Vegesacker Bahnhofsplatz

Kneipe „Muddy“ schließt im Januar endgültig

Die Vegesacker Traditionskneipe Muddy schließt im Januar endgültig. Der langjährige Betreiber Heiko Grebesich hat keinen Nachfolger gefunden. The Rustlers und Crossfire treten noch auf.
20.12.2019, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Imke Molkewehrum

Eine Ära geht zu Ende: Das Muddy am Vegesacker Bahnhofsplatz schließt im Januar für immer seine Tür. Bremen-Nord verliert damit eine weitere traditionsreiche Musikkneipe. Der Mietvertrag zwischen dem Betreiber Heiko Grebesich und Immobilien Bremen endet am 31. Januar. Bis dahin gibt es noch drei Konzerte. Die Nordbremer Band The Rustlers steht am Donnerstag und Freitag, 26. und 27. Dezember, nochmals auf der Bühne. Der ultimativ letzte Gig findet im Muddy am 10. Januar mit der Band Crossfire statt.

Heiko Grebesich hatte 1994 als Aushilfe im Muddy angefangen. Nach dem Rückzug von Martina Eicken betrieb er den Laden von 2002 bis Ende 2017. Dann unterverpachtete er das Muddy aus Alters- und Zeitgründen an Andreas Kiecol. Der hat jedoch im Sommer 2019 Insolvenz angemeldet. Seither kümmert sich Grebesich wieder um die Kneipe, doch die Tage sind gezählt.

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Rückblickend erinnert sich Grebesich besonders gern an einen Auftritt der deutsch-britischen Rockband Lake im November 2002. „Ein Highlight waren immer auch die Weihnachtskonzerte der Rustlers“, betont der Gastronom.

„Der mieseste Moment war ganz klar die Auseinandersetzung nach der Liveübertragung des Fußball-WM-Endspiels am 13. Juli 2014“, sagt Heiko Grebesich. Fröhlich feiernde Fans und Passanten wurden damals auf dem Bahnhofsvorplatz von gewalttätigen Männern angegriffen. Ein Ziel der Aggressoren war auch das Muddy. Dorthin hatte sich einige der verängstigten Menschen geflüchtet. Es flogen Gehwegplatten und Mobiliar gegen Türen und Fensterscheiben. Der Sachschaden an der Kneipe ging in die Tausende. „Die Stimmung war von Jubel auf null gesunken. Das alles hat mich viel Kraft gekostet“, erinnert sich Grebesich schaudernd.

Keinen Nachfolger gefunden

„Ich war 25 Jahre vor Ort“, sagt der 57-jährige Gastronom. „Da hängt eine Menge Herzblut dran, und es tut mir wirklich leid, dass so viele Läden sterben, aber ich selbst schaff das nicht mehr.“ Gern hätte er einen Nachfolger präsentiert, der dem Muddy neues Leben einhaucht. Aber die Suche war vergebens. Grebesich: „Deshalb ziehe ich jetzt einen Schlussstrich.“

Nicht nur Stammgäste sind betrübt, auch die Bandmitglieder trauern. „Das ist für uns ein großer Einschnitt. Wir haben im Muddy immer gern gespielt. Wenn es schließt, haben wir in Bremen-Nord keine geeignete Auftrittsmöglichkeit mehr“, bedauert Volker Siedenburg, Musiker der Rockband Rustlers. „In den letzten Jahren haben wir jeweils zwei bis drei Mal im Muddy gespielt. Uns verbindet viel mit dem Ort“, betont der 70-jährige Physiker.

Seit 1964 gibt es seine Band. Damals haben sich Schüler des Gerhard-Rohlfs-Gymnasiums zusammengetan, um gemeinsam Musik zu machen – von den Rolling Stones, Thin Lizzy oder The Who. „Zwei Urmitglieder sind noch heute dabei“, so Siedenburg. Er selbst gehört dazu. Auf der Playlist stehen „inzwischen aber auch Balladen mit hartem Touch“, sagt Siedenburg und nennt Uriah Heep oder AC/DC.

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Zu den letzten beiden Weihnachtskonzerten im Muddy sollen möglichst alle noch verbliebenen Bandmitglieder kommen, die je bei den Rustlers mitgespielt haben. „An sich sind wir heute sieben Mitglieder, aber 13 könnten kommen“, sagt Siedenburg und ergänzt: „Das Muddy ist eine tolle Location, weil wir dort dicht am Publikum sind, da ist keine Barriere.“ Bemerkenswert sei aber, dass sich das Publikum der Rustlers verändert habe. „Die Älteren bleiben weg, stattdessen kommt ein jüngeres Publikum.“

Siedenburg erinnert sich an zwei besondere Auftritte: „Wir haben in Syke mal vor einem einzigen zahlenden Gast gespielt. Und im Muddys mal vor 250 Leuten. Das war definitiv zu voll. Da kam niemand bis zur Theke.“ Die Anzahl der Eintrittskarten sei seither auf 200 beschränkt.

„Angefangen haben wir schon im damaligen „Jazz-Lok“. So hieß das Muddy früher“, erzählt Siedenburg. 1990 habe Martina Eicken die Kneipe übernommen und in Muddy umbenannt. „Sie war sehr erfolgreich, wollte nach elf Jahren aber lieber was anderes machen.“ Im Jahre 2002 habe Heiko Grebesich, der vorher im Muddy angestellt war, das Ruder übernommen. „Martina und Heiko haben viel für die Musik getan“, betont Siedenburg.

Bands bedauern Schließung

Das findet auch Henry Motzkus, Mitglied der Band Crossfire, die 2002 zum ersten Mal im Muddy aufgetreten ist. Mittlerweile haben sie 16 Mal dort gespielt und bedauern das Aus der Traditionskneipe. „Das Besondere an der Location ist die Bühne, die für größere Bands groß genug ist“, sagt Motzkus. „In den Laden gehen locker 120 bis 180 Leute rein. Es gibt keine vergleichbare Spielstätte in Bremen-Nord“, bedauert der 64-Jährige. Das Kito sei für Rockmusik nicht geeignet, Kulturbahnhof und Bürgerhaus seien dagegen zu groß.

Die Band Crossfire besteht seit 1981. Wegen beruflicher Pläne und Familiengründungen haben die Musiker ihr Hobby jedoch zwischenzeitlich für zehn Jahre auf Eis gelegt. „2002 haben wir uns dann wieder zusammengetan.“ Heute hat Crossfire sieben Mitglieder. „Wir haben die Auftritte aber auf zehn Gigs pro Jahr begrenzt – das ist ja nur ein Hobby“, sagt Motzkus und betont: „Das Ende des Muddy ist sehr traurig für die Bands und die Kultur in Bremen-Nord.“

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