Wartungs- und Reparaturarbeiten Hafenbrücke in Vegesack seit vier Monaten außer Betrieb

Seit Monaten wird die defekte Hafenbrücke in Vegesack repariert. Jetzt steht für fünf Tage eine TÜV-Hauptprüfung an. Danach wird das Bauwerk erneut gesperrt.
18.09.2020, 06:16
Lesedauer: 3 Min
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Von Gabriela Keller

Seit vier Monaten ist die Brücke über den Vegesacker Hafen wegen Wartungs- und Reparaturarbeiten außer Betrieb. Die Klappe steht hoch, Fußgänger und Radfahrer kommen nicht rüber. Eigentlich sollten die Arbeiten Ende August abgeschlossen sein, doch es gibt Verzögerungen. Ab Montag kommender Woche soll die Brücke für kurze Zeit wieder passierbar werden. Für eine Hauptuntersuchung wird die Klappe für fünf Tage geschlossen. Danach wird die Brücke für Fußgänger- und Radfahrer erneut gesperrt.

An der Brücke werden elektrotechnische Anlagen und Steuerungseinrichtungen erneuert. Außerdem müssen Auflagen des Hochwasserschutzes umgesetzt werden und eine TÜV-Prüfung steht an. Seit Mitte Mai ziehen sich die Arbeiten. Ursprünglich sollte die Brücke Ende Juni wieder in Betrieb gehen. Doch wegen der Corona-Pandemie und weil weitere Schäden entdeckt wurden, konnte der Zeitplan nicht eingehalten werden. Als neuen Termin nannte die für das Bauwerk zuständige Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) daraufhin Ende August. Inzwischen ist auch dieses Datum verstrichen.

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„Unter anderem kam es zu Verzögerungen bei der Beschaffung von Ersatzteilen. Aufgrund des Alters der Brücke sind einige Originalteile nicht mehr erhältlich, sodass zunächst Alternativen gefunden werden mussten“, erklärt WFB-Sprecherin Andrea Bischoff die neuerliche Verzögerung.

Inzwischen seien die festgestellten Mängel größtenteils behoben, einige Restarbeiten noch durchzuführen, so Bischoff. Nach Angaben der WFB-Sprecherin mussten unter anderem Sensoren der Schrankenanlage ausgetauscht und das Verriegelungssystem der Brücke erneuert werden. Im Zuge der Reparaturarbeiten seien die elektrotechnischen Anlagen und Steuerungseinrichtungen aus Hochwasserschutzgründen auch gleich verlegt und höher gesetzt worden.

Statische Prüfungen stehen an

Die Arbeiten an der Seilklappbrücke, die mit einer Spannweite von 42 Metern das Ost- und das Westufer des Hafens verbindet, sind damit noch nicht beendet. „Als Nächstes steht die Hauptprüfung der Brücke an. Hierbei werden statische Prüfungen an sämtlichen oberirdischen Brückenelementen vorgenommen“, erklärt Bischoff. Zur Vorbereitung werde die Brücke seit Mittwoch für Probeöffnungen und Gerüstausrichtungen wieder „gefahren“, sie sei wechselweise geöffnet oder geschlossen.

Die Hauptprüfung selbst wird nach den Worten der WFB-Sprecherin vom 21. bis 25. September durchgeführt, in dieser Zeit sei die Brücke passierbar. „Während der Hauptprüfung ist die Brücke die gesamte Zeit geschlossen und kann somit in dieser Zeit von Fußgängern genutzt werden.“ Danach werde die Brücke erneut geöffnet, um den Schiffsverkehr nicht zu beeinträchtigen. Wann die Brücke den Normalbetrieb wieder aufnehmen kann, steht noch nicht fest. „Ob, wann und in welcher Form ein Betrieb der Brücke möglich ist, hängt von den Ergebnissen der für die nächste Woche angesetzten Hauptprüfung und den möglichen Zwischenabnahmen des TÜVs ab“, teilt die WFB-Sprecherin mit. Es sei damit zu rechnen, dass es bis zur endgültigen TÜV-Abnahme keinen Regelbetrieb geben werde.

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Die Klappbrücke, die bei ihrer Einweihung am 14. Mai 2000 mit ihrer innovativen Kniehebeltechnik weltweit einmalig war, ist als Teil der maritimen Meile ein Bindeglied zwischen der Weserpromenade und dem Haven Höövt, dem altem und dem neuen Vegesack. Dass sich die Arbeiten an dem Bauwerk in die Länge ziehen, sorgt im Stadtteil für Unmut. „Ich bin verärgert, dass die Brücke noch nicht in einem nutzbaren Zustand ist. Eine Brücke sollte funktionieren“, sagt der Vegesacker Ortsamtsleiter Heiko Dornstedt. Jetzt müssten Vegesacker und Touristen auf der maritimen Meile den Umweg um den Hafen machen. In den Himmel ragend „wie ein erhobener Zeigefinger“ sei die hochgeklappte Brücke außerdem kein schöner Anblick, findet der Ortsamtsleiter.

Kein positives Signal für Vegesack

Die Schiffe im Museumshaven haben wegen der hochgeklappten Brücke zwar jederzeit freie Fahrt. Doch auch beim Kutter- und Museumshavenverein sieht man die Verzögerungen kritisch. „Das ist kein positives Signal für Vegesack“, meint der Vorsitzende Rolf Noll. „Der Streit um das Hochhaus auf dem Haven Höövt, die drohende Verlegung der 'Schulschiff Deutschland', die Schließung der Strandlust und jetzt noch die defekte Brücke – Vegesack wird dadurch nicht attraktiver.“

Und was sagen Bürger zu der Dauer-Baustelle Hafenbrücke? „Das ist kein Aushängeschild für Vegesack“, meint eine Aumunderin, die am Hafen entlangspaziert. Er sei verärgert über die lange Reparatur, sagt ein Mann, der mit seinem Rad vorkommt. Früher habe er in einer Industriewäscherei gearbeitet, erzählt der 71-Jährige. „Wenn da an den 30 Meter langen Waschstraßen mal was kaputt war, wurde am Wochenende Tag und Nacht gearbeitet, damit am Montag alles wieder lief.“ Bei einer Brücke in öffentlicher Hand spielten Zeit und Geld aber offenbar keine Rolle, kritisiert der Vegesacker.

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