HSG Vegesack/Hammersbeck

Keine Langeweile selbst nach 20 Jahren

Carsten Blum ist der Dauerbrenner unter den Handball-Trainern der HSG Vegesack/Hammersbeck. Der 51-Jährige betreut nun bereits seit mehr zwei Jahrzehnten die Handballerinnen der Spielgemeinschaft.
17.08.2020, 14:43
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Karsten Hollmann
Keine Langeweile selbst nach 20 Jahren

Carsten Blum heiratete im Jahre 1999 in eine ziemlich sportliche Familie ein. Der Vater seiner Frau, István Geczi, war Fußball-Nationaltorhüter in Ungarn – und traf dabei unter anderem auf die deutsche Nationalmannschaft mit Paul Breitner und Franz Beckenbauer.

Christian Kosak

Carsten Blum ist der Dauerbrenner unter den Trainern der HSG Vegesack/Hammersbeck. Der 51-Jährige betreut nun bereits seit mehr zwei Jahrzehnten die Handballerinnen der Spielgemeinschaft. Handball wird in der Familie Blum ohnehin groß geschrieben. Die Ehefrau von Carsten Blum, Aniko Blum, geborene Geczi, wurde mehrfach deutsche Meisterin mit dem TuS Walle Bremen. Der gemeinsame Sohn Marc Blum läuft für die Oberliga-Handballer der HSG Schwanewede/Neuenkirchen auf.

Aniko Geczi hatte im Jahre 1996 überraschend die HVH-Damen als Coach übernommen. Ihr Assistent war dabei Carsten Blum, der gleichzeitig die zweite Damenformation betreute. Parallel war das Gespann Geczi/Blum dann auch noch für den damaligen Lüssumer TV verantwortlich.

Später trainierte Carsten Blum auch seine spätere Ehefrau bei der HSG Vegesack/Hammersbeck. Gemeinsam ging es im Jahre 2002 an der Seite von Peter Meistrzok rauf in die Verbandsliga. Aniko Geczi war dann aber auch noch umgekehrt Trainerin der HVH-Männer mit Carsten Blum als Spieler. „Da waren wir dann auch schon ein Paar“, berichtet Carsten Blum. Aus seiner Sicht genoss er dabei aber keinerlei Vorteile. Als wahre „Rückraumkeule“ mit einer Körperlänge von 196 Zentimetern hätte er auch unter jedem anderen Übungsleiter in der ersten Sieben gestanden.

„Ich war damals relativ unangefochten auf meiner Position im halblinken Rückraum“, versichert Blum. Seine spätere Ehefrau sei als Trainerin schon eine Hausnummer gewesen. Schließlich hatte diese in ihrer ungarischen Heimat ein Sportlehrerin-Diplom erworben. „Ihre Trainingsmethodik war schon super“, betont Carsten Blum.

Blum heiratete im Jahre 1999 in eine ziemlich sportliche Familie ein. Der Vater seiner Frau, István Geczi, war Fußball-Nationaltorhüter in Ungarn und traf dabei unter anderem auf die deutsche Nationalmannschaft mit Paul Breitner und Franz Beckenbauer. Er vertrat sein Land unter anderem bei der Weltmeisterschaft im Jahre 1966 in England und bei der Europameisterschaft 1972 in Belgien. In diesem Jahr gewann er auch bei den Olympischen Spielen mit seinem Team die Silbermedaille.

Der Bruder von Aniko Geczi, Gábor Geczi, war auch Torwart, allerdings im Eishockey. Dabei trug dieser ebenfalls das Nationalmannschaftstrikot seines Landes. Gábor Geczi ist heute Dozent an einer Hochschule in Budapest. Trauzeugin bei der Heirat zwischen Aniko Geczi und Carsten Blum war keine geringere als die 219-fache deutsche Nationalspielern Dagmar Stelberg.

Im Jahre 1996 zog sich Carsten Blum einen Kreuzbandriss im linken Knie zu. Als er ein paar Jahre später dieselbe Verletzung noch einmal erlitt, beendete dieser seine aktive Laufbahn vorzeitig. Vor ein paar Jahren wurde Carsten Blum aber noch einmal rückfällig, indem er erst für ein Jahr in der zweiten HVH-Mannschaft „rumdaddelte und Meistertitel in der B-Klasse beitrug“, ehe er dem ersten Team vor drei Jahren mit seinen Toren zum Aufstieg in die Bremenliga verhalf.

