Neue Kita in Grohn

Kritik am Notausgang der Kita

Der Drei-Millionen-Neubau für das SOS-Kinderdorf Worpswede in Grohn soll Anfang nächsten Jahres eröffnet werden. Eine Anwohnerin kritisiert die Lage des Notausgangs an der Vorderseite des Gebäudes.
02.11.2020, 07:00
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Von Klaus Grunewald
Kritik am Notausgang der Kita

Der Notausgang der künftigen Kindertagesstätte an der Friedrich-Humbert-Straße, der sich nach außen öffnet, stellt eine Gefahr für Fußgänger dar, meint eine Grohnerin. Philipp Romeiser, technischer Geschäftsführer des Bauträgers M-Projekt, widerspricht.

Christian Kosak

Grohn. Die Tür der künftigen Kindertagesstätte an der Friedrich-Humbert-Straße geht unvermittelt auf – nach außen. Gäbe es den Sicherheitszaun nicht, Fußgänger oder Radfahrer könnten Schaden nehmen. „Wird denn nur noch einfach drauf los gebaut, ohne nachzudenken?“, empört sich eine Leserin dieser Zeitung (Name ist der Redaktion bekannt). „Natürlich nicht“ lautet die Antwort von Philipp Romeiser, technischer Geschäftsführer des Bauträgers M-Projekt, und verweist auf das Bauordnungsrecht.

Bei besagtem Holzportal handelt es sich nach Romeisers Worten um einen Notausgang für einen Fluchtweg. Der werde genutzt, wenn zum Beispiel ein Feuer ausbricht. Und dessen Tür darf sich laut Bauordnungsrecht nur nach außen hin öffnen lassen. Darüber hinaus, so der M-Projekt-Geschäftsführer, liege der Neubau nicht direkt am Gehweg, was auch an der Pflasterung zu erkennen sei.

Radfahrer und Fußgänger dürften davon aber wohl kaum Notiz nehmen. Deshalb hält die Leserin an ihrer Kritik fest und spricht von einer Fehlplanung. Der Fluchtweg müsse sicherlich sein, aber der hätte ja auch zu einer Notausgangstür führen können, die sich an der linken Gebäudeseite zum Grundstück hin öffnen lasse, sagt die Grohnerin. Auf dem rund 1700 Quadratmeter großen Areal an der Friedrich-Humbert-Straße 158 bis 160 stand noch bis Ende 2018 ein Mehrfamilienhaus. Das war zwölf Jahr lang unbewohnt, wurde dann baufällig und von Grohner Bürgern abfällig als Rattenburg bezeichnet. Sie sammelten gut 1000 Unterschriften und verlangten die Beseitigung des Schandflecks. Schließlich erwarb der Nordbremer Unternehmer Norbert Lange-Kroning das heruntergekommene Gebäude, ließ es abreißen und veräußerte das Grundstück an den Investor M-Projekt.

Dessen Tochtergesellschaft Projektgrund plante und baute schließlich für rund drei Millionen Euro (Gesamtinvestition) ein Kinder- und Familienzentrum, das vom SOS-Kinderdorf Worpswede betrieben werden soll. Mit dem gemeinnützigen Verein, der sich Deutschland weit in der Kinder- und Jugendhilfe engagiert, sei ein Mietvertrag mit einer Festlaufzeit von 30 Jahren abgeschlossen worden, heißt es auf der Homepage von Projektgrund. Das Richtfest für das knapp 1000 Quadratmeter große Kinder- und Familienzentrum wurde vor rund zehn Monaten, am 17. Dezember 2019, in Anwesenheit von Vegesacks Ortsamtsleiter Heiko Dornstedt und dem Leiter des SOS-Kinderdorfes Worpswede, Joachim Schuch, gefeiert. Schuch nannte als Grund für Bauverzögerungen vor allem den Mangel an Facharbeitern in der Baubranche.

Der geplante Eröffnungstermin für die Kita, Spätsommer oder Herbst 2020, konnte deshalb auch nicht eingehalten werden. Dabei ist der Bedarf an Kitaplätzen im Ortsamtsbereich Vegesack momentan besonders groß. Wie berichtet, fehlen 182 Plätze, was Heiko Dornstedt allerdings auch darauf zurückführt, dass nirgendwo in Bremen-Nord die Zahl der Einwohner so deutlich gestiegen sei wie in der alten Hafenstadt.

Die Übergabe des Kinder- und Familienzentrum an den Mieter SOS-Kinderdorf Worpswede soll nach Mitteilung von Philipp Romeiser nun am 1. Dezember erfolgen. Und die offizielle Eröffnung beziehungsweise Inbetriebnahme sei für Mitte Januar/Anfang Februar 2021 vorgesehen, sofern die Corona-Richtlinien es zuließen, teilt SOS-Kinderdorf-Pressesprecherin Tanja Oelfke auf Anfrage mit. Die monatliche Miete, so Oelfke, werde auf das Konto der Volksbank Bremen überwiesen, die ab 1. Dezember als Eigentümer der Immobilie an der Friedrich-Humbert-Straße fungiere. Die Kinderdorf-Sprecherin: „Wir zahlen einen marktüblichen Mietpreis.“

Der Neubau mit Kinderrestaurant und Funktionsräumen bietet auf zwei Etagen Platz für zwei Elementargruppen (für Kinder von drei bis sechs Jahre) mit jeweils 20 Plätzen sowie für zwei Krippengruppen (für Kinder von einem bis drei Jahren) mit jeweils zehn Kindern. Die Betreuungszeit beläuft sich zunächst auf sechs Stunden (von 8 bis 14 Uhr) und wird von Sommer 2021 an möglicherweise um zwei Stunden verlängert. Dann sollen zehn bis zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Grohner Familienzentrum tätig sein.

Darüber hinaus, so ist auf der Homepage des Vereins zu lesen, sind Angebote für Familien geplant, um die Vernetzung zum Sozialraum Grohn weiter auszubauen. Vorgesehen seien Gesprächsrunden zwischen Eltern und pädagogischen Fachkräften sowie „bunte“ Veranstaltungen. „Wir möchten Familien aus der Region eine frühkindliche Bildung und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen“, wird Kinderdorf-Einrichtungsleiter Joachim Schuch zitiert.

Schon seit 2017 ist das SOS-Kinderdorf Worpswede deshalb in der Grohner Düne aktiv: mit einem „sozialen Mittagstisch“, einem Second-Hand-Laden für Kinderbekleidung sowie mit Eltern-Kind-Spielkreisen zur Förderung des Einstiegs in die Kinderbetreuung.

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