Geldgeber ziehen sich zurück Jacobs-Stiftung unterzeichnet Scheidungsurkunde

Für die Bremer Jacobs University ist es der gravierendste Einschnitt in ihrer noch jungen Geschichte: Die Jacobs Foundation zieht sich aus dem Projekt zurück. Eine Vereinbarung wurde am Dienstag unterzeichnet.
08.07.2020, 05:00
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Jacobs-Stiftung unterzeichnet Scheidungsurkunde
Von Jürgen Theiner

Der Rückzug der Schweizer Jacobs Foundation aus der Förderung der Jacobs University in Bremen-Nord ist beschlossene Sache. Vertreter der Stiftung, der Privathochschule und des Senats haben am Dienstag ihre Unterschriften unter eine Vereinbarung gesetzt, die die Rahmenbedingungen für den Ausstieg regelt.

Kern der Übereinkunft ist die Übertragung der Eigentumsanteile der Foundation an der gemeinnützigen Jacobs Unversity GmbH an einen neuen Gesellschafter zum Jahresende. Bisher hält die Stiftung zwei Drittel des Stammkapitals von 33 000 Euro, den Rest teilen sich die Reimar Lüst Stiftung und die Vereinigung der Jacobs-Absolventen. Vorzugsweise, so heißt es in der am Dienstag getroffenen Vereinbarung, soll nun über einen Einstieg Bremens oder eines vom Senat benannten Dritten verhandelt werden.

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Außerdem verpflichtet sich die Jacobs Foundation, 63 Millionen Euro an Förderung, die noch bis 2027 in jährlichen Jahren an die Privathochschule fließen sollten, vorzeitig auszuzahlen. Mit diesem Geld stünde ein finanzieller Puffer für eine Übergangszeit bereit, in der sich die Zukunft der Jacobs University klärt. Ohne dieses Geld würde der Einrichtung schon in wenigen Monaten die Insolvenz drohen.

Rückzug war absehbar

Mit dem Ausstieg der Jacobs Foundation endet ein anderthalb Jahrzehnte währendes Engagement der aus Bremen stammenden Milliardärsfamilie Jacobs in Grohn. Im Jahr 2001 hatte dort auf dem Gelände der früheren Roland-Kaserne die International University Bremen (IUB) den Betrieb aufgenommen. Fünf Jahre später stieg die Foundation mit einer Spende von 200 Millionen Euro ein, woraufhin die Privathochschule ihren heutigen Namen erhielt. Das Ziel, einen Kapitalstock aufzubauen, dessen Erträge dauerhaft zum Betrieb der Jacobs University beitragen, wurde jedoch verfehlt. Die 200 Millionen flossen nach und nach zur Deckung des Defizits der Jacobs-Uni ab. 2013 erklärte sich die Foundation bereit, im Zeitraum von 2018 bis 2027 insgesamt weitere 100 Millionen Euro in jährlichen Tranchen zur Verfügung zu stellen.

Nun ist es mit dem Engagement der in Zürich ansässigen Stiftung jedoch vorbei. Die dort tonangebenden Personen haben keine starke Bindung mehr an Bremen, zudem hat sich die Foundation unter ihrer Präsidentin Lavinia Jacobs inhaltlich stärker auf Bildung in Kindheit und Jugend ausgerichtet. Dass die Jacobs Foundation sich mittelfristig aus Grohn zurückziehen würde, war deshalb für Eingeweihte schon seit einiger Zeit klar erkennbar.

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Wie es nun mit der akademischen Einrichtung weitergeht, ist offen. In einem Interview mit der NORDDEUTSCHEN, der Nordbremer Regionalausgabe des WESER-KURIER, hatte Uni-Präsident Antonio Loprieno kürzlich gesagt, Ziel müsse es sein, die Jacobs-Uni „einzubremen“, also in die bremische Wissenschaftslandschaft zu integrieren. Was das heißen könnte, dazu gibt es theoretisch ein breites Spektrum an Möglichkeiten. In veränderter Trägerschaft könnte die Jacobs University durchaus die private Elite-Uni bleiben, als die sie vor zwanzig Jahren gestartet war.

Allerdings halten es Insider für äußerst unwahrscheinlich, dass sich hierfür neue Geldgeber finden. Bei einem Einstieg der öffentlichen Hand, über den ja vorrangig verhandelt werden soll, würde die Reise mit Sicherheit in eine andere Richtung gehen. Als im April 2018 in der Bürgerschaft über öffentliche Hilfen für die Jacobs-Uni gestritten wurde, empfahl Linken-Haushälter Klaus-Rainer Rupp die „Nutzung der Liegenschaften für den öffentlichen Wissenschaftsbetrieb und nicht für ein elitäres Prestigeprojekt“. An dieser Haltung hat sich zwischenzeitlich nichts geändert – allerdings sitzen die Linken inzwischen in der Regierung, und auch in den Reihen von SPD und Grünen gibt es nicht allzu viel Sympathie für die Jacobs-Uni in ihrer bisherigen Form.

Senat hat Vorschlagsrecht

Wissenschaftsstaatsrat Tim Cordßen betont derweil die Offenheit des Transformationsprozesses, der jetzt einsetzen soll. Wie berichtet, ist geplant, bis in den Spätherbst die Möglichkeiten eines neuen Geschäftsmodells für die Jacobs-Uni auszuloten. „Wir werden da akademischen und wirtschaftlichen Sachverstand einbinden, auch die zuständigen parlamentarischen Gremien“, kündigt Cordßen an und fügt hinzu: „Die Lösung muss am Ende breit getragen sein.“

Bremen wird indes seinen Einfluss auf die Jacobs-Uni schon bald ausbauen. Für die Sitze in ihrem Aufsichtsrat (Board of Governors), aus dem sich die Foundation zurückzieht, bekommt der Senat ein Vorschlagsrecht. Die Suche nach geeigneten Personen, so ist zu hören, läuft bereits auf vollen Touren.

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