feuer in einer teuren Jacht die Einsatzkräfte vor große Herausforderungen. Neben vielen brennbaren Materialien seien die kleinen, bei einem Brand schwer erreichbaren Räume ein Problem. Außerdem sei das Schiff aus Metall - das habe eine hohe Wärmeleitfähigkeit. Rauch und Hitze erschwerten die Arbeit. Zwei Feuerwehrleute seien leicht verletzt worden, sagte Desczka.

Niemand kommt durch, alles ist abgeriegelt: Seit Freitag ist das Gelände der Lürssen-Werft im Nordbremer Ortsteil Fähr-Lobbendorf ein Sperrgebiet. Das Areal, das früher einmal zum Vulkan gehörte, wurde evakuiert. Statt Arbeiter sind nur Feuerwehrleute zu sehen. Es ist ein Großaufgebot. Eine Luxusjacht brennt. Das Feuer, heißt es später, hat sich auf mehrere Decks ausgebreitet – und auf das Schwimmdock, in dem das Schiff liegt. Die Löscharbeiten, sagt Feuerwehrsprecher Andreas Desczka, sind kompliziert.

Am Samstag sind Brandschäden am Dock sichtbar.

Am Samstag sind Brandschäden am Dock sichtbar.

Foto: Hans-Ulrich Brandt

Es ist kurz nach halb zehn, als er vor die Kameras und Mikrofone der Journalisten tritt. Zu dieser Zeit sind die Feuerwehrleute seit siebeneinhalb Stunden im Einsatz. Seit 2 Uhr morgens brennt es an Bord der Jacht. Desczka sagt, dass das Feuer noch nicht unter Kontrolle ist. Am späten Nachmittag wird er den Satz wiederholen – und hinzufügen, dass sich die Flammen zumindest nicht mehr ausbreiten. Der Feuerwehrsprecher schließt nicht aus, dass die Löscharbeiten mehrere Tage dauern werden.

Immer wieder neue Feuerwehrwagen

160 Kräfte sind vor Ort. Sie kommen aus Bremen, aus Niedersachsen und von der Meyer-Werft aus Papenburg. Desczka spricht von einem Löschboot, das im Einsatz ist. Vom Rettungshubschrauber Christoph 6, der immer wieder über dem Schwimmdock kreist, um den Feuerwehrleuten zu melden, was sie von unten nicht sehen können. Und von einer schwierigen Lage: „Weil die Jacht im Dock liegt, entweicht die Hitze nicht. Außerdem fehlt es an Zugängen, um die Flammen von mehreren Seiten zu bekämpfen.“

Die Feuerwehr löscht deshalb stundenlang von mehreren Drehleitern aus, ehe Löschtrupps beginnen, in das Innere des Docks und der Jacht vorzudringen. Zwischen Lagerhallen sind Einsatzkräfte zu sehen, die mit Sauerstoffflaschen auf dem Rücken vom Dock kommen – und andere, die sich auf den Weg dorthin machen. Und immer wieder fahren neue Feuerwehrwagen vor. Bis zum Mittag werden es an die 50 sein, die in langen Reihen zwischen Werftgebäuden stehen. Auch Spezialfahrzeuge mit Teleskoparmen sind darunter.

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Meldungen, dass die Jacht von unten durchbrennen und im Schwimmdock kentern könnte, kann Desczka am Vormittag nicht bestätigen. Genauso wenig wie einen Einsturz des Docks. Es soll auf einer Länge von 130 Metern in Flammen gestanden haben. Insgesamt ist das Schwimmdock 200 Meter lang, 30 Meter breit und an die 40 Meter hoch. Es ist das größte der Lürssen-Werft am Nordbremer Standort. Das sagt nicht Desczka, sondern Oliver Grün. Er ist der Sprecher des Jacht- und Schiffbauunternehmens.

Grün steht neben Desczka und schüttelt den Kopf. Zum Ausmaß des Schadens kann er nach eigenem Bekunden nichts sagen. Er geht davon aus, dass es noch dauern wird, ehe genau feststeht, wie groß er tatsächlich ist. Grün sagt nur, dass nicht allein die Jacht, sondern auch das Schwimmdock betroffen ist. Um welches Schiff es sich handelt, das in Flammen steht, lässt er ebenso offen wie den Zeitpunkt, wann die Werft es ursprünglich ausliefern wollte. Nur so viel gibt er preis: „Es war ein Neubau.“

Branchenkenner gehen von Totalschaden aus

Nach Informationen des WESER-KURIER handelt es sich bei der Jacht um ein Millionenprojekt namens „Sassi“ – ein Luxusschiff, das 2020 fertiggestellt sein sollte. Insider sagen, dass der Rohbau der Jacht knapp 150 Meter in der Länge misst. Damit hat das Schiff ähnliche Dimensionen wie die „Topaz“, die ebenfalls von Lürssen gebaut wurde und im weltweiten Ranking der längsten Motorjachten auf dem sechsten Platz liegt. Die „Sassi“ sollte somit zu den sogenannten Megajachten gehören. Branchenkenner gehen von einem Totalschaden aus.

Oliver Grün will an diesem Tag nichts vermuten. Er will sagen, was war und ist. Der Firmensprecher erklärt, dass sofort alle Notfallmaßnahmen ergriffen wurden, nachdem der Brand entdeckt wurde: „Alle Schiffsbauer, die während der Nachtschicht an der Jacht arbeiteten, wurden in Sicherheit gebracht und auf eine mögliche Rauchvergiftung untersucht.“ Wie viele Menschen im Schiff und im Dock waren, als das Feuer ausbrach, kann er nicht sagen. Nach seinem Kenntnisstand sind keine Mitarbeiter zu Schaden gekommen.

Während er mit den Fernseh- und Radio-Teams spricht, steigen hinter ihm aus dem Schwimmdock immer wieder dunkle Rauchwolken auf. Es riecht nach verbranntem Kunststoff. Die amtliche Gefahrenmeldung wird im Lauf des Vormittags aufgehoben. Behörden hatten Anwohner vorsorglich aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten und ihre Wohnungen nicht zu verlassen. Feuerwehrsprecher Desczka sagt, dass keine Lebensgefahr für Anlieger durch den Qualm bestanden hat. Besorgte Anwohner gibt es trotzdem. Ein Mann will wissen, was die Feuerwehr gegen die schwarzen Placken unternimmt, die auf sein Haus niedergegangen sind. Und ob er sie gefahrlos anfassen kann. Desczka notiert sich den Fall. Später will er Kollegen losschicken, um die Sache untersuchen zu lassen. Der Feuerwehrsprecher erklärt, dass er jetzt nicht sagen kann, was das für dunkle Partikel sind – und dass es dauern wird, bis Klarheit herrscht.

Auch darüber, wie das Feuer auf der Jacht entstanden ist. „Erst einmal müssen wir es schaffen, den Brand zu löschen. Dann wird ermittelt.“

Ein Video auf Youtube zeigt den Rohbau der Luxusjacht "Sassi".

+++zuletzt aktualisiert um 19.34 Uhr +++

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