„Das war für mich der passende Abschluss. Ich wollte mein Glück mit der Verletzungsfreiheit auch nicht weiter strapazieren“, sagt Blum. Dieser kam mehr aus Zufall zum Handballsport. Sein Vater Karl-Heinz Blum war Fußballer beim FC Rot-Weiß Lemwerder. „Deshalb habe ich auch als Kind nach der Schule auf einer Wiese gekickt. Ich hatte aber irgendwann keine Lust mehr darauf, im Regen auf dem Platz zu stehen“, teilt Carsten Blum mit. Deshalb schloss er sich den Turnern der FT Hammersbeck an. Es folgten drei Jahre als Ringer beim Lüssumer TV.

„Ich war aber einfach zu groß für diese Sportart und damit auch nicht besonders erfolgreich“, räumt Blum ein. Deshalb folgte er im Alter von 17 Jahren dem Lockruf seines Kumpels Ulrich Breitenstreit und schloss sich den Handball-A-Junioren beziehungsweise später der zweiten Hammersbecker Herrenmannschaft an.

Nach dem Zusammenschluss zwischen der SG Aumund-Vegesack und der FT Hammersbeck zur HSG Vegesack/Hammersbeck landete Carsten Blum zunächst im vierten HVH-Team, ehe ihn „Kalli“ Bierwirth, der ehemalige Bundesligaspieler des TV Grambke, als Trainer für die erste Formation entdeckte. Hier spielte Blum in der Bezirksliga. Als er dann ein Angebot des damaligen Verbandsligisten TV Grambke erhielt, kam ihm der erste Kreuzbandriss in die Quere.

Carsten Blum engagiert sich auch bereits seit 20 Jahren im HVH-Vorstand und war auch jahrelang deren Vorsitzender. „Mittlerweile bin ich als Kassenwart etwas nach hinten gerückt“, informiert der Siebdrucker. In all seinen HVH-Jahren trainierte er auch immer wieder diverse Jugendmannschaften. Momentan kümmert der 51-Jährige sich gemeinsam mit seinem Sohn Marc und mit Kerstin Burkhardt um die zweite weibliche C-Jugend der Spielgemeinschaft.

Seine Tätigkeit als Trainer der HVH-Damen unterbrach er nur einmal vor 15 Jahren für sechs Wochen. „Eine Spielerin hatte damals gemeint, dass wir als Team nicht vorankämen und das Training nicht mehr so viel Spaß mache. Sie sorgte als Redelsführerin für meine kurzfristige Ablösung auf der Trainerbank“, lässt Carsten Blum wissen. Aber nur wenige Woche nach der Demission hätten die Spielerinnen ihn schon wieder zu einem Comeback überredet.

„Ein Bundesliga-Trainer hat mal gesagt, dass man als Coach einer Damenmannschaft auch Psychologe sein muss. Das kann ich nur bestätigen“, erklärt der Fan des THW Kiel. Auch wenn nach jeder Serie Anfragen von anderen Vereinen kämen, sehe der Hammersbecker keinen Grund dafür, den Klub zu wechseln: „Schließlich habe ich die Halle an der Lerchenstraße genau vor meiner Tür. Ich denke mir auch immer neue Sachen für das Training aus, sodass keine Langeweile aufkommt.“ Dieser hatte zunächst Maschinenbau und im Anschluss Soziologie an der Bremer Universität studiert. „Durch eine Reform an der Uni wurden die Veranstaltungen aber überwiegend auf den Vormittag verlegt. Dies kollidierte mit meiner Arbeit“, teilt Carsten Blum mit. Weil er seinen Job nicht aufgeben wollte, habe er sein Studium geschmissen.

Zu jener Zeit sei dann auch sein Sohn Marc zur Welt gekommen. Marc Blum hatte quasi gar keine andere Wahl, als auch Handballer zu werden. „Der hat die Hallen schon sehr früh kennengelernt“, sagt Carsten Blum. Wenn immer es die Zeit zulässt begleitet dieser seinen Sohn zu den Spielen der „Schwäne“ in der Oberliga, um ihn anzufeuern. Der Werder-Anhänger lässt es sich aber auch nicht nehmen, die Spiele seiner Lieblingsmannschaft in der Fußball-Bundesliga zu verfolgen.

„Wir schauen die Spiele zusammen in einer kleinen Gruppe“, berichtet der Coach. Er sei sehr froh darüber, dass seine Werderaner mit dem in der Relegation gegen den 1. FC Heidenheim erlangten Klassenerhalt noch einmal mit einem tiefblauen Auge davongekommen seien. Beruflich stellt er tiefseefeste Label für Gefahrgut-Container her. Dies geschieht mittels Siebdruck. „Der Digitaldruck kann so etwas noch nicht. Ich hoffe, dass dies auch noch bis zu meiner Rente so bleiben wird“, erklärt Carsten Blum.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+