Marodes Bad in Vegesack

Kritik an Bädergesellschaft wegen Freizeitbad Vegesack

Bürgerschaftsabgeordnete sind am Dienstag mit der Bädergesellschaft ins Gericht gegangen. Hintergrund ist die unklare Situation des Freizeitbades Vegesack. Detlef Scharf (CDU): „Da herrscht Chaos!“
26.03.2019, 17:17
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Kritik an Bädergesellschaft wegen Freizeitbad Vegesack
Von Julia Ladebeck
Kritik an Bädergesellschaft wegen Freizeitbad Vegesack

Wie es mit dem Vegesack Schwimmbad weitergeht, soll am 4. April bekanntgegeben werden.

Christian Kosak

Es war eine überraschende Aussage, die Sportsenatorin Anja Stahmann (Grüne) in der Sitzung der Bremischen Bürgerschaft am Dienstagmittag machte: „Wir werden das Freibad Vegesack in diesem Sommer öffnen.“ Nachgefragt hatte Silvia Neumeyer (CDU). Die Antwort der Senatorin verblüffte unter anderem Neumeyers Fraktionskollegen Detlef Scharf: „Da bin ich mal gespannt. Vorstellen kann ich mir das nicht“, sagte er.

Und zwar deshalb, weil die Schäden am Außenbecken so gravierend sind, dass sie nicht ohne erhebliche Investitionen und viel Aufwand behoben werden können. Das hatte die Bremer Bädergesellschaft im vergangenen Jahr betont. Aus diesem Grund blieb das Freibad im Sommer 2018 geschlossen. Das Freizeitbad Vegesack war Thema in der Fragestunde der Bremischen Bürgerschaft. Die CDU-Fraktion hatte eine Anfrage zur Situation des Bades gestellt.

"Deutlich größerer Handlungsrahmen"

Wie berichtet, hieß es in der Antwort der Sportsenatorin, dass sich die ursprünglich angedachten Sanierungsvarianten nach Untersuchungen der Betonkonstruktion, der Standsicherheit und der Korrosion von Bauteilen des Hallenbades als wirtschaftlich nicht sinnvoll erwiesen haben. Es habe sich ein „deutlich größerer Handlungsrahmen“ ergeben. Inwiefern lediglich Teile des Bades neu gebaut werden müssen oder das gesamte Schwimmbad, werde sich erst „im Laufe des Verfahrens“ zeigen.

Zwei weitere Nachfragen beantwortete die Sportsenatorin. Unter anderem die nach den Kosten, die je nach Ausbauvariante von circa 20,5 Millionen bis circa 23 Millionen Euro reichen, aber durch mehrere Faktoren wie Kostensteigerungen in der Bauwirtschaft noch höher ausfallen könnten. Die angegebene Summe beziehe sich auf die Gesamtkosten für Sanierungsarbeiten an Freibad und Hallenbad, sagte Stahmann auf Nachfrage. Und sie erklärte, dass Martina Baden, Geschäftsführerin der Bremer Bädergesellschaft, im vergangenen Jahr noch nicht gewusst habe, dass die Schäden so groß sind.

Lesen Sie auch

Weitere Fragen beantwortete die Sportsenatorin nicht. Sie verwies auf die Sitzung des Beirats Vegesack, in der es nähere Informationen geben soll. Allerdings betonte Stahmann, sie könne sich Bremen-Nord ohne ein Hallenbad und Freibad nicht vorstellen. „Wir brauchen in Bremen-Nord weiterhin ein solches Bad – eines das funktioniert, modern und barrierefrei ist.“

Wie auch immer sich die Situation des Freizeitbads Vegesack darstellt, zu der die Bremer Bädergesellschaft am 4. April in der Beiratssitzung Stellung nehmen will – eines steht für Ortsamtsleiter Heiko Dornstedt fest: Das Bad muss unbedingt erhalten bleiben. „Der Senat ist jetzt gefordert“, sagte der Ortsamtschef. „Er muss die notwendigen Mittel bereitstellen, damit sowohl das Freibad als auch das Hallenbad in Vegesack für die Zukunft aufgestellt werden können.“ An einen Abriss und vollständigen Neubau glaubt Dornstedt nicht. „Sonst wären die Sanierungen, die jetzt gemacht wurden, ja hinfällig.“

Abenteuerliche Geschichte

Für Detlef Scharf ist die Situation des Vegesacker Bads „ein Schock“. Er kritisiert die Bremer Bädergesellschaft: „Da herrscht Chaos“, sagte er. „Das Bäderkonzept existiert schon seit 2011/2012. Aber es passiert einfach nichts. Umso länger man wartet, desto schlechter wird die Situation. Das sieht man am Horner Bad, wo die Kosten inzwischen von ursprünglich elf Millionen auf mittlerweile 23 Millionen gestiegen sind. Und das sieht man jetzt am Bad in Vegesack.“ Außerdem stellt er sich die Frage, warum das Ausmaß der Schäden erst jetzt festgestellt wurde. „Das Bad wurde doch regelmäßig untersucht. Das hätte man doch merken müssen.“

Dieser Meinung ist auch Rainer Buchholz (FDP). „Die Geschichte ist abenteuerlich. Offenbar sind die Untersuchungen in der Vergangenheit nicht genau oder nicht vorausschauend genug gemacht worden. Solche Schäden stellen sich schließlich nicht von heute auf morgen ein. Von Fachleuten erwarte ich, dass sie rechtzeitig Alarm schlagen und etwas unternehmen, damit die Schließzeiten möglichst kurz bleiben.“

Lesen Sie auch

Der FDP-Bürgerschaftsabgeordnete fordert eine Interimslösung, die sicherstellt, dass die Nordbremer weiterhin schwimmen gehen können. „Die Bäder, die wir noch haben, müssen gestärkt werden.“ Eine Idee sei, so Buchholz, die Öffnungszeiten im Freibad Blumenthal zu verlängern und dort weitere Angebote zu finanzieren. „Der Förderverein hat sicher jede Menge Ideen, für die bisher nur das Geld fehlt.“

Die SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Heike Sprehe betonte, das Freizeitbad sei unverzichtbar für Vegesack, „sowohl für den Schwimmsport als auch für Privatpersonen“. Es sei misslich, dass nach den jüngsten Sanierungen und Einschränkungen für die Besucher jetzt ein noch größerer Sanierungsbedarf festgestellt wurde. Sie hält es für merkwürdig, dass das Ausmaß der Schäden nicht eher erkannt wurde. „Man geht ja eigentlich davon aus, dass das gesamte Gebäude angeguckt wird, wenn Sanierungen anstehen. Das ist bisher noch nicht nachvollziehbar. Ich gehe aber davon aus, dass es in der Beiratssitzung eine Erklärung geben wird.“ Wichtig sei aber vor allem, dass der Standort gesichert sei.

Lesen Sie auch

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